eBay-Angebot

Sicheres Weihnachtsgeschenk - ein Bunkerplatz in Berlin

Der Betreiber eines ehemaligen Luftschutzbunkers verkauft über eBay einen sicheren Platz in zentraler Hauptstadtlage für die nächsten zehn Jahre, für 99 Euro - falls Zombies Berlin heimsuchen.

Foto: Krauthoefer

Wer noch ein besonders sicheres Weihnachtsgeschenk sucht, wird bei eBay fündig: „Bunkerplatz in Berlin z.B. für die Zombie-Apokalypse“ heißt es in einem Angebot des Internet-Auktionshauses. In zentraler Hauptstadtlage, nur fünf Minuten vom Potsdamer Platz entfernt, können Menschen sich einen geschützten Platz kaufen – im „Berlin Story Bunker“, einem ehemaligen Luftschutzbunker. Seit 1996 kennen ihn Berlin-Besucher als Sitz des Gruselkabinetts, das so schön schaurig in den langen Gängen zum Fürchten einlädt und wegen des Bunker-Museums, das in einer Ausstellung die bewegte Geschichte des Gebäudes erzählt.

Zu Weihnachten hat sich jetzt Bunker-Inhaber Enno Lenze etwas Besonderes einfallen lassen. Für 99 Euro kann man sich einen Platz im Bunker sichern. Zwei Eintrittskarten gibt’s auch noch dazu, damit man seine mögliche neue Behausung schon erkunden kann. Lenze: „Wir wurden immer wieder von jungen Besuchern gefragt, ob sie im Falle einer Zombie-Apokalypse bei uns Schutz suchen dürfen. Da haben wir überlegt, dass wir der Nachfrage mit einem Angebot gerne nachkommen.“ Mit bis zu 3,5 Meter dicken Wänden seien Käufer sicher vor den mörderischen Untoten, so Lenze: „Da kann sich kein Zombie durchnagen.“ Allein die Eingangstür ist 500 Kilo schwer. Die langen Betonflure sind zwar nicht gerade anheimelnd, genau wie die niedrigen Decken, aber wer hat schon die Wahl, wenn die Zombies vor der Tür stehen?

Pullover bei 17 Grad empfohlen

Wer sich dieses Weihnachten einen Platz im Bunker sichert, erhält ein Zertifikat mit Etage, Raum- und Platznummer. Zehn Jahre lang, bis zum 31. 12. 2024, wird der Platz für den Käufer reserviert, danach verfällt der Anspruch. Lenze: „Die Leute schenken sich zu Weihnachten Zertifikate über Sterne, die sie nie sehen, oder über ein Stück vom Mond. Warum sollen wir dann nicht einen Platz im Bunker anbieten? Das ist wenigstens ein realer Gegenwert.“

Für Essen und Getränke sei durch das Café des Bunkers gesorgt, Internet gäbe es ebenfalls. Ein Pullover sei bei den herrschenden 17 Grad im Bunker zu empfehlen, so Lenze, allerdings werde es wärmer je mehr Leute zusammen kommen. „Für 3500 Menschen wurde der Bunker gebaut, so viele haben bequem Platz.“ Über fünf Etagen erstreckt sich das Bollwerk, davon ist jede rund 700 Quadratmeter groß. Zwei Etagen liegen unter der Erde. Gekauft hat zwar bisher noch keiner, aber das Angebot hat Lenze erst Dienstag im Internet gestartet. Dafür gibt es aber schon viele Anfragen, darüber, wie dick die Wände seien und wie schnell das Internet funktioniere. Über Möblierung hat sich der Bunker-Chef bisher wenig Gedanken gemacht. „Wer zuerst kommt, bekommt halt das Sofa, wer zuletzt kommt, den Barhocker aus unserem Café.“ Immerhin für saubere Kleidung könne gesorgt werden: Der Bunker hat eine Waschmaschine und einen Trockner für die Angestellten.

Hunde und Koffer müssen draußen bleiben

Tiere sind übrigens nicht erlaubt, genau so wenig wie Koffer. Aus Platzgründen dürfen die Bunker-Bewohner nur Handgepäck mitbringen. Ganz wie 1943, als der Bunker während der Bombenangriffe des zweiten Weltkrieges innerhalb von nur zehn Monaten fertig gestellt wurde. Durch seine direkte Tunnelverbindung mit dem Anhalter Bahnhof diente er nicht nur den Anwohnern als Schutzort, sondern auch Reisenden und Angestellten der Bahn. In Höchstzeiten suchten bis zu 12.000 Menschen in dem Gemäuer Schutz. Während der Zeiten des geteilten Berlins nutzten einige Flüchtlinge den Tunnel zur Flucht in den Westen, stand er doch nah an der Sektorengrenze. Wenn allerdings die Flüchtlinge in den Bunker und damit im vermeintlich sicheren Weststeil angelangten, erlebten sie eine böse Überraschung. Kriminelle aus Westberlin hatten den Bunker als ihr Lager auserkoren und raubten erst einmal die Ostberliner aus.

In den 50er Jahren war dann auch Schluss für die Diebe, der Bunker diente als Lager für die Senatsreserven. Erst 1994 wurde mit dem Umbau des Gemäuers begonnen, seit 1996 öffnet er seine schweren Türen dem Publikum. Das kann sich bei einem Besuch entweder im Gruselkabinett von diversen Geistern durch den „Totenkopfraum“ jagen lassen, im Bunkermuseum Fundstücke wie Parfümflaschen oder Bombensplitter bewundern oder im Figurenkabinett die derzeitige Ausstellung „Medizin in alten Zeiten“ anschauen. Nur zwei Etagen des Bunkers sind nicht durch Ausstellungen oder Gastronomie belegt. Für Geburtstage oder Filmdrehs kann man gleich das ganze Gebäude mieten.

Oder eben zu Weihnachten der Liebsten nun ein sicheres Plätzchen schenken. Im Falle einer echten Katastrophe will Bunker-Chef Lenze übrigens auf keinen Fall Profit machen. „Das Angebot soll ganz klar als Spaß verstanden werden. Sollte es wirklich zu einem Ernstfall kommen und Menschen im Bunker Schutz suchen, werden wir selbstverständlich Plätze gratis anbieten.“