Paketdienste

Weihnachtspost in Berlin - Dauerstress und lange Warteschlangen

Vor Weihnachten sind die Zusteller überlastet. Es werden doppelt so viele Pakete verschickt als sonst. Dann kann es dauern, bis diese ihren Empfänger erreichen. Auch am Schalter braucht man Ausdauer.

Foto: Reto Klar

Lange Schlangen an Tresen von Paketshops und Post-Filialen, Katz-und-Maus-Spiele mit dem Paketboten zu Hause. Für viele Berliner kommt zur alljährlichen Weihnachtshektik ein zusätzliches Ärgernis: der Kampf um die Weihnachtspost.

Um dem Einkaufstrubel in den Geschäften zu entgehen, ordern immer mehr Verbraucher ihre Weihnachtsgeschenke im Internet. Die Post-Tochter DHL als Branchenführer geht davon aus, dass sie in der Vorweihnachtszeit eine Millionen Pakete mehr als im Rest des Jahres verteilt. „Wir liefern jetzt doppelt so viele Sendungen aus wie an normalen Tagen“, sagte Post-Sprecherin Anke Blenn der Berliner Morgenpost am Freitag. Auch die Boten des Mitbewerber Hermes klingeln vor Weihnachten nach Unternehmensangaben 1,5 Millionen Mal an deutschen Haustüren – ebenfalls doppelt so oft wie im Jahresdurchschnitt.

Um den vorweihnachtlichen Hochbetrieb zu beherrschen, hat die Post zu ihren bundesweit etwa 100.000 Zustellern 10.000 weitere Mitarbeiter eingestellt. Doch im Endspurt vor dem Fest scheinen sich Pannen zu häufen. Kunden berichten, sie hätten die Benachrichtigung der Postboten über einen angeblichen Zustellversuch im Briefkasten gefunden, obwohl sie zu Hause waren. Wer gehofft hat, seine Weihnachtsgeschenke aus dem Versandhandel schnell und bequem ins Haus zu bekommen, muss sich doch an den Countern der Post anstellen – gemeinsam mit Kunden, die Weihnachtspäckchen für ihre Lieben abschicken wollen. Wartezeiten von einer halben Stunde und mehr sind keine Seltenheit.

Überfüllte Fächer an der Packstation

Auch wer den Selbstbedienungsservice einer DHL-Packstation nutzen möchte, hat in diesen Tagen oft Pech. Weil die Fächer zum Teil überfüllt sind, werden viele Kunden dann doch wieder auf die nächstgelegene Filiale oder einen Paketshop verwiesen. „Wir haben unsere 120 Packstationen mit rund 80 mobilen Boxen verstärkt, die doppelt so viele Fächer haben“, sagte Sprecherin Blenn. „Dennoch kann es gerade jetzt im Hochbetrieb vorkommen, dass alle Fächer belegt sind.“

Andere Kunden warteten stundenlang in ihrer Wohnung vergeblich auf den im Internet angekündigten Paketboten. Wo sich die Bestellung gerade befindet, kann bei vielen Anbietern online verfolgt werden. Doch obwohl der Statusbericht angezeigt hat, die Sendung sei auf den Wagen des Boten verladen und werde „heute noch“ ausgeliefert, kam das Paket erst mit zwei Tagen Verspätung an. Post-Sprecherin Blenn will zu Einzelfällen nicht Stellung nehmen. Allerdings verweist sie auf die hohe Belastung der DHL-Mitarbeiter. „Das ist jetzt die stressigste Zeit für unsere Zusteller.“ Gerade bei Aushilfskräften könne es da zu Fehlern kommen. Bis zu 250 Pakete müsse ein DHL-Bote vor Weihnachten am Tag ausliefern. In Einzelfällen sei es da denkbar, dass eine Sendung im Wagen liegen bleibe und erst am Folgetag ausgeliefert werde.

Hoher Zeitdruck

Auch Benita Unger, Fachbereichsleiterin Postdienstleistungen bei der Gewerkschaft Verdi, ist überzeugt, dass solche Vorkommnisse „dem großen Druck geschuldet sind, dem die Zusteller jetzt ausgesetzt sind“. Nach ihren Angaben sind von den rund 8000 DHL-Zustellern in Berlin-Brandenburg 20 Prozent befristet eingestellt. Bei privaten Diensten würden oft Subunternehmer zu schlechten Konditionen die Pakete ausliefern. „Wer sein Personal oft auswechselt und ihm keine Sicherheit gibt, der darf sich dann über Pannen nicht wundern“, so Benita Unger.

Für Zusteller und Verbraucher hat der Endspurt begonnen. Bis zum kommenden Montag sollte die Weihnachtspost bei den meisten Anbietern auf den Weg gebracht sein, damit sie rechtzeitig zum Fest ankommt. Wer noch Weihnachtsbestellungen plant, muss aber nicht in Panik verfallen. Mit großen Versandhändlern haben die Zustelldienste Sondervereinbarungen getroffen, die eine Auslieferung bis Heiligabend sicherstellen sollen.

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