Konzept

Was Andreas Knieriem in Zoo und Tierpark alles ändern will

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Helga Labenski

Foto: Wolfgang Kumm / dpa

Andreas Knieriem hat große Pläne für Zoo und Tierpark. So soll der Eingang am Hardenbergplatz vergrößert werden. In Friedrichsfelde sollen die Tiere nach Kontinenten untergebracht werden.

Der Zoo will seinen Haupteingang am Charlottenburger Hardenbergplatz noch in diesem Jahr umgestalten. Am Löwentor würden dann mehr Kassen eingerichtet, auch ein Zoo-Shop werde entstehen, sagte der Chef von Zoo und Tierpark Berlin, Andreas Knieriem, am Montag beim Unternehmertreff des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI). Die Arbeiten sollen im Sommer beginnen.

Der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf plant zwar eine grundlegende Umgestaltung des Hardenbergplatzes. Aber: „Wir wollen nicht abwarten, bis da etwas passiert“, sagte Knieriem im Ludwig-Erhard-Haus an der Charlottenburger Fasanenstraße. Am Eingang Löwentor würden sich an manchen Tagen so lange Schlangen bilden, dass Interessenten von einem Zoo-Besuch abgeschreckt würden, begründete Knieriem, warum er den Umbau des Zoo-Eingangs für dringend hält. Durch die Umgestaltung sollen die Zeiten für den Ticketkauf verkürzt, aber auch die Wartezone von der Straße weg verlagert werden.

Mit einem neuen Konzept will Andreas Knieriem, der sein Amt als Zoo-Chef in Berlin im April vergangenen Jahres angetreten hatte, auch den defizitären Tierpark Friedrichsfelde attraktiver machen. Unter dem Motto „Reise um die Welt“ sollen die Tiere auf dem 110 Hektar großen Areal in geografischen Erlebnisbereichen leben. Dazu sollen moderne, von Besuchern begehbare Gehwege geschaffen werden, die ein „Mittendrin-Gefühl“ vermitteln. Auch für ein Projekt „Farmen der Welt“ mit regionalen und fremdländischen Schauhöfen biete der Tierpark genug Platz.

Shuttle-System für Friedrichsfelde

Auf dem Gelände mit seinem 25 Kilometer langen Wegenetz will der Direktor Transportmöglichkeiten schaffen. Das könnten sowohl Shuttles sein, die Gäste zu verschiedenen Stationen bringen, als auch Fahrzeuge, in denen Erlebnistouren durch den Tierpark möglich sind. In Zoos seien drei Kilometer Wegstrecke die Regel. „Alles andere kann nicht funktionieren“, gab er zu bedenken – nicht nur, weil er sich bei einem Rundgang selbst einmal Blasen gelaufen habe. Andreas Knieriem sieht das Vorhaben als ein Projekt von „ein oder zwei Jahrzehnten“ an. Allein im Tierpark gebe es 270 Gebäude. „Da geben wir einen Haufen Geld für Energie aus“, sagte er.

Über die Kosten seiner Pläne wollte er sich am Montag noch nicht äußern. Er werde aber dafür werben, dass das Land Berlin in Zoo und Tierpark investiere, um sie wettbewerbsfähig zu machen.

Knieriem möchte beide Einrichtungen unter der Dachmarke „Zoologische Gärten Berlin“ betreiben. Der Zoo sei mit seiner einmaligen City-Lage schon jetzt für Touristen sehr attraktiv. 62 Prozent der jährlich drei Millionen Zoo-Besucher kämen nicht aus Berlin. Der Tierpark hingegen locke mit kaum einer Million Besuchern im Jahr bisher nur wenige Touristen an und werde selbst von Berlinern schlecht angenommen. „Es ist ein Tierpark für Friedrichsfelde“, sagte Knieriem. „Aber wir können das ändern.“

Rieke reist noch vor Ostern nach England

Berlin bekommt so schnell keinen zweiten Knut – und das findet Zoodirektor Andreas Knieriem keineswegs schlimm. Der Eisbär hatte bis zu seinem Tod vor fast vier Jahren Millionen Besucher in den Berliner Zoo gelockt. Mit dem Affenbaby Rieke hätte der Zoo wieder einen solchen Publikumsmagneten. Der kleine Orang Utan soll nun aber bis spätestens Ostern in ein Waisenhaus für Affen nach Südengland umziehen. Knieriem machte deutlich: Er will mit neuen Konzepten mehr Besucher in Zoo und Tierpark locken – und nicht mit einzelnen Tierstars.

Für den Zoodirektor steht mit Blick auf das Affenmädchen fest: Die Entwicklung eines Zoos dürfe nicht von „einer Handaufzucht“ abhängen. Immerhin gelte der Hauptstadt-Zoo gilt mit seinen 1500 Arten als weltweit der artenreichste.

( mit dpa )