Kommentar

Einen besseren Nahverkehr kann es nur mit Straßenbahnen geben

Berlins Verkehrssenator Geisel will den Ausbau des Tram-Netzes vorantreiben. Ein guter Vorschlag, weil Straßenbahnen leistungsfähiger und billiger sind als U-Bahnen, meint Thomas Fülling.

Berlin wächst wieder. Und mit der Einwohnerzahl und den vielen neuen Wohngebieten wachsen auch die Anforderungen an einen leistungsfähigen öffentlichen Nahverkehr.

Es ist daher zu begrüßen, dass Berlins neuer Verkehrssenator Andreas Geisel die Pläne für neue ÖPNV-Angebote forciert. Dass er dabei vor allem auf den Ausbau des Tram-Netzes setzt, dafür gibt es gute Gründe.

Straßenbahnen sind leistungsfähiger und umweltfreundlicher als Busse, der Bau von Schienenwegen für die Tram ist zudem deutlich preiswerter als der Bau einer neuen U-Bahn-Strecke.

Nur zum Vergleich: Der gerade einmal 2,2 Kilometer lange Lückenschluss bei der U5 in Berlins historischer Mitte wird derzeit mit 525 Millionen Euro kalkuliert. Die gleich lange überirdische Tram-Neubaustrecke vom Nordbahnhof zum Hauptbahnhof kostete mit 27 Millionen Euro nur ein Zwanzigstel der U-Bahn-Investition.

Von Istanbul und Barcelona lernen

Wer also in den nächsten Jahren ernsthaft nennenswerte Verbesserungen im Nahverkehrsangebot bieten will, muss Trassen für die Tram bauen. Andere Großstädte wie Istanbul, Marseille oder Barcelona machen Berlin vor, wie das geht. Allerdings: Seine Vorteile kann das Verkehrsmittel Straßenbahn nur zur Geltung bringen, wenn die Gleise möglichst auf einer separaten Trasse verlegt werden. Auch muss es an Kreuzungen funktionierende Vorrangschaltungen geben. Passiert das nicht, stehen die Bahnen in dem selben Stau wie Linienbusse und private Pkw. Langsamkeit aber ist kein Argument fürs Umsteigen.

Wichtig sind zudem wirksame Sicherungssysteme etwa an Straßenübergängen, um gefährliche Kollisionen der inzwischen sehr leisen Trambahnen mit Fußgängern und Radfahrern zu vermeiden. Gelingt dies, wird die Straßenbahn auch im Westteil der Stadt wieder an Akzeptanz gewinnen.