Lärmbelastung

Berliner Stadtbahn rollt endlich wieder leiser

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Isabell Jürgens

Foto: AFP

Nach der Sanierung der S-Bahn-Gleise zwischen Bahnhof Zoo und Ostbahnhof wurde es für die Anlieger der Strecke unerträglich laut. Die Deutsche Bahn hat nun reagiert und für Abhilfe gesorgt.

Als die Bahn im Sommer vergangenen Jahres die S-Bahn-Gleise zwischen Zoologischer Garten, Friedrichstraße und Ostbahnhof erneuerte, hatten die Anrainer der Bahnstrecke eigentlich gehofft, dass es in ihren Wohnungen nun endlich etwas leiser wird. Doch das Gegenteil war der Fall: Nach der 17Millionen Euro teuren Sanierung der Stadtbahntrasse, über die täglich mehr als 600 Züge rattern, wurde es sogar noch lauter als zuvor.

Inzwischen hat die Deutsche Bahn auf die Anwohnerbeschwerden reagiert und mit einer Spezialmaschine die engen Gleisbögen am Hansaviertel und im Abschnitt Alexanderplatz–Hackescher Markt, in denen es besonders quietschte, abgeschliffen. Die gute Nachricht für die Anlieger der Strecke: Der Lärm, der von den S-Bahn-Zügen auf der Berliner Stadtbahn ausgeht, wurde dadurch erheblich verringert, wie die Deutsche Bahn am Montag mitteilte.

„Neue Schienen haben vollkantige Schienenköpfe, einen sogenannten Abnutzungsvorrat“, erklärte ein Bahnsprecher, wie es zu der zusätzlichen Lärmbelastung gekommen ist. Im Zusammenspiel mit den engen Gleisbögen auf der Stadtbahn sei es dadurch zu dem unangenehmen „Kurvenquietschen“ gekommen. Die Bahn reagierte und ließ die Kurven abschleifen.

Um herauszufinden, ob der Einsatz der Schleifmaschine erfolgreich war, hat die Bahn nach der Sanierung nun die Lärmemission am Hansaviertel bei 80 S-Bahnen, die mit rund 54 Kilometern pro Stunde unterwegs waren, gemessen. Mit positivem Ergebnis: Nach dem Einsatz der Schleifmaschine fuhren im Gleis 1 vier Fünftel der 65 S-Bahn-Züge neun Dezibel leiser. Die Lärmbelastung sank von 97 auf 88 Dezibel. Eine Minderung um zehn Dezibel wird als Halbierung des Lärms wahrgenommen. „Im Gleis 2 wurde bei 80 Prozent der Zugfahrten der Lärm sogar um 23 Dezibel gemindert“, so der Bahnsprecher. Die Lärmbelastung sank von 91 auf 68 Dezibel.

Laut wie eine Kreissäge

Nach Angaben des Bundesministeriums für Umwelt kann dauerhafter Lärm krank machen, zahlreiche Studien belegen, dass das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ansteigt und Lern-, Konzentrations- und Schlafstörungen auftreten. Schallpegel oberhalb von 90 Dezibel (Autohupen, Kreissäge, laute Fabrikhalle) gehören dabei in die dritte, die oberste Lärmkategorie, bei der zudem auch noch dauerhafte Gehörschäden drohen. Mitte Februar sollen die ausführlichen Ergebnisse der Messungen vorliegen. „DB Netz wird diese Ergebnisse berücksichtigen und plant, zusätzliche Schienenschmiereinrichtungen einzubauen“, sagte ein Bahnsprecher.

„Wir haben tatsächlich festgestellt, dass es nun leiser geworden ist“, bestätigte Anwohner Hans Maier. Maier wohnt in der Bartningallee im Hansaviertel. Zusammen mit anderen Betroffenen hatte er vor fünf Jahren die Initiative „Leise Gleise“ gegründet und dafür gekämpft, dass die Bahn mehr für den Lärmschutz an der Strecke unternimmt. Ganz zufrieden ist Maier mit den Anstrengungen der Bahn aber noch immer nicht. „Geschliffen wurden ja lediglich die Gleise der S-Bahn“, so der Anwohner. Die Fernbahngleise dagegen quietschten wie eh und je in den höchsten Tönen. Und der Lärm, wenn die Züge die veraltete Eisenbahnbrücke an der Claudius- Ecke Flensburger Straße überfahren, sei nach wie vor unerträglich.

Die Deutsche Bahn hat nun zumindest zugesagt, weitere Lärmschutzmaßnahmen an der Strecke zu prüfen. Mitte Februar sollen die ausführlichen Ergebnisse der Messungen vorliegen. „DB Netz wird diese Ergebnisse berücksichtigen und plant, zusätzliche Schienenschmiereinrichtungen einzubauen“, sagte ein Bahnsprecher. Bislang seien 60 dieser Apparate an den Schienen der Stadtbahn im Einsatz. Die Investitionskosten je Schmiervorrichtung beziffert das Unternehmen auf rund 25.000 Euro. Das Abschleifen der Gleisbögen habe pro Schicht zudem etwa 30.000 Euro gekostet.

85.000 Menschen betroffen

Lärmprobleme gibt es aber nicht nur bei der S-Bahn, auch bei der U-Bahn und der Straßenbahn fordern Anwohner mehr Lärmschutz an den Kurven, in denen das Metall der Räder über das Metall der Schienen schrammt. Aus den „strategischen Lärmkarten“ der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung geht hervor, dass in Berlin knapp 85.000 Menschen tagsüber und 62.000 in der Nacht gesundheitsschädlichen Lärmbelastungen ausgesetzt sind. Reagiert haben die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) auf die Beschwerden der Anwohner bereits an der durch Kreuzberg führenden Hochbahnstrecke der Linie U1. Die BVG gab viel Geld aus, damit nach der Sanierung der über Viadukte führenden Strecke im Jahr 2009 das unangenehme Quietschen in den Kurven gemildert werden kann.

Zunächst entfalteten die Wassersprühanlagen, die die Schienen befeuchten, auch ihre gewünschte Wirkung. Im Winter allerdings erwies sich die Benetzungsanlage als ungeeignet, weil sie bei anhaltenden Minusgraden abgestellt werden musste. Die BVG musste die Anlage auf Schmiermittel umstellen. Kosten je Kurve und Anlage: 15.000 Euro.