Wohnungen

In Berlin steigen die Mieten bundesweit am stärksten

Berliner wohnen immer noch relativ günstig. Doch nirgendwo verteuert sich Wohnraum so stark wie in der Hauptstadt. Die Folge: Die Berliner ziehen deutlich seltener um.

Berliner Mieter wohnen im Vergleich zu den Einwohnern anderer bundesdeutscher Millionenstädte deutlich preiswerter. Die für die Berliner Mieter weniger erfreuliche Nachricht lautet jedoch: In keiner anderen Metropole sind sie Mieten zwischen 2009 und 2013 ähnlich rasant gestiegen. Innerhalb von nur fünf Jahren stiegen die Neuvertragsmieten in der Hauptstadt um 39 Prozent. Das ist das Ergebnis einer Studie, die der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) am Mittwoch vorgestellt hat.

Berliner Vermieter verlangten den Angaben der Studie zufolge beim Mieterwechsel durchschnittlich 8,52 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter. In der Nachbarstadt Potsdam kletterten die Mieten im gleichen Zeitraum um 15 Prozent auf 8,17 Euro. Berlin hat demnach das jahrelang teurere Potsdam überholt, liegt aber noch deutlich hinter Köln (9,52 Euro) und Hamburg (10,42 Euro). In München müssen Mieter, die einen neuen Vertag abschließen, sogar 60 Prozent mehr zahlen, als die Berliner (13,34 Euro). Für die Studie wurden rund drei Millionen Immobilien-Inserate ausgewertet.

Berliner werden immer sesshafter

Der dynamische Mietanstieg hat inzwischen dazu geführt, dass die Berliner immer sesshafter werden. Statistisch gesehen ziehen Mieter nur noch etwa alle 16 Jahre um. 2003 lag die durchschnittliche Mietdauer einer Wohnung noch bei elf Jahren. „Dass die Berliner so viel sesshafter sind als noch vor zehn Jahren, zeigt die enormen Veränderungen auf dem Mietwohnungsmarkt der Hauptstadt“, so BBU-Vorstand Maren Kern.

Der Trend zur Sesshaftigkeit hat Gründe: Denn am günstigsten wohnt in Berlin, wer über einen alten Mietvertrag verfügt. Bei den BBU-Mitgliedsunternehmen in Berlin lagen die Nettokaltmieten bei Bestandswohnungen 2013 bei durchschnittlich 5,30 pro Monat und Quadratmeter Wohnfläche (+2,7 Prozent). Weiterer Hinderungsgrund für einen Umzug: Eine bezugsfreie Wohnung ist kaum mehr zu finden. Die Quote der leer stehenden Wohnungen ist innerhalb der vergangenen fünf Jahre von sechs auf zwei Prozent gesunken.

Anteil preisgünstiger Wohnungen dramatisch abgenommen

Die Mitgliedsunternehmen des BBU vermieten rund 720.000 Wohnungen in der Hauptstadt, das entspricht rund 40 Prozent des Berliner Mietwohnungsbestandes. Die Mieten bei den BBU-Mitgliedern liegen damit sogar noch unter den Werten, die der Berliner Mietspiegel als aktuelle Durchschnittsmiete in der Hauptstadt ausweist (5,54 Euro/m2). Die vergleichsweise preiswerten BBU-Mieten sind vor allem dem Umstand geschuldet, dass auch sechs städtischen Wohnungsbaugesellschaften mit ihrem Bestand von rund 280.000 Wohnungen zu den Mitgliedunternehmen zählen.

Wenn auch die Botschaft des BBU lautet, dass das Wohnen zur Miete in Berlin immer noch vergleichsweise günstig ist, zeigt die Studie jedoch auch, dass der Anteil preisgünstiger Wohnungen dramatisch abgenommen hat. So wurden in Berlin vor fünf Jahren noch knapp 56 Prozent der Wohnungen zu einer Nettokaltmieten von unter sechs Euro pro Monat und Quadratmeter angeboten. 2013 waren es nur noch 14 Prozent. Um Geringverdienern auf dem angespannten Wohnungsmarkt zu helfen, hat der designierte Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller (SPD) am Mittwoch seinen letzten öffentlichen Termin als Stadtentwicklungssenator absolviert. Er unterzeichnete eine Nachbesserungs-Vereinbarung des 2012 geschlossenen „Mietenbündnisses“.

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