Volle Hörsäle

Notstand bei der Lehrer-Ausbildung an Berliner Universitäten

Auf Berlin rollt eine gewaltige Pensionierungswelle zu, die Berliner Hochschulen sollen deshalb mehr Grundschulpädagogen zulassen. Doch es fehlt an Personal und an Räumen.

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Die vom Senat beschlossene Aufstockung der Studienplätze für Grundschullehrer führt zu erheblichen Problemen. Die Freie Universität (FU) musste ihre Zulassungszahlen im Bereich Grundschulpädagogik mehr als verdoppeln, deshalb schlägt FU-Erziehungswissenschaftler Jörg Ramseger jetzt Alarm. „Wir sind sowohl personell als auch räumlich an unseren Grenzen angekommen“, sagte er der Berliner Morgenpost. Besonders schwierig sei es, schnell gute Ausbilder zu finden. Die Vorlesungs- und Seminarräume seien total überfüllt. „Zum nächsten Semester sollen wir sogar noch mehr Studierende aufnehmen, wie das gehen soll, ist ein völliges Rätsel.“

Berlin muss auch in den kommenden Jahren Tausende Lehrer einstellen. Besonders dramatisch ist die Lage an den Grundschulen. Weil nicht genug entsprechend ausgebildete Pädagogen zur Verfügung stehen, mussten bereits zu Beginn dieses Schuljahres auch Quereinsteiger und Studienräte im Grundschulbereich eingesetzt werden.

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) hat die Einstellung von Grundschullehrern deshalb zum Schwerpunkt ihrer Personalpolitik erklärt und mit den Universitäten vereinbar, dass diese mehr Grundschullehrer ausbilden sollen. Sowohl die Freie Universität als auch die Humboldt-Universität (HU) mussten ihre Angebote in diesem Bereich bereits zum Wintersemester deutlich erhöhen. An der FU wurden im Bachelorstudiengang Grundschulpädagogik statt 86 jetzt 189 Bewerber immatrikuliert. An der Humboldt-Universität wurden für den Bachelorstudiengang Grundschulpädagogik statt der geplanten 65 Studienanfänger 83 zugelassen.

Gewerkschaft kritisiert späte Reaktion der Politik

Auch bei den Masterstudiengängen im Bereich Grundschulpädagogik sind zum Wintersemester zusätzliche Plätze bereit gestellt worden. An der FU hat sich die Zulassung von 75 auf 103 erhöht. An der HU wurden statt bisher 50 jetzt 90 Studierende aufgenommen. Eine Aufstockung des Lehrpersonals ist dort jedoch erst für das kommende Jahr vorgesehen. Im Wintersemester 2015/16 sollen die Zulassungszahlen für den Bachelor- und den Masterstudiengang an der HU dann auf jeweils 120 erhöht werden.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) begrüßt zwar, dass an den Berliner Universitäten künftig mehr Grundschullehrer ausgebildet werden sollen. „Bis diese allerdings in den Schulen ankommen, dauert es noch fünf Jahre“, sagte Matthias Jähne, Hochschulexperte der GEW. Bis dahin würden jährlich nur etwa 70 Absolventen an eine Grundschule ins Referendariat gehen. Das sei viel zu wenig, angesichts des großen Bedarfs. „Wir haben seit Jahren darauf hingewiesen, dass sich da etwas ändern muss“, sagte Jähne. Die zuständigen Politiker hätten aber viel zu spät reagiert.

Laut Ramseger sollen für den Bereich Grundschulpädagogik drei Juniorprofessoren an die FU geholt werden. „Das ist aber nicht so leicht, weil Berlin seine Juniorprofessoren deutlich schlechter bezahlt als andere Bundesländer“, sagte er. Insgesamt mussten für das laufenden Schuljahr in der Hauptstadt 2670 Lehrer eingestellt werden, allein an den Grundschulen galt es, 800 Stellen zu besetzten. Für das kommende Schuljahr werden 1700 Pädagogen gesucht, 700 davon im Grundschulbereich. 2016/17 braucht Berlin voraussichtlich etwa 1870 Lehrer, darunter wieder rund 800 Grundschulpädagogen.

Ursache des Lehrermangels ist die Pensionierungswelle, von der die Schulen der Hauptstadt betroffen sind. Jedes Jahr gehen mehrere Tausend Pädagogen in den Ruhestand. Hinzu kommen wachsende Schülerzahlen. Viele Grundschulen haben bereits mit Beginn dieses Schuljahres zusätzliche Klassen aufmachen müssen.