Berliner U-Bahn

Das müssen Sie über die neuen U-Bahn-Züge der BVG wissen

Voraussichtlich ab Ende Mai werden zwei neue U-Bahnzüge durch die Stadt rollen - zunächst testweise auf der U2. Bewährt sich die neue Baureihe IK, will die BVG mindestens 24 weitere Züge kaufen.

Foto: Thomas Fülling

Für Sigrid Nikutta scheint Weihnachten noch nicht zu Ende zu sein. Erst beschenkte die BVG-Vorstandschefin sich und die Berliner Ende voriger Woche gleich mit zwei neuen Bus-Typen, am Dienstag nun folgte die nächste Bescherung: Auf Gleis 3 im Bahnhof Olympia-Stadion rollte der erste Zug einer neuer U-Bahn-Generation ein. „Ist der nicht wunderschön?“, wandte sich Nikutta an die Premierengäste, die Antwort mit ihrer Frage gleich vorwegnehmend.

Noch wichtiger war der BVG-Chefin die Feststellung, dass der Zug termingerecht in Berlin eingetroffen ist. „Das ist in Deutschland inzwischen eine Sensation.“

Nikutta spielte damit auf die immer komplizierteren Zulassungsverfahren für Eisenbahnfahrzeuge an, die etwa bei der Bahn die Inbetriebnahme neuer ICE und Regionalzüge um Jahre verzögerte.

Die Berliner Morgenpost beantwortet die wichtigsten Fragen zur vorgestellten neuen U-Bahn-Baureihe IK.

Warum braucht Berlin überhaupt neue U-Bahn-Züge?

Berlins U-Bahn ist der „Lastesel“ im öffentlichen Nahverkehr der Hauptstadt. Kein Verkehrsmittel transportiert mehr Fahrgäste, im Vorjahr waren es fast 500 Millionen, rund 100 Millionen Fahrgäste mehr als etwa die Berliner S-Bahn. Im Unterschied zu Bus und Straßenbahn ist die Fahrzeugflotte der U-Bahn überwiegend eine Oldtimer-Sammlung. Das Durchschnittsalter der Flotte liegt weit über 20 Jahre, die betagtesten Fahrzeuge sind sogar fast 50 Jahre alt. Wegen des hohen Wartungsaufwandes und den vielen Reparaturen stehen zudem viele Züge in der Werkstatt. Die Folge bekommen die Fahrgäste direkt zu spüren: Vor allem im Berufsverkehr sind in der U-Bahn selbst Stehplätze knapp. Neubau-Züge (Baureihe HK) hat die BVG zuletzt 2006 in den Dienst gestellt.

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Wann fährt der erst Zug?

Im Ergebnis einer europaweiter Ausschreibung bestellte die BVG im Juni 2012 bei der Firma Stadler zunächst zwei Prototypen. Der erste, aus vier durchgängig begehbaren Wagen bestehende Zug der Baureihe IK ist da, der zweite soll in vier Wochen eintreffen. Beide Fahrzeuge müssen noch zugelassen werden, das soll etwa drei Monate dauern. Ende Mai oder Anfang Juni, so U-Bahn-Chef Hans-Christian Kaiser, beginnt die Erprobung im Fahrgastbetrieb. Eingesetzt werden sollen die Züge hauptsächlich auf der Linie U2 (Ruhleben–Pankow), wegen der Bauarbeiten am Gleisdreieck von April bis November dann auf der U12 (Ruhleben–Warschauer Straße).

Was sind die Besonderheiten?

Sichtbarste Besonderheit der IK-Züge ist ihre bauchige Form. Durch die sogenannte Bombierung verbreitert sich der für die Kleinprofillinien U1 bis U4 entwickelten Wagen gegenüber seinen Vorgängern um zehn Zentimeter auf 2,40 Meter. Das bedeutet mehr Platz für die rund 330 Fahrgäste im Wageninneren. Jeder Zug bietet bis zu 258 Steh- und 80 Sitzplätze (in Längsbestuhlung). Statt Polster gibt es harte Sitzschalen aus Plastik mit Stoffbezug, für den Fahrgastverband Igeb ein Kritikpunkt. „Da bieten neue U-Bahnen etwa in London den Fahrgästen deutlich mehr Komfort“, so Igeb-Sprecher Jens Wieseke. Die Wagen sind luftgefedert, sollen daher besonders leise und ruhig rollen. Klimatisiert ist nur die Fahrerkabine. Die Züge sind durchgängig barrierefrei, größere Mehrzweckbereiche sollen nicht nur Rollstuhlfahrern, sondern auch Fahrgästen mit Kinderwagen, Fahrrädern oder Gepäck mehr Platz bieten. Die IK-Züge sind mit anderen BVG-Baureihen kuppelbar, das erhöht die Flexibilität.

Wann kommen weitere Züge?

Bewährt sich der IK-Zug in der mindestens einjährigen Testphase, will die BVG weitere 24 Züge bei Stadler ordern (Auslieferung ab 2017). Kostenpunkt: Rund 158 Millionen Euro, die vom Senat bereitgestellt werden. Zudem gibt es eine Option für nochmals zehn Züge, deren Finanzierung ist bisher noch nicht gesichert ist. Auch eine Ausweitung der Bestellung auf Großprofilzüge ist nicht vorgesehen. „Will Berlin eine erfolgreiche Olympia-Bewerbung, braucht die Stadt dringend neue U-Bahnen, sonst haben wir während der Spiele eine echtes Verkehrsproblem“, warnt Igeb-Sprecher Wieseke. Die neue Baureihe sei ein erster Schritt in die richtige Richtung.

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