Nahverkehr

Nord-Süd-Tunnel der S-Bahn für vier Monate gesperrt

Rund 100.000 Fahrgäste, die täglich mit der S1, S2 und S25 unterwegs sind, müssen sich ab Freitagabend neue Fahrwege suchen. Dann wird der Nord-Süd-Tunnel saniert. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

In den Zügen der Berliner S-Bahn sind derzeit auffällig viele Bahn-Mitarbeiter unterwegs. Die Frauen und Männer mit ihren Info-Faltblättern sind Vorboten der längsten Bausperrung, die das Unternehmen seit vielen Jahren verkraften muss. Von Freitagabend an bis voraussichtlich 4. Mai ist der Nord-Süd-Tunnel für den Zugverkehr komplett gesperrt. Betroffen sind rund 100.000 Fahrgäste, die dort täglich mit den Linien S1, S2 und S25 unterwegs sind. Sie müssen sich nun fast vier Monate lang neue Fahrwege suchen. Erschwerend kommt für sie hinzu, dass die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) auf wichtigen U-Bahn-Linien gleichzeitig bauen. Die Berliner Morgenpost beantwortet die wichtigsten Fragen zur bevorstehenden Sperrung des Nord-Süd-Tunnels:

Warum eine so lange Sperrung?

Der zwischen 1936 und 1939 speziell für die S-Bahn gebaute Tunnel der S-Bahn ist in die Jahre gekommen. Zwar gab es 1991/92 eine umfassende Instandsetzung. Doch inzwischen muss auf der sechs Kilometer langen Tunnelstrecke vieles dringend erneuert werden. Am Nordbahnhof und am Bahnhof Potsdamer Platz sind etwa 19 Weichen am Ende ihrer Nutzungsdauer. Auch viele Bahnhöfe haben eine Frischekur dringend nötig. Dort werden Fugen an Wänden und Bahnsteigen geschlossen sowie Treppenstufen und Stützmauern saniert. Die gesamte Tunnelstrecke soll zudem mit moderner LTE-Technik ausgerüstet werden, damit sich der Handyempfang im Untergrund verbessert. Angesichts der Fülle notwendiger Arbeiten waren zunächst zwei mehrwöchige Sperrungen geplant, nach Einspruch von S-Bahn-Chef Peter Buchner werden nun alle Arbeiten auf einen Termin konzentriert.

Gibt es Risiken im Zeitplan?

Für die Vielzahl der Arbeiten, die insgesamt rund zwölf Millionen Euro kosten werden, sei die Zeitspanne der Sperrung eher knapp bemessen, sagte Andreas Holzapfel, zuständiger Projektleiter der Bahntochter DB Netz. Risiken für den Zeitplan erwachsen insbesondere aus einem Projekt: Die Bahn will die aus der Anfangszeit der S-Bahn stammende Zugsicherung („Bernauer Fahrsperre“) durch ein modernes, elektronisch gesteuertes Zugbeeinflussungssystem (ZBS) ersetzen. Das ZBS soll zuverlässig verhindern, dass Züge ein Halt zeigendes Signal überfahren. Die Tunnelstrecke mit zwölf Kilometer Gleislänge wird mit dieser Technik ausgerüstet. Das neue Sicherungssystem muss mehrere Wochen lang intensiv durch Fachleute überprüft werden.

Wie komme ich dennoch zum Ziel?

Die S-Bahn richtet parallel zur gesperrten Strecke zwei Ersatzlinien mit Bussen ein (SEV Nord und Süd). Umsteigepunkt für beide Linien ist der Bahnhof Friedrichstraße. Die SEV-Busse sind aber keine Alternative für Reisende, die die gesamte gesperrte Strecke zwischen den Bahnhöfen Gesundbrunnen und Yorckstraße überbrücken wollen. Wegen der in der Innenstadt häufig zugestauten Straßen benötigen die Busse im Vergleich zur S-Bahn mindestens 30 Minuten länger. Jens Hebbe, Fahrplanmanager bei der S-Bahn, empfiehlt den Fahrgästen die Baustelle möglichst mit der Ringbahn zu umfahren. Jedoch verkehren auf den Ringbahnlinien S41 und S42 wie zuvor nur Sechs-Wagen-Züge im üblichen Zehn-Minuten-Takt (im Berufsverkehr alle fünf Minuten).

Zusätzliche Kapazitäten will die S-Bahn vor allem im Norden durch ein geändertes Linienkonzept schaffen: So fährt ab Bernau statt der gewohnten S2 die S9 über Pankow und Ostkreuz nach Flughafen Schönefeld. Von Buch aus fährt ab Freitagabend die S85 über den östlichen Ring nach Grünau. Die S8 übernimmt zwischen Bornholmer Straße und Hennigsdorf die Aufgaben der S25. Das Angebot auf dem westlichen Ring wird während der Bauzeit durch eine bis nach Birkenwerder verlängerte Linie S45 verstärkt. Fahrgastvertreter bezweifeln indes, ob das Angebot auf der Ringbahn für die vielen zusätzlichen Reisenden ausreichen wird.

Gibt es Alternativen zur S-Bahn?

Fahrgäste können im Nord-Süd-Verkehr auch auf die U-Bahn-Linien U6, U8 und U9 ausweichen. Zusätzliche Wagen oder eine Taktverdichtung, wie es jetzt die Reinickendorfer CDU fordert, wird es vorerst aber nicht geben. Die BVG will lediglich bei der U6 auf die abendliche Verkürzung der Züge auf vier Wagen verzichten. Mehr sei als Zusatzangebot von der S-Bahn nicht bestellt und werde nicht bezahlt, heißt es. Erschwerend für die Reisenden kommt hinzu, dass die BVG bei der U-Bahn mit eigenen Bauarbeiten beginnt. Bereits ab dem heutigen Mittwoch, 20 Uhr, bis zum 19. Januar werden im U-Bahnhof Mehringdamm die Weichen erneuert. Während dieser Zeit fahren auf der U7 keine Züge zwischen Mehringdamm und Gneisenaustraße, auf der U6 richtet die BVG einen Pendelverkehr im Zwölf-Minuten-Takt zwischen Halleschem Tor und Platz der Luftbrücke ein. Ab 16. April setzt die BVG zudem die Sanierung des Bahnhofs Gleisdreieck fort. Bis 20. November ist die U2 zwischen Potsdamer Platz und Wittenbergplatz unterbrochen.

Weitere Informationen über das S-Bahn-Kundentelefon 030 297-43333 oder im Internet unter www.s-bahn-berlin.de

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