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Berlins Bürgerämter setzen auf die Frühschicht

Berlins Behörden wollen kundenfreundlicher werden und bieten Öffnungszeiten ab 7 Uhr an. Vor allem Berufstätige sollen so die Chance bekommen, vor der Arbeit ihr Anliegen auf dem Amt zu erledigen.

Foto: Reto Klar

Die Bürgerämter in Pankow sollen kundenfreundlicher werden, insbesondere hinsichtlich der Öffnungszeiten. Deshalb testet das Bezirksamt jetzt, welche zusätzlichen Öffnungszeiten für die Berliner infrage kommen. So gibt es seit vergangenem Monat eine Frühsprechstunde am Mittwoch. Dann öffnen die Bürgerämter in Pankow schon um 7 statt bisher um 8 Uhr. Man wolle den Pankowern so die Gelegenheit geben, ihr Anliegen zu erledigen, bevor sie zur Arbeit gehen, sagte Torsten Kühne (CDU), Stadtrat für Bürgerdienste, der Berliner Morgenpost.

Im Bezirk Mitte hat sich die Frühschicht schon bewährt. Dort sind mittwochs und freitags Termine ab 7 Uhr möglich. „Es sind die Zeiten, die zuerst nachgefragt und vergeben werden“, sagte Mittes Stadtrat für Bürgerdienste, Stephan von Dassel (Grüne). Diese Termine gebe es seit knapp einem Jahr und seien besonders beliebt. „Weil man ein Anliegen schon vor der Arbeit erledigt. Nachmittags könnte für den Betreffenden etwas dazwischenkommen, oder im Bürgeramt hat sich etwas dazwischengeschoben. Morgens passiert das nicht“, so der Stadtrat. Im Gegenzug zur Einführung der Frühsprechzeit ist aber eine Spätsprechstunde entfallen.

Auch Lichtenberg hat sich für frühe Öffnungszeiten entschieden. Dort geht es montags, mittwochs und freitags schon um 7.30 Uhr los. „Das Angebot wird angenommen“, sagt Stadtrat Andreas Prüfer (Linke). Noch früher zu starten, hieße aber auch, früher wieder zu schließen, so Prüfer. Mehr als acht Stunden Arbeit seien nicht möglich, weil es keinen Schichtdienst gebe und eine Vorbereitungszeit für die Mitarbeiter eingerechnet werden müsse. Die Bürgerämter der anderen Bezirke öffnen weiterhin um 8 Uhr.

In Pankow soll die Frühsprechstunde auf Dauer etabliert werden, falls die Personalvertretung zustimmt. Nicht bewährt hat sich dagegen eine verlängerte Sprechzeit am Donnerstagabend. Ein halbes Jahr lang, von März bis August 2014, wurden Termine bis 19 Uhr statt nur bis 18 Uhr angeboten. „Das Angebot wurde zwar genutzt, aber kaum jemand fragte explizit nach diesen Spätsprechstunden“, sagte Kühne. Lediglich zehn Bürger hätten dies getan, hauptsächlich, um fertiggestellte Dokumente abzuholen. Deshalb sei diese Sprechzeit nicht weiter fortgesetzt worden.

In Spandau gibt es jetzt Spätsprechstunden

Ganz andere Erfahrungen macht das Bezirksamt in Spandau. „Wir haben unsere Frühsprechstunden ab 7 Uhr vor ungefähr einem Jahr aufgegeben“, sagte Spandaus Stadtrat für Ordnung, Stephan Machulik (SPD). Die Resonanz sei nicht so groß gewesen. Viel stärker würden die Spätsprechstunden bis 18 Uhr angenommen, sie seien deshalb von Montag bis Donnerstag eingerichtet worden. „Wir haben abgefragt, was die Spandauer gern hätten“, so der Stadtrat. „Die meisten wollten Termine im Bürgeramt ab 8 Uhr.“

Für die arbeitende Bevölkerung seien die Spätsprechstunden wichtig. „Das kann von Bezirk zu Bezirk unterschiedlich sein“, so Machulik. „Deshalb ist es wichtig, dass die Bezirke bei den Öffnungszeiten freie Hand haben und kein einheitliches Vorgehen angeordnet wird.“

In Spandau bedienen die Mitarbeiter der Bürgerämter vier Kunden pro Stunde. 15 Minuten sind für jeden Besucher angesetzt, aber manchmal wird diese Zeit nicht ausgeschöpft. In Mitte werden derzeit pro Stunde fünf Termine vergeben, zwölf Minuten sind für einen Besucher reserviert. Künftig soll sich das ändern: Die Zeit für einen Kunden soll entsprechend der Dienstleistung eingeplant werden. „Der Personalausweis dauert länger als zwölf Minuten, aber andere Anliegen sind in nur vier bis fünf Minuten erledigt“, sagte Stadtrat von Dassel. Voraussichtlich ab Februar 2015 wird das neue Verfahren getestet.