Gesundheit

Berlin bekommt die Masernwelle nicht in den Griff

Immer mehr Menschen erkranken in Berlin an Masern. Ein Grund ist mangelnder Impfschutz. Dass die Ansteckungen jetzt auftreten, ist allerdings Zufall. Die Morgenpost beantwortet die wichtigsten Fragen.

Foto: Achim Scheidemann / dpa

Die Masernwelle in Berlin ebbt nicht ab. Allein in diesem Jahr sind 347 Menschen erkrankt, 132 mussten in einem Krankenhaus behandelt werden. Die Berliner Morgenpost beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema:

Warum bekommt Berlin die Masernwelle nicht in den Griff?

Weil es zu viele Menschen gibt, die nicht oder nicht ausreichend geimpft sind. Deutschlandweit haben bei den 30- bis 39-Jährigen nur 46,7 Prozent mindestens eine Masernimpfung. Bei den 18- bis 29-Jährigen sind es 79,8 Prozent. Das ist zu wenig. Das Robert Koch Institut sagt, eine Eliminierung der Krankheit könne nur bei einer Impfquote von 95 Prozent funktionieren. Dazu kommt, dass Masern hochansteckend sind. Der Kontakt mit einem Kranken führt bei Ungeimpften nahezu immer zu einer Ansteckung. Deswegen appelliert die Senatsverwaltung für Gesundheit an die Berliner, sich impfen zu lassen: „Auf Grund des derzeitigen Ausbruchs wird allen Kindern und Erwachsenen empfohlen, ihren Impfstatus durch den Hausarzt überprüfen zu lassen“, sagte eine Sprecherin. Das gelte besonders für diejenigen, die nach 1970 geboren wurden.

Warum hat die Welle gerade Berlin erreicht?

Reiner Zufall. Es reicht ein Infizierter aus, eine solche Masernwelle auszulösen. Die aktuelle Erkrankungswelle ging von Asylbewerbern aus.

Welche Bezirke sind besonders betroffen?

Die meisten Erkrankungen gibt es in Friedrichshain-Kreuzberg mit 71 Fällen. Dann folgen Neukölln mit 59 Erkrankten und Mitte und Pankow mit je 38 Fällen. Die wenigsten Fälle gibt es in Steglitz-Zehlendorf mit 13 Fällen.

Wie werden Masern übertragen?

Der Virus wird durch das Einatmen infektiöser Tröpfchen, die durch Sprechen, Husten oder Niesen frei werden, übertragen. Oder auch durch den Kontakt mit Sekreten aus der Nase oder dem Rachen.

Welche Symptome treten bei einer Erkrankung auf?

Eine Masernerkrankung verläuft in zwei Phasen. Sie beginnt mit Fieber, entzündeter Bindehaut, Schnupfen, Husten und einem Ausschlag an der Mundschleimhaut, der sich in weißen bis weiß-blauen Flecken äußert. Die bekannten Flecken auf der Haut entstehen drei bis sieben Tage nach dem Auftreten der ersten Symptome. Die Flecken entstehen zuerst im Gesicht und hinter den Ohren. Wer einmal an Masern erkrankt ist, ist für den Rest seines Lebens immun dagegen.

Welche Komplikationen können auftreten?

Durch die Infektion ist das Immunsystem für etwa sechs Wochen geschwächt. Dadurch ist es anfälliger für Folgeinfektionen wie bakterielle Superinfektionen. Zu den häufigsten Komplikationen zählt die Lungenentzündung, Bronchitis oder die akute Mittelohrenzündung. In sehr seltenen Fällen kann es zu einer Gehirnentzündung kommen, die auch zu einer geistigen Behinderung führen oder sogar tödlich enden kann.

Wie kann ich mich vor einer Ansteckung schützen?

Die wirksamste Maßnahme ist die Schutzimpfung. Die erste Impfung wird im Alter von elf bis 14 Monaten empfohlen. Die zweite kann vier Wochen nach der ersten stattfinden und soll im Alter zwischen 15 bis 23 Monaten verabreicht werden. Die Effektivität einer Masernimpfung liegt durchschnittlich bei 91 Prozent, die einer doppelten Impfung bei 92 bis 99 Prozent.

Wie ist die Impfquote in Berlin?

Die Impfquote bei Schulanfängern in Berlin liegt bei 95,9 Prozent bei der Erstimpfung und 90,9 Prozent bei der Zweitimpfung.

Was ist, wenn ich meinen Impfstatus nicht kenne?

Die ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt bei einem unklaren Impfstatus, sich einmal mit einem MMR-Impfstoff (Masern, Mumps, Röteln) impfen zu lassen. Die Empfehlung gilt auch für alle nach 1970 Geborenen ohne Impfung oder nur einer Impfung in der Kindheit.

Was kann ich tun, wenn ich nicht geimpft bin und Kontakt mit Erkrankten hatte?

Möglichst innerhalb von drei Tagen nach dem Kontakt zu Masernkranken sollte man sich mit einer Dosis gegen Masern impfen lassen. Das gilt auch für Kinder ab neun Monaten.

Wie ist die Reaktionskette bei einer Masernerkrankung?

Masern sind entsprechend des Infektionsschutzgesetzes meldepflichtig. Tritt zum Beispiel in einer Einrichtung wie einer Schule oder Kita ein Masernfall auf, muss die Einrichtung das zuständige Gesundheitsamt, alle Mitarbeiter und die Eltern informieren. Erkrankte Kinder, Angehörige und Mitarbeiter dürfen die Einrichtung für die Zeit der Erkrankung nicht betreten.