Extremismus

Leichter Zulauf bei Berliner Salafisten-Szene

Die Zahl der ultrakonservativen Islamisten in der Hauptstadt ist erneut gestiegen: 570 Salafisten leben laut Senat in Berlin, 70 mehr als noch im vergangenen Jahr. 290 davon gelten als gewaltbereit.

Foto: Britta Pedersen / dpa

Einige verteilen Koranübersetzungen in Fußgängerzonen – andere fahren als selbst ernannte „Gotteskrieger“ nach Syrien und in den Irak. Die Anhänger der fundamentalistischen Bewegung des Salafismus gelten mindestens als verfassungsfeindlich, einige sogar als Gefahr für die innere Sicherheit. Nun hat der Verfassungsschutz die Zahl ihrer Anhänger erneut nach oben korrigiert – von 550 auf 570. Vor zwei Jahren hatten die Behörden noch von 300 Salafisten gesprochen. Auch die Zahl der Salafisten, die als gewaltbereit gelten, ist gestiegen. In der Sitzung des Ausschusses für Verfassungsschutz bezifferte Innenstaatssekretär Bernd Krömer (CDU) sie auf 290. Bisher wurde sie mit 250 angegeben.

Die Zahl der Berliner Islamisten, die in Richtung Syrien ausgereist sind, um Terrorgruppen zu unterstützen, gab Krömer mit unverändert 60 an. Die Gründe für die Ausreisen seien vielfältig, sagte der Leiter des Verfassungsschutzes, Bernd Palenda. Einige wollten logistische Unterstützung leisten, andere wollten aus religiösen Gründen in einem vermeintlich „islamischen“ Land leben. Eine dritte Gruppe wolle kämpfen. Was die Ausgereisten in den Bürgerkriegsregionen tatsächlich machen und wo genau sie sich aufhalten, sei allerdings oft unklar.

Keine akute Gefahr oder konkrete Hinweise

Die Zahl derjenigen, die nach Berlin zurückgekehrt sind, liege im zweistelligen Bereich. Einige seien erschöpft oder desillusioniert und hätten genug vom „Heiligen Krieg“. Andere würden Nachwuchs, etwa für die Terrormiliz Islamischer Staat, rekrutieren. Einige wenige wollten den Terror möglicherweise nach Berlin tragen. „Sie können sich der regelmäßigen Aufmerksamkeit der Sicherheitsbehörden erfreuen“, sagte Palenda. Anschläge durch einen „emotionalisierten Einzeltäter“ ließen sich nicht ausschließen. Eine akute Gefahr oder konkrete Hinweise gebe es aber nicht. Weniger als zehn Berliner, die nach Syrien gefahren sind, seien getötet worden.

Salafisten gelten nicht zwangsläufig als gewaltbereit. Die Grenze zwischen dem eher gemäßigten zum dschihadistischen Flügel der Szene gilt aber als fließend. Experten sehen die Ideologie zudem als Nährboden für Gewalt. Salafistische Prediger treten laut Verfassungsschutz in der Al-Nur-Moschee in Neukölln und der As-Sahaba-Moschee in Wedding auf. Die Häuser würden aber auch von nicht salafistischen Muslimen besucht. Im Vergleich zu etwa 250.000 Muslimen in Berlin sind die 570 Salafisten ohnehin eine sehr kleine Gruppe.