Zoo Berlin

Rieke ist auf dem Weg in ihre neue Heimat „Monkey World“

Orang-Utan Rieke verlässt den Zoo Berlin. Tierpfleger und Kurator bringen das sieben Wochen alte Tier nach England. In der Monkey World in Dorset trifft Rieke auf Artgenossen.

Wenn es um das Wohl von Affen geht, kann Alison Cronin richtig kratzbürstig werden. „In Großbritannien ist es genauso leicht einen Schimpansen als Haustier zu kaufen wie einen Goldfisch“, wettert sie, als sie vor dem Umweltausschuss des britischen Parlaments als Sachverständige geladen ist. Die Frau meint es ernst.

Seit mehr als 20 Jahren kümmert sie sich in der Monkey World in Wool (Grafschaft Dorset) um zurückgelassene und geschlagene, vernachlässigte und misshandelte Affen. Die Monkey World ist das weltweit anerkannteste Zentrum dieser Art. Und es ist die neue Heimat von Rieke, dem Urang-Utan-Baby, das seit seiner Geburt am 12. Januar 2015 im Berliner Zoo aufgepäppelt wurde.

Alison Cronin hat das Zentrum an der südenglischen Kanalküste gemeinsam mit ihrem amerikanischen Mann Jim gegründet.

Damals holten die beiden Schimpansen von den Stränden der Welt, die dort als Touristenattraktionen herhalten mussten. Heute leben auf dem 25 Hektar großen Gelände mehr als 250 Affen, darunter drei Gruppen Orang Utans und rund 60 Schimpansen. Die Monkey World ist inzwischen nicht nur das größte Auffangbecken und Rettungszentrum für Menschenaffen weltweit. Es ist auch eine Attraktion für die Urlauberregion im Süden Englands. Vor allem Familien mit Kindern zieht es in den Erlebnispark.

Tierpfleger Aust wechselt Riekes Windeln auf dem Rücksitz

Künftig werden sie dort auch Rieke bestaunen. Am Montagmorgen hat das am 12. Januar in Berlin geborene Urang-Utan-Baby den Zoo Berlin in einem Landcruiser verlassen. Es soll nach einer 1300 Kilometer langen Reise zusammen mit Tierarzt und Kurator André Schüle und Tierpfleger Christian Aust in England eintreffen. Die Fahrt soll geschätzte 13 bis 15 Stunden dauern. Geplant ist, alle drei Stunden eine Pause einzulegen zum Beispiel um mit frisch abgekochtem Wasser das Milchpulver für Rieke anzurühren. Auf Toilette müssen nur die menschlichen Mitfahrer – Rieke trägt Windeln, die Tierpfleger Aust der Kleinen auch während der Reise auf dem Rücksitz wechseln kann.

Die große Hoffnung ist, dass vor allem einer der Bewohner sie besonders herzlich in Empfang nimmt: Seit kurz vor Weihnachten lebt in Dorset ein kleiner Sumatra-Orang-Utan mit Namen Bula Mata, selbst erst fünf Monate alt. „Wir freuen uns, dass Rieke in Monkey World nicht nur ein neues Zuhause unter Artgenossen, sondern auch einen Spielkameraden in ihrem Alter bekommt“, sagt Tierpfleger Aust.

Die Mutter des Babys war im Zoo von Budapest nur eine Woche nach der Geburt gestorben. Die Pfleger in Berlin wie in Dorset hoffen, dass die beiden schnell Freunde werden und wie Geschwister aufwachsen können. Der kleine Bulu Mata wurde von einer der Orang-Utan-Damen im Park versorgt. Das Weibchen hat eine besonders soziale Ader – sie hatte bereits zuvor ein dreijähriges Junges adoptiert. Ob sie sich auch um Rieke kümmert, muss sich zeigen.

Mitarbeiter Fellmantel, um Orang-Utan-Mütter zu imitieren

Aber auch für den Fall, dass sich keine der Affendamen für die Mutterschaft Riekes erwärmen sollte, sind die Engländer gerüstet. Die Pfleger tragen spezielle Mäntel, die dem Fell der Affen nachempfunden sind. So sollen sich die Kleinen geborgener fühlen, etwa wenn sie mit der Nuckelflasche gefüttert oder mit Windeln für neugeborene Menschenbabys gewickelt werden. Oder wenn sie die kleinen Äffchen einfach umhertragen. Orang-Utan-Mütter tragen ihre Jungen in freier Natur sieben Jahre lang am Körper.

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Foto: Reto Klar