Gesundheit

Masernwelle in Berlin – Zahl der Erkrankungen steigt rapide

Seit Jahresbeginn gibt es mehr Fälle als im gesamten Vorjahr. 117 Menschen mussten im Krankenhaus behandelt werden. Die Gesundheitsverwaltung appelliert an die Berliner, sich impfen zu lassen.

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Die Zahl der Masernerkrankungen in Berlin steigt weiter. Bis Mittwoch haben sich 291 Menschen mit der meldepflichtigen Viruserkrankung angesteckt, teilte die Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales am Donnerstag mit. 117 von ihnen mussten in einem Krankenhaus behandelt werden. Ende Januar lag die Zahl der Erkrankten noch bei 254. Zum Vergleich: Im gesamten letzten Jahr waren 133 Menschen in Berlin neu an Masern erkrankt.

„Letztlich können wir nur an Erwachsene ohne Impfschutz appellieren, sich impfen zu lassen“, sagte Constance Frey, Sprecherin der Senatsgesundheitsverwaltung. Auch niedergelassene Ärzte sollten auf das Thema bei ihren Patienten ein besonderes Augenmerk legen. Unter den Erkrankten, die befragt wurden, hätten knapp 90 Prozent keinen Impfschutz gehabt.

Der Ausbruch der hoch ansteckenden Krankheit in Berlin begann bereits im Oktober 2014 unter Asylbewerbern. Mittlerweile sind 63 Prozent der Erkrankten Berliner – es könnten aber noch mehr sein. Nicht bei allen Patienten sind der Wohnort oder das Herkunftsland erfasst.

Als ein Grund für den Krankheitsausbruch unter den Asylbewerbern gilt, dass während des Balkankonflikts in den 90er-Jahren nicht mehr regelmäßig geimpft werden konnte. Bislang können sich Flüchtlinge, wie jeder Berliner, impfen lassen, wenn sie es möchten. Für die Umsetzung sind die Bezirke zuständig. Wie die Senatsgesundheitsverwaltung weiter mitteilte, wird zurzeit an einem Konzept zur Einrichtung einer zentralen Impfstelle für Flüchtlinge gearbeitet. „Im Landesamt für Gesundheit und Soziales hat sich dazu in Absprache mit den Bezirken eine Arbeitsgruppe gebildet“, erklärte Sprecherin Frey.

Meldepflicht bei Erkrankung

Masern sind eine meldepflichtige Erkrankung. Ärzte oder Einrichtungen wie Schulen und Kitas müssen auftretende Fälle dem zuständigen Gesundheitsamt melden. Bis zum Ende der Ansteckungsfähigkeit dürfen die Erkrankten die Einrichtungen nicht mehr betreten. Bereits vor den Berliner Winterferien fiel an einzelnen Schulen jedoch der Unterricht ganz aus, weil Schüler oder Lehrer an Masern erkrankt waren. So zum Beispiel an der Kladower Grundschule am Ritterfeld oder am Leibniz-Gymnasium in Kreuzberg.

Die Winterferien enden am kommenden Montag. Der Vorsitzende des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte in Berlin, Klemens Senger, forderte den Senat auf, nicht nur Kinder, sondern auch Jugendliche in Praxen einzuladen, um sie zu informieren und impfen zu lassen. „Gerade diese schwierig zu erreichende Gruppe müssen wir ansprechen“, sagte der Kinderarzt der Morgenpost. Außerdem forderte er, dass auch Kinderärzte die Eltern impfen dürfen. Bislang lehnt die Kassenärztliche Vereinigung dies ab, weil die Impfung von Erwachsenen fachfremd sei, erklärt Senger. „Das ist mehr als ärgerlich, wenn wir die Impflücke schließen sollen.“ Die gibt es laut Robert-Koch-Institut vor allem bei Männern und Frauen, die nach 1970 geboren wurden.

Die Impfquoten von Berliner Schulkindern sind dagegen gut. 95 Prozent von ihnen sind einmal geimpft, 91 Prozent zweimal. „Es ist zwar immer noch Luft nach oben, aber die Quoten sind schon sehr gut“, sagte Constance Frey. Das Robert-Koch-Institut weist jedoch darauf hin, dass eine Ausrottung der Krankheit nur bei einer Quote von 95 Prozent bei beiden Impfungen möglich sei.