Zeitgeschichte

Die besondere Immobilie - ein DDR-Bunker

Eine Immobilie der anderen Art steht derzeit außerhalb von Berlin zum Verkauf. Der damalige geheime NVA-Bunker dient heute als Museum und soll auch weiterhin für Besucher offen stehen.

Foto: ZB / ZB/DPA

Die Betonstraße mitten im Wald bei Harnekop (Märkisch-Oderland) wirkt wie eine Zeitschiene. Hinter einem Tor tauchen Kasernenbauten mit Tarnanstrich auf, Funkmasten, Warnschilder und ein ganzer Fuhrpark aus den Beständen der früheren Nationalen Volksarmee (NVA). Herzstück des versteckt gelegenen ehemaligen Armeegeländes 30 Kilometer nordöstlich von Berlin ist der erstaunlich gut erhaltene Bunker. Der 30 Meter tief in den märkischen Sand gebaute Stahlbetonkoloss war eines der bestgehüteten Geheimnisse zu DDR-Zeiten und sollte im Falle eines Kernwaffenangriffs als Haupt-Führungsstelle des Ministeriums für Nationale Verteidigung dienen.

Heute kümmert sich ein Förderverein um das „Baudenkmal Bunker Harnekop“. Ein Museum ist entstanden, Besucher erleben bei Führungen durch die drei unterirdischen Etagen und 200 Räume die Atmosphäre im Kalten Krieg hautnah. „Das muss man sich anschauen, damit man weiß, was man nie wieder haben will“, sagt ein älterer Mann nach der zweistündigen Exkursion unter die Erde. Die gruselige Zeitreise komplett macht Bunkerbesitzer Helmut Mehland, der mit Erbsensuppe „nach NVA-Rezept“ lockt und auch den DDR-Sprachjargon noch gut drauf hat. Für ihn ist der Bunker ein „Objekt“, in dem Besucher aufgrund des labyrinthartigen Aufbaus als „Kollektiv“ zusammenbleiben sollten. Der 61-Jährige freut sich auch über entsetzte Gesichter, als er sagt: „Wie wir schon früher sagten: Kommen Sie zu uns - bevor wir zu Ihnen kommen.“

Erst gepachtet, dann gekauft

Der Vorsitzende des Fördervereins hatte den unterirdischen Betonkoloss und 22 Hektar Gelände Mitte der 90er-Jahre zunächst vom Bundesvermögensamt gepachtet. Später gründete er gemeinsam mit einer Mitstreiterin eine Grundstücksgesellschaft und kaufte 2001 das bisherige Pachtgelände. „Wir wollen hier keinen Militarismus praktizieren, sondern die damalige ingenieurtechnische Meisterleistung würdigen und die Rolle des Bunkers im Kalten Krieg näher beleuchten“, versichert Mehland. Zweifel kommen dem Besucher schon, nicht zuletzt, wenn er die ausgestellte SA-2-Rakete als „unser Baby“ bezeichnet und der letzte Kommandant der unweit gelegenen Raketenbasis Sternebeck – heute Bürgermeister der Gemeine Prötzel, zu der Harnekop gehört – von Reichweiten und Sprengkraft schwärmt.

Mehland, mittlerweile alleiniger Bunkerbesitzer – „meine ehemalige Partnerin betreibt jetzt eine Kneipe an der Ostsee“ – ist gesundheitlich so angeschlagen, dass er den unterirdischen Stahlbetonkoloss jetzt verkaufen möchte. Spätestens im nächsten Jahr soll eines der bestgehüteten DDR-Geheimnisse den Besitzer wechseln. „Ich habe einen Makler engagiert, der Interessenten suchen soll, die den Bunker weiter für die Öffentlichkeit zugänglich machen“, sagt er.

Wer sich heutzutage allerdings so einen geschichtsträchtigen Betonkomplex zulegt, dessen Unterhalt nicht billig ist, weiß er nicht. „Ich will jedenfalls keine Nazis hier“, stellt Mehland klar.

DDR-Fuhrpark als Requisite

Fahrzeugsammler Lothar Brunner hat da so seine Bedenken, was die Zukunft des Bunkers betrifft. „Wenn hier jemand Interesse hat, dann doch eher an der Waldfläche und dem Wild, das es hier sehr reichlich gibt“, glaubt der 60-Jährige, der seinen 250 Autos, Transporter und Motorräder umfassenden Fuhrpark aus DDR-Zeiten häufig als Requisiten an Filmproduktionsfirmen vermietet. Er hat das Bunkergelände rings um den früheren Speisesaal und die „Neue Wache“ gekauft, eine Tankstelle originalgetreu saniert. Was die Besucher betrifft, so profitiert Brunner eindeutig von der Kombination mit dem früheren NVA-Führungsbunker. „Deswegen habe ich mich ja direkt in der Nachbarschaft angesiedelt“, sagt der gelernte Dreher.

Bereits das Weite gesucht haben die Betreiber eines „Cold War Museums“, denen Mehland kostenlos Räume im ehemaligen Stabsgebäude – dem eigentlichen Zugang zum Bunker – zur Verfügung gestellt hatte. Künftig wird die Ausstellung über den Kalten Krieg zu beiden Seiten des „Eisernen Vorhangs“ im Bunker von Kunersdorf, etwa 15 Kilometer weiter nordöstlich, zu sehen sein. „Für uns war Harnekop nur eine Zwischenlösung. Wir hatten ja nicht einmal einen richtigen Vertrag“, sagt Museumsbetreuerin Bärbel Simon.

Dass sich zu Veranstaltungen in Harnekop auch immer wieder ehemalige NVA- und Stasi-Angehörige einfanden und teilweise öffentlich Geschichtsklitterung betrieben, war für sie zwar unangenehm, wie sie sagt, aber nicht vermeidbar. „Das bleibt bei der Aufarbeitung der deutsch-deutschen Geschichte wohl nicht aus.“