Wissenschaft

Berlin will bei Spitzenforschung in die erste Reihe

Berliner Institut für Gesundheitsforschung soll eine neue Zusammenarbeit von Grundlagenforschung und klinischer Medizin praktizieren. Damit sollen internationale Experten angelockt werden.

Foto: dpa/Britta Pedersen / pa/ZB

Das Berliner Institut für Gesundheitsforschung (BIG) ist nicht irgendeine Neugründung im Bereich der Wissenschaft. Mit dem Leuchtturmprojekt von europäischem Rang soll vielmehr eine Institution aufgebaut werden, in der eine neue Zusammenarbeit von Grundlagenforschung und klinischer Medizin praktiziert wird. Dort bündeln Charité und Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) ihre Forschungskapazitäten. Oder, wie FU-Präsident Peter-André Alt es formulierte: „Zwei Einrichtungen von Weltrang, die sich den wichtigsten Themen der lebenswissenschaftlichen Forschung widmen, kooperieren auf international herausragendem Niveau und ziehen international führende Experten in die Stadt.“

Die Gründung des BIG wurde im November 2012 zwischen Bund und Berlin vereinbart. Rund 310 Millionen Euro stehen ihr bis 2018 zur Verfügung. 90 Prozent davon trägt der Bund, zehn Prozent zahlt Berlin. Weitere 40 Millionen Euro steuert BMW-Erbin Johanna Quandt über die private Charité-Stiftung bei. Das BIG arbeitet bereits seit Sommer 2013, bisher auf der Basis einer Verwaltungsvereinbarung. Das Gesetz, mit dem der Betrieb dauerhaft geregelt und das Institut als Körperschaft öffentlichen Rechts festgeschrieben werden soll, wird derzeit im Abgeordnetenhaus diskutiert. Zum Gesetzentwurf der Senatswissenschaftsverwaltung veranstaltete der Wissenschaftsausschuss des Parlaments am Mittwoch eine Expertenanhörung.

Krankheitsprozesse verstehen

Die Leitidee des Instituts für Gesundheitsforschung ist die sogenannte „translationale Systemmedizin“. Translation bedeutet, den wechselseitigen Austausch zwischen biomedizinischer Grundlagenforschung, klinischer Forschung und ärztlicher Praxis sicherzustellen. Dabei soll die systemorientierte Herangehensweise der Forschung genutzt werden, um komplexe Krankheitsprozesse besser zu verstehen und innovative Heilverfahren abzuleiten. Dabei stehen explizit nicht einzelne Krankheiten oder Organe im Mittelpunkt, sondern übergreifende Prozesse und Mechanismen, die Gesundheit und Krankheit gleichermaßen beeinflussen. Neue wissenschaftliche und technologische Entwicklungen in der Systemmedizin sollen zielgerichtet zum Nutzen der Patienten für Prävention, Diagnosen und Therapien nutzbar gemacht werden.

Bis zu 100 Millionen Euro

Sowohl Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres (SPD) als auch Georg Schütte, Staatssekretär im Bundesforschungsministerium, betonten bei der Anhörung die internationale Strahlkraft des BIG. Es sei eine Herausforderung, Charité und MDC zusammenzufügen, so Schütte. Die Organisation des Instituts ermögliche, die Freiräume der Forschung zu erhalten, aber auch die Relevanz für die Patienten sicherzustellen. BIG-Vorstandsvorsitzender Ernst Rietschel und Thomas Sommer, kommissarischer Leiter des Max-Delbrück-Centrums, erklärten, um „in der ersten Liga“ der Forschungszentren spielen zu können, müsse das BIG international als feste Institution sichtbar sein.

Die Autonomie der Partner sei durch das Gesetz abgesichert, sagte Charité-Chef Karl Max Einhäupl. Er erwartet auch keine negativen Auswirkungen auf den Klinikbetrieb der Charité. Das sei allein schon durch den Grundsatz geregelt, dass Beschlüsse im Vorstand des BIG einstimmig getroffen werden müssen. Es gab aber auch Kritik am Gesetzentwurf. Jürgen Mlynek, Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft, vermisste die Festlegung auf einen Verwendungsnachweis auch für Gemeinkosten an Forschungsvorhaben, sogenannten Overhead- Mitteln. Es gehe immerhin um bis zu 100 Millionen Euro. Scheeres sagte zu, die Verwendung dieser Mittel genau zu prüfen. Das müsse aber nicht im Gesetz stehen.

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