Prozess in Berlin

Rapper Sido steht wegen Körperverletzung vor Gericht

Der 33-Jährige soll bei einem Streit in einem Szene-Club in Mitte einen Geschäftsmann mit einer Wodkaflasche niedergestreckt haben. Sollte Sido schuldig befunden werden, droht ihm eine Freiheitsstrafe.

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Auf den Berliner Rapper Sido kommt ein Auftritt als Angeklagter zu: Der Musiker muss sich ab Freitag vor dem Amtsgericht Tiergarten wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten.

Hintergrund dieses Strafprozesses ist ein Streit in einem Club in der Hauptstadt vor zweieinhalb Jahren. Sido soll laut Anklage einem anderen Gast eine Glasflasche auf den Kopf geschlagen haben. Der Mann erlitt der Staatsanwaltschaft zufolge eine Platzwunde sowie eine Schädelprellung.

Der 33 Jahre alte Musiker wollte sich laut seiner Agentur vor Prozessbeginn nicht zu dem Verfahren äußern. Bekannt wurde er mit dem Song „Mein Block“, galt jahrelang als Gangsta-Rapper. Er verbarg früher sein Gesicht hinter einer silbernen Totenkopfmaske und fiel durch eine derbe Wortwahl auf. Inzwischen trägt er seriöse Brillenmodelle. Längst hat sich der Hip-Hopper, der als Paul Würdig im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg geboren wurde, zu einem etablierten Mainstream-Unterhalter entwickelt. Beim letzten Eurovision Song Contest war er deutsches Jury-Mitglied.

Am frühen Morgen des 29. April 2012 soll er nach Justizangaben im hinteren Raum eines Szene-Clubs im Berliner Bezirk Mitte grundlos einen Mann mit einer Wodkaflasche attackiert haben. Der Angegriffene habe eine vier bis fünf Zentimeter lange Platzwunde erlitten. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Rapper bei dem mutmaßlichen Schlag eine Verletzung „zumindest billigend in Kauf“ genommen habe.

Sido ist nicht vorbestraft

Auch wenn das Image des Rap-Musikers lange notorisch schlecht war: Sido ist nicht vorbestraft. Zwar war er im Herbst 2009 bereits Angeklagter im Amtsgericht Tiergarten, denn ihm wurde nach einem Streit in einem Café im August 2007 versuchte gefährliche Körperverletzung und Beleidigung zur Last gelegt. Doch das Verfahren wurde mit Zustimmung aller Prozessbeteiligten gegen eine Geldauflage von 14.000 Euro eingestellt.

Nun muss der Musiker, der inzwischen Familienvater ist und Jugendliche vor Drogen und Gewalt warnt, vor eine Strafrichterin treten. Sie hat für den Prozess zunächst eine einstündige Verhandlung geplant. Zeugen seien nicht geladen, sagte ein Gerichtssprecher. Das mutmaßliche Opfer, bei dem es sich um einen Geschäftsmann aus Karlsruhe handeln soll, sei als Nebenkläger zugelassen.

Sollte Sido für schuldig befunden werden, droht ihm eine Freiheitsstrafe. Zwei Jahre Haft wären vor diesem Gericht das Maximum.