Städtepartnerschaft

Olympia soll Berlins Beziehung zu London beleben

Seit 2008 gibt es kaum noch Aktionen der Partnerstädte London und Berlin. Die Schuld der Engländer, sagt der Senat. Doch im Hinblick auf eine mögliche Olympia-Bewerbung soll alles besser werden.

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Zeige mir deine Freunde, und ich sage dir, wer du bist. So gesehen steht Berlin blendend da, die Namen der 17 Partnerstädte aus aller Welt lesen sich attraktiv. Und bis auf wenige Ausnahmen sind die Beziehungen zu Los Angeles, Istanbul, Paris und Co auch „freundschaftlich und konstruktiv“. Das geht aus den Antworten des ehemaligen Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit auf mehrere Anfragen der Linken hervor.

Während sich ein eher passives Verhältnis zu Städten wie Moskau oder Budapest mit politischen Umständen erklären lässt, ist die Funkstille zu einem anderen Partner aber eher unerklärlich: London. „Im Rahmen der Städtepartnerschaft mit London konnten seit 2008 nur wenige Projekte realisiert werden“, so Wowereit.

Tatsächlich sind gemeinsame Aktionen in den vergangenen Jahren Mangelware: ein Empfang der London Mayor’s Association im Berliner Rathaus, ein Wettkampf der lokalen Schachboxvereine, eine Fotoausstellung im Rahmen der Olympischen Spiele 2012 in London. Das war’s.

Vom anderen profitieren

Dabei waren die beiden Hauptstädte so ambitioniert gestartet. Im Oktober 2000 hatten die damaligen Bürgermeister Eberhard Diepgen und Ken Livingstone ein Communiqué unterzeichnet, um die Zusammenarbeit in die Wege zu leiten.

Berlin wollte von Londons Erfahrungen mit Immigranten lernen, London sich wiederum bei Berlin abgucken, wie man seine Innenstädte belebt. Weitere Themen: das Klimabündnis C40, innere Sicherheit, Verkehr, Jugend und Sport.

Doch seit 2008, seit Livingstone sein Amt abgab, hat man sich offenbar nicht mehr viel zu sagen. Berlin sucht die Schuld auf der Insel. „Auf Verwaltungsebene sind kaum nennenswerte Kontakte vorhanden. Im Londoner Rathaus gibt es einen Ansprechpartner für partnerschaftliche Aktivitäten“, so Wowereit.

Linke kritisieren passiven Senat

Für die Linken ist das kein Argument. „Der Senat könnte auch aktiv auf London zugehen. Der Fall zeigt grundsätzlich: Bei den Städtepartnerschaften wird kein größeres Ziel verfolgt“, sagt der Abgeordnete Carsten Schatz, der in den letzten Monaten Anfragen zu allen Partnerstädten stellte.

Gerade im Hinblick auf eine mögliche Olympia-Bewerbung Berlins für 2024 oder 2028 hätte es nicht schaden können, den Kontakt aufzunehmen und Know-how einzuholen, so Schatz.

Am 21. März 2015 will der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) entscheiden, ob er sich mit Berlin oder Hamburg bewirbt. Es habe bereits Kontakte und Gespräche mit Planern der Spiele 2012 in London gegeben, heißt es in der Antwort des Senats. Sollte Berlin das Rennen machen, werde man diese vertiefen.