Sicherheit in Berlin

Immer mehr Wachschutz im Jobcenter und im Hallenbad

Schwierige Situationen im Publikumsverkehr nehmen in Berlin immer mehr zu. In den Bezirken müssen öffentliche Einrichtungen immer öfter gesichert werden.

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Vor Juwelieren und Edel-Boutiquen gehörten Wachschützer längst dazu. Auch in Schwimmbädern, Sozialämtern und Jobcentern sind sie immer häufiger im Einsatz. Jetzt wird in Berlin die erste öffentliche Bücherei geschützt. Neukölln sah sich dazu genötigt, um Ordnung zu gewährleisten.

Auch in anderen Bezirken wird beobachtet, dass die schwierigen Situationen im Publikumsverkehr zunehmen. „Solche Dimensionen wie in Neukölln, gibt es bei uns in Tempelhof-Schöneberg aber noch nicht“, sagt der Chef der öffentlichen Bibliotheken Engelbrecht Boese. Anlässe für Streitigkeiten gibt es viele, Beanstandungen von Entgelten oder aber auch Anweisungen, sich doch ruhiger zu verhalten. Auch in den Büchereien in Mitte soll es weiterhin keine Sicherheitskräfte geben. „Die Bibliotheken bestehen darauf, ein offenes Haus zu sein – auch wenn es immer mal wieder Konflikte gibt“, sagt Stadträtin Sabine Weißler (Grüne). Bislang seien die Streitigkeiten immer noch durch Gespräche zu regeln gewesen. Und es seien nicht nur Jugendliche, die hin und wieder schwierig seien, sondern auch Erwachsene.

In den zwölf Berliner Arbeitsagenturen und in den zwölf Jobcentern hingegen patrouillieren bereits seit mehr als sieben Jahren Wachschützer. Sie sind in den Häusern unterwegs und tragen dort schon allein durch ihre Anwesenheit zur Deeskalation bei, berichtet Agentur-Sprecher Uwe Mählmann. Nötig ist der Wachschutz nach Einschätzung der Arbeitsagentur, weil es ganz allgemein die gesellschaftliche Entwicklung gebe, dass die Bereitschaft zur Gewalt wachse. In den Jobcentern und Arbeitsagenturen habe es immer wieder mal Aggressionsvorfälle gegeben, weshalb auch ein Alarmsystem installiert worden sei.

Manchmal muss auch die Polizei eingreifen

„Immer mal wieder Übergriffe“ gibt es auch im Sozialamt im Rathaus Tempelhof. Ab und an wird dann ein Hausverbot erteilt. Einen Wachschutz hat Stadträtin Sibyll Klotz (Grüne) trotzdem nicht beauftragt. „Wir haben aber ein Sicherheitssystem mit einer Taste am Computer. Dabei wollen wir es auch gerne belassen“, sagt die Politikerin. Nicht umhin gekommen – auch wenn sie sich damit politisch schwergetan habe – ist sie aber, einen Wachschutz für den Asylbewerberleistungsbereich zu ordern. „Der größte Teil funktioniert gut, aber in Einzelfällen kommt es zu Beschimpfungen bis hin zum Versuch, tätlich zu werden. Da rufen wir dann die Polizei“, berichtet Klotz. Die Sicherheitsmitarbeiter wirkten deeskalierend und präventiv.

Auch die Berliner Bäder-Betriebe(BBB) müssen neben Konfliktlotsenprojekten im Sommer wie „Bleib cool am Pool“ zunehmend auf Sicherheitskräfte zurückgreifen. „Es gibt den Trend, dass gegenseitiger Respekt und Rücksichtnahme gerade in Großstädten eher nicht mehr so verbreitet sind, weshalb unsere Kunden den Wachschutz begrüßen und sich sicherer fühlen“, sagt BBB-Sprecher Matthias Oloew. Nötig sei der Wachschutz in den freizeitorientierten Bädern am Kreuzberger Spreewaldplatz und dem Schöneberger Stadtbad , aber auch in der Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark (SSE) in Prenzlauer Berg. Vor allem in den Freizeitbädern mit den höheren Tarifen komme es eher mal dazu, das Drehkreuz zu übersteigen ohne nachzuzahlen. Seit mehr als zehn Jahren gebe es in fast allen Berliner Sommerbädern Wachschutz. Kosten: 400.000 bis 600.000 Euro – damit könnte ein Hallenbad ein Jahr lang betrieben werden.

Gute Erfahrungen mit dem Wachschutz hat auch Charlottenburg-Wilmersdorf in seinen riesengroßen und zudem verwinkelten Dienstgebäuden gesammelt. Der Drogenkonsum auf Toiletten im Rathaus Charlottenburg wurde „eindeutig eingedämmt“, berichtet Stadträtin Dagmar König (CDU). Ganz zu verhindern sei die Problematik allerdings schon deshalb nicht, weil sowohl das Rathaus als auch das Dienstgebäude am Hohenzollerndamm nah an der U-Bahn-Linie 7, bekannt als Drogenlinie, liege. Die Zweierteams, die in den Dienstgebäuden Streife liefen und dabei auch die Toiletten kontrollierten, schreckten aber immerhin ab. Eins sei auch klar: „Wir wollen ein offenes Haus bleiben“, sagt die Stadträtin.