Ermittlungserfolg

Tödliche Attacke am S-Bahnhof in Bohnsdorf ist aufgeklärt

Im Fall des 72-Jährigen, der am S-Bahnhof Grünbergallee angegriffen wurde und später seinen Verletzungen erlag, ist nun der Täter gefasst worden. Er gab zu, mit dem Rentner in Streit geraten zu sein.

Foto: schroeder

Zehn Tage noch einem tödlichen Streit im S-Bahnhof Grünbergallee in Treptow war die Suche der zuständigen 5. Mordkommission nun erfolgreich. Nach Angaben eines Polizeisprechers wurde am Sonnabend der mutmaßliche Täter festgenommen, der für den gewaltsamen Tod eines 72 Jahren alten Mannes am 6. August verantwortlich sein soll.

Der 72-Jährige war im Treppenaufgang des Bahnhofes niedergeschlagen und schwer verletzt worden. Passanten hatten ihn gefunden und Polizei und Feuerwehr alarmiert. Eine Notarztwagenbesatzung hatte ihn in ein nahe gelegenes Krankenhaus transportiert. Doch auch die sofortige medizinische Versorgung konnte den 72-Jährigen nicht retten. Er erlag seinen schweren Schädelverletzungen.

Zeugen hatten den gesuchten Täter detailliert beschreiben können, sodass die Polizei mit einer Öffentlichkeitsfahndung an die Medien ging. Durch mehrere Hinweise aus der Bevölkerung konnte der mutmaßliche Täter schließlich identifiziert und in seiner Wohnung festgenommen werden. Der 39-Jährige leistete keinen Widerstand. Er wurde am Sonntag einem Richter vorgeführt, der ihm einen Haftbefehl verkündete.

Zunächst verbale Auseinandersetzung

Die Ermittler der 5. Mordkommission vernahmen den Verdächtigen. Laut offiziellen Angaben soll er in Teilen geständig sein. Wie die Berliner Morgenpost aus Sicherheitskreisen erfuhr, soll der 39-Jährige zu Protokoll gegeben haben, dass er den Mann im Bereich des Treppenaufganges mit seinem Fahrrad gerammt hatte. Dieser sprach ihn darauf hin an, aus der zunächst verbalen Auseinandersetzung sei dann ein körperlicher Konflikt entstanden, in dessen Verlauf der 39-Jährige seinen Kontrahenten zu Boden stieß.

Er bestreitet allerdings die Tötungsabsicht. Nach Angaben eines Ermittlers ist der 39-Jährige bislang nicht wegen Gewalttaten polizeilich in Erscheinung getreten. Im Moment sehe es tatsächlich danach aus, als habe er überreagiert und den Mann in einem Anfall von Wut von sich gestoßen – „was die Tat keineswegs schmälert“, so ein Ermittler. Was dem Mann in jedem Fall negativ angerechnet werden könnte, sei der Umstand, dass er sich nicht um das Opfer gekümmert habe, nachdem es hilflos am Boden lag.

Der 39-Jährige muss sich nun entweder wegen Totschlags oder wegen gefährlicher Körperverletzung mit Todesfolge verantworten. Hinzu kommt der Tatbestand der unterlassenen Hilfeleistung. Im Falle einer Verurteilung ist eine Haftstrafe möglich, zumal sich der Verdächtige nicht selbst gestellt hat, sondern erst nach Hinweisen aus der Bevölkerung gefasst wurde. „Hätte sich der Täter um den Gestürzten gekümmert und selbst die Feuerwehr alarmiert, wäre das zu erwartende Strafmaß geringer gewesen“, hieß es in Polizeikreisen.

Für einen an den Ermittlungen beteiligten Beamten zeigt dieser tragische Fall einmal mehr die Verrohung der Gesellschaft. „Wenn schon alte Menschen attackiert werden, weil sie sich darüber beschweren, von einem Fahrrad gerammt zu werden, dann ist das alarmierend.“