Nahverkehr

In Berlin gibt es immer mehr Schwarzfahrer

BVG und S-Bahn haben im vergangenen Jahr fast 700.000 Fahrgäste ohne Ticket erwischt. Damit stieg die Zahl der Schwarzfahrer um fast ein Viertel. Die Verkehrsunternehmen kontrollieren schärfer.

Foto: Lukas Schulze / dpa

Kontrolleure der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) und der S-Bahn Berlin haben im vergangenen Jahr fast 700.000 Schwarzfahrer in den Bussen und Bahnen erwischt. Das entspricht einem Anstieg von rund 24 Prozent gegenüber 2013. Konkret wurden von BVG-Kontrolleuren im Vorjahr 355.476 Fahrgäste ohne gültigen Fahrausweis ertappt, fast 130.000 mehr als im Jahr zuvor.

Bei der S-Bahn, die zum bundeseigenen Bahn-Konzern gehört, wurden 333.519 Reisende ermittelt, die kein gültiges Ticket vorweisen konnten, 7000 mehr gegenüber 2013. Das geht aus Zahlen hervor, die der Berliner Senat auf eine parlamentarische Anfrage des Grünen-Abgeordneten Stefan Gelbhaar am Sonnabend veröffentlicht hat.

BVG hat ihre Kontrollen fast verdoppelt

Ursache für den Anstieg dürfte indes weniger eine gravierende Verhaltensveränderung der Fahrgäste sein. Vielmehr verschärften vor allem die landeseigenen Verkehrsbetriebe nach einem Wechsel bei dem privaten Dienstleister im Vorjahr die Kontrolltätigkeit spürbar. Demnach hat sich 2014 die Zahl der in den Bussen und Bahnen kontrollierten Fahrgästen mit rund 5,3 Millionen gegenüber knapp 2,8 Millionen im Jahr zuvor fast verdoppelt. Deshalb reduzierte sich sogar bezogen auf die absolute Zahl der Kontrollen der Anteil der Beanstandungen von acht Prozent auf 6,8 Prozent. Auch bei der S-Bahn sank der Anteil der kontrollierten Fahrgäste, die ohne ein gültiges Ticket angetroffen wurden, leicht von 4,5 auf 4,2 Prozent.

20 Millionen Euro Schaden

Rückschlüsse auf die tatsächliche Zahl der Schwarzfahrer lassen die Kontrollergebnisse indes nicht zu. Wie berichtet, geht allein die BVG davon aus, dass ihr durch Schwarzfahrer jährlich ein Einnahmeverlust von mindestens 20 Millionen Euro entsteht. Das entspricht etwa dem Doppelten der Summe, die das Nahverkehrsunternehmen in diesem Jahr durch die Erhöhung der Fahrpreise an Mehreinnahmen erzielen will. Für das Geld könnte die BVG auch etwa 60 Doppeldeckerbusse oder 15 U-Bahn-Wagen neu anschaffen.

Bußgelder von

BVG und S-Bahn nahmen den Angaben zufolge durch Bußgelder für das Schwarzfahren 2013 jeweils rund 5,3 Millionen Euro ein. Zahlen für 2014 liegen noch nicht vor. Laut einem BVG-Sprecher decken die Einnahmen aus dem sogenannten „erhöhten Beförderungsentgelt“ bestenfalls die Ausgaben für die Kontrolleure. Die BVG zeigte zudem im vergangenen Jahr 33.723 Personen an, weil sie in einem Zeitraum von zwei Jahren drei Mal beim Schwarzfahren oder wegen Ausweisfälschungen erwischt wurden. Die S-Bahn brachte 20.356 derartige Fälle zur Anzeige. Die Bahn-Tochter stellt einen Strafantrag gegen Personen, die innerhalb von zwölf Monaten drei Mal ohne gültigen Fahrausweis ertappt wurden.

Grüne fordern Entkriminalisierung

„Die enorm hohe Anzahl von Strafanzeigen kostet Berlin massiv Geld und Personal. Gerade die Berliner Staatsanwaltschaft hat Besseres zu tun, als Anzeigen wegen Schwarzfahrens zu bearbeiten“, stellte der Grünen-Abgeordnete Stefan Gelbhaar dazu fest. Er erneuerte die Forderung seiner Partei, Schwarzfahren als Ordnungswidrigkeit und nicht als Straftat zu ahnden. „Das entlastet den Staat finanziell und personell immens.“ Gelbhaar kritisiert zudem das harte Vorgehen der Kontrolleure gerade der privaten Dienstleister. „Oft sind es Touristen, die sich mit dem Fahrpreissystem in Berlin nicht auskennen. Mehr Kulanz in solchen Fällen wäre angebracht“, forderte der Verkehrsexperte der Grünen.