Bahnprojekt

Neue S-Bahn-Linie zum Hauptbahnhof verzögert sich

Die Arbeiten für die 330 Millionen Euro teure S-Bahn-Linie S21 kommen nicht so recht voran. Nun muss auch noch die unterirdische Station am Hauptbahnhof komplett neu geplant werden.

Foto: Reto Klar

Der Bau einer zusätzlichen S-Bahn-Verbindung zum Berliner Hauptbahnhof verzögert sich noch weiter. Für die benötigte unterirdische S-Bahn-Station im Untergeschoss des Hauptbahnhofs müssen komplett neue Planungsunterlagen erstellt werden, bestätigte am Montag ein Bahnsprecher der Berliner Morgenpost. Damit die Fahrgäste dennoch trockenen Fußes zum Hauptbahnhof gelangen, soll für die sogenannte S21 eine provisorische Endstation "mit einem unterirdischen Interimsbahnsteig im Bereich der Invalidenstraße" angelegt werden. Dafür laufen Untersuchungen in Abstimmung mit dem Berliner Senat, so der Bahnsprecher. Die Kosten für den Zusatzbau sind derzeit ebenso unklar wie die Auswirkungen auf den Zeitplan des Projekts. Nach bisherigem Stand soll 2018 der erste Zug von Gesundbrunnen zum Hauptbahnhof fahren.

S21 bereits seit den 90er-Jahren geplant

Bereits seit Mitte der 90er-Jahre gibt es Pläne für eine zweite Nord-Süd-Trasse für die Berliner S-Bahn. Die erste führt durch den altersschwachen, von 1936 bis 1939 zwischen Nordbahnhof und Anhalter Bahnhof errichteten S-Bahn-Tunnel. Die aktuell von drei Linien genutzte Trasse befindet sich nach Bahnangaben am Ende der Leistungsfähigkeit. Zudem müssen Fahrgäste, die zum Hauptbahnhof wollen, im engen Bahnhof Friedrichstraße auf die Stadtbahn umsteigen. Um eine Alternative zu schaffen, planen der Bund, das Land Berlin und die Deutsche Bahn unter dem Projektnamen S21 eine Anschluss-Strecke vom nördlichen S-Bahn-Ring zum Hauptbahnhof. Von dort aus soll es dann durch einen noch zu bohrenden Tunnel unter der Spree hindurch weiter bis zum Potsdamer Platz gehen. Das wegen seiner hohen Kosten stark umstrittene Projekt steht mit einem Gesamtbudget von 330 Millionen Euro auch im Stadtentwicklungsplan Verkehr des Berliner Senats.

Erste Teilstrecke nur zwei Kilometer lang

Die erste, gerade einmal zwei Kilometer lange Teilstrecke, die von den Ringbahnstationen Westhafen sowie Wedding zum Hauptbahnhof führt, soll laut dem Stadtentwicklungsplan eigentlich 2016 in Betrieb gehen. Doch davon ist längst nicht mehr die Rede. Das Hauptproblem: Die neue unterirdische S-Bahn-Station im Hauptbahnhof kann nicht wie geplant gebaut werden. Zwar wurden bei der Errichtung des 2006 eröffneten Kreuzungsbahnhofs bereits Vorkehrungen für diese Station getroffen. Doch weil der damalige Bahnchef Hartmut Mehdorn den Bahnhof unbedingt vor der Fußball-WM 2006 in Deutschland eröffnen

wollte, wurden vieles nur rudimentär angelegt.

Bauwerke entsprechen nicht den Anforderungen

Nun habe sich herausgestellt, "dass die vorbereiteten Bauwerke für die geplante S21 nicht den erforderlichen Anforderungen entsprechen", heißt es in einer Stellungnahme der Deutschen Bahn. Auch müsse der schwierige Berliner Baugrund in der neuen Planung berücksichtigt werden, sagen die Bahn-Verantwortlichen – offenbar mit Blick auf die aktuellen Probleme der BVG beim U5-Lückenschluss. Wegen mehrerer bautechnischer Probleme steht der U-Bahn-Bau durch Berlins historische Mitte seit Monaten still.

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