Gesundheit

Masernwelle in Berlin - Koalition droht mit Impfpflicht

Berlin erlebt zurzeit die größte Masernwelle seit der Einführung des Infektionsschutzgesetzes im Jahr 2001. Nun droht eine Verschärfung des Gesetzes: Bundespolitiker diskutieren eine Impfpflicht.

Foto: pa/gms

Immer mehr deutsche Großstädte werden zurzeit von einer Masernwelle erfasst. Am schwersten sind Berlin und Leipzig betroffen. Allein in der Bundeshauptstadt wurden in den ersten acht Wochen dieses Jahres mit 447 Fällen mehr Masernerkrankungen gemeldet als deutschlandweit im gesamten vergangenen Jahr.

Der Ausbruch versetzt die schwarz-rote Koalition in Alarmbereitschaft. Gesundheitspolitiker von CDU und SPD drohen nun mit der Einführung einer Impfpflicht. „Wir brauchen jetzt eine konzertierte Aktion von Gesundheitspolitikern aller Parteien und von den Ärzteverbänden, um eine große Impfwelle in Gang zu setzen“, sagte der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Karl Lauterbach.

Nötig sei in den nächsten Wochen ein Kraftakt zur Steigerung der Impfbereitschaft. „Wenn das nicht gelingt, muss eine Impfpflicht für Kleinkinder der nächste Schritt sein.“ Lauterbach bekommt damit Zustimmung vom Koaltionspartner. Auch der CDU-Gesundheitspolitiker Jens Spahn fordert eine härtere Gangart gegen Impfskeptiker.

Größter Ausbruch seit 2001 in Berlin

Seit dem Beginn der Welle in Berlin im Oktober bis zum 18. Februar sind laut Landesamtes für Gesundheit und Soziales (LaGeSo) 530 Fälle gemeldet worden. Damit ist dieser Ausbruch der größte seit der Einführung des Infektionsschutzgesetzes im Jahr 2001. Bisher lag der Spitzenwert bei 493 Fällen im Jahr 2013. Allein in der vergangenen Woche hätten sich 70 Menschen neu angesteckt, berichtete das Landesamt.

Masern sind keine harmlose Kinderkrankheit. Sie schwächen das Immunsystem und können bei Komplikationen zu schweren Infektionen wie Lungen- und Gehirnentzündungen führen. Seit Beginn des aktuellen Ausbruchs mussten 144 Menschen ins Krankenhaus. 426 Patienten – das sind 89 Prozent – gaben bisher an, dass sie nicht gegen Masern geimpft waren.

Inzwischen haben die Berliner Gesundheitsbehörden dazu aufgerufen, den Impfschutz bei Kindern und Erwachsenen zu überprüfen, um weitere Ansteckungen zu vermeiden.