Wohnungsmarkt

Hohe Mieten - Kreuzberger sind die sesshaftesten Berliner

Hohe Preise bei Neuvermietungen machen die Berliner sesshaft. Wer in der Innenstadt wohnt, bleibt dort - die Menschen in Kreuzberg, Mitte und Friedrichshain mittlerweile länger als 20 Jahre.

Für Berliner Umzugsunternehmen brechen harte Zeiten an. Angesichts der stark steigenden Mieten und der Tatsache, dass nunmehr lediglich noch zwei Prozent des gesamten Berliner Wohnungsbestandes frei stehen, sind die Hauptstädter sesshaft geworden. Als besondere Umzugsmuffel erweisen sich einer Studie zufolge, die der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) am Mittwoch vorgestellt hat, überwiegend die Mieter der innerstädtischen Bezirke, in denen das Mietenwachstum besonders stark angestiegen ist.

Auf Platz eins landen die Mieter im Altbezirk Kreuzberg. Sie wechseln im Durchschnitt nur noch alle 22 Jahre ihre Wohnung (2003: 10,5 Jahre). Auf Platz zwei folgen Mitte und Friedrichshain mit 21 Jahren (2003: 13 bzw. 10,3 Jahre). Schöneberger Mieter bringen es auf eine Wohndauer von 20 Jahren (2003: 11,6 Jahre). Selbst im Altbezirk mit der niedrigsten Verweildauer (Tiergarten, 2013: 12 Jahre, 2003: 8,5 Jahre) liegt die statistische Verweildauer je Wohnung noch über dem Durchschnitt im Bund (11 Jahre) sowie im Land Brandenburg (11,5 Jahre).

Durchschnittlich 8,52 Euro

Der Berliner Mieterverein sieht darin einen deutlichen Warnhinweis: „Die sinkende Umzugsbereitschaft zeigt, dass hohe Mieten bei Wiedervermietung den Wohnungsmarkt selbst beschränken“, so der Chef des Berliner Mietervereins, Reiner Wild. Denn die sinkende Umzugsquote führe dazu, dass am Markt noch weniger freie Wohnungen zur Verfügung stehen. Die aufgrund der Zuwanderung weiter steigende Zahl der Wohnungssuchenden stehe einer immer kleiner werdenden Zahl von Wohnungsangeboten gegenüber. „Das wiederum unterstützt den Mietpreisanstieg erneut“, befürchtet Wild.

Laut BBU-Report, in dem auch die Höhe der Angebotsmieten zwischen 2009 und 2013 in Berlin, Potsdam, Hamburg, Köln und München erfasst wurde, müssen Berliner durchschnittlich 8,52 Euro netto kalt pro Monat und Quadratmeter zahlen. Der Anteil der Wohnungen, die für unter sechs Euro angeboten werden, ist innerhalb der vergangenen fünf Jahre von 56 auf 14 Prozent gesunken. Die Hälfte der angebotenen Wohnungen kostete 2013 bereits mindestens acht Euro.

Wohnungsunternehmen wollen mehr Neubauförderung

Für die meisten Wohnungssuchenden ist es da auch kein Trost, dass immerhin bei den Mitgliedsunternehmen des BBU die Neumieten günstiger sind. Dort wurden 2013 durchschnittlich rund 5,97 Euro verlangt. Doch die Bestände der BBU sind nahezu voll vermietet. BBU-Chefin Maren Kern fordert deshalb vom Berliner Senat eine deutliche Erhöhung der Investitionen in die Neubauförderung. In Berlin wird der Bau von 1000 preisgünstigen Wohnungen derzeit mit 64 Millionen Euro pro Jahr gefördert. Kern: „Zielgröße sollten mindestens 3000 geförderte Wohnungen pro Jahr sein.“ Pro Jahr müsste das Land Berlin dann Förderdarlehen in Höhe von rund 200 Millionen Euro zur Verfügung stellen. „Auf zehn Jahre gerechnet wären das etwa zwei Milliarden Euro. Das ist weniger als der Gegenwert von zwei Jahren Grund- und Grunderwerbsteuereinnahmen“, so Kern.

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Über eine Ausweitung der Neubauförderung wird Maren Kern mit dem künftigen Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) verhandeln müssen. Sein Vorgänger Michael Müller, der am heutigen Donnerstag ins Amt des Regierenden Bürgermeisters gewählt werden soll, verabschiedete sich am Mittwoch mit einer letzten Amtshandlung aus der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung: Er unterzeichnete mit den Vertretern der Städtischen Wohnungsbaugesellschaften die Neuauflage des Mietenbündnisses. Dies sieht neben Härtefallregelungen für Geringverdiener auch eine Umzugsprämie vor. Ausgezahlt wird sie an Mieter mit Wohnberechtigungsschein, die innerhalb des städtischen Unternehmens eine kleinere Wohnung beziehen und so eine größere für Familien frei machen. Für Einpersonenhaushalte beträgt die Prämie 1500 Euro und erhöht sich für jede weitere Person um 500 Euro. Höchstens werden 2500 Euro gezahlt.