Verdacht der Untreue

Der Chef des Berliner Olympiastadions muss gehen

Joachim Thomas, Chef des Berliner Olympiastadions, ist seines Amtes enthoben worden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der Untreue.

Foto: Paul Zinken

Am Ende ging es ganz schnell, offenbar waren die Vorwürfe zu zahlreich, als dass man sich noch hätte Zeit nehmen können: Unmittelbar nach Bekanntwerden der Untreuevorwürfe gegen den Chef der Olympiastadion GmbH, Joachim E. Thomas, hat der Aufsichtsrat ihn am Mittwoch seines Amtes enthoben.

„Der Aufsichtsrat hat in seiner heutigen Sitzung beschlossen, Herrn Thomas als Geschäftsführer der Olympiastadion Berlin GmbH aufgrund pflichtwidriger Handlungen abzuberufen und von seinen Pflichten mit sofortiger Wirkung freizustellen“, ließ der Chef des Aufsichtsrates, Innen- und Sportsenator Frank Henkel (CDU), mitteilen. Zu den Vorwürfen wollte sich der Aufsichtsrat nicht äußern. „Alle weiteren Details unterliegen der Vertraulichkeit.“

Zuvor hatte die Berliner Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen des Anfangsverdachts der Untreue gegen Thomas eingeleitet. Ausgelöst wurden die Ermittlungen durch Medienberichte. Diese seien von Amts wegen zu prüfen, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner. Dabei gehe es auch um Unregelmäßigkeiten bei Abrechnungen. Einzelheiten könne er wegen der laufenden Untersuchungen nicht nennen.

Nach Informationen der Berliner Morgenpost steht der 60-jährige Jurist im Verdacht, Fahrten mit seinem Dienstwagen, Tankbelege und Hotelquittungen nicht richtig verbucht zu haben. Zudem soll er Flüge in der Business- statt in der Economy-Klasse gebucht haben. Schon die Größe des Dienstwagens, ein 200 PS starker VW Touareg im Wert von fast 90.000 Euro, den ein Sponsor zur Verfügung gestellt haben soll, hat offenbar Unruhe im Aufsichtsrat ausgelöst.

Thomas soll darüber hinaus einem Angestellten von Hertha BSC eine Geburtstagsfeier in einer Stadion-Lounge ermöglicht haben, ohne die fällige Raummiete in Höhe von 1000 Euro in Rechnung zu stellen. Das sollen Wirtschaftsprüfer in einem Gutachten festgestellt haben, das der Aufsichtsrat in Auftrag gegeben hatte.

Dank für geleistete Arbeit

Die Summe der Verfehlungen habe den Aufsichtsrat zum sofortigen Handeln veranlasst, hieß es am Mittwoch aus Kreisen des Gremiums. Ob Thomas die Vorwürfe einräumte oder lediglich nicht entkräften konnte, blieb offen. Die Stadiongesellschaft werde sich um eine „lückenlose Aufklärung bemühen“, wurde vermittelt.

Bis zur Neubesetzung der Stelle des Stadionchefs werde es eine Interimslösung geben, sagte Henkel. Und, sehr knapp: „Der Aufsichtsrat dankt Herrn Thomas für die geleistete Arbeit.“ Der freigestellte Geschäftsführer selbst sowie die Olympiastadion GmbH waren für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Joachim Thomas wurde im Juli 2010 die Führung der Olympiastadion Berlin GmbH übertragen, er löste Peter von Löbbecke ab. Der Aufsichtsrat der landeseigenen Gesellschaft bestellte den Juristen zunächst bis zum 30. Juni 2015 zum Geschäftsführer.

In dieser Funktion sollte er nicht nur Großveranstaltungen wie das Eröffnungsspiel der Frauenfußball WM 2011 an Land ziehen, sondern auch das Gelände „medial vermarkten“ und neue Nutzungskonzepte für das Stadion entwickeln, um den Standort zu stärken. Das Berliner Olympiastadion ist international bekannt, Fußballbundesligist Hertha BSC trägt dort seine Heimspiele aus.

Vor seinem Job in Berlin führte Thomas ein Beratungsunternehmen mit Projekten aus Sport, Kultur und Freizeit, war unter anderem für die Commerzbank Arena in Frankfurt sowie die Allianz Arena in München tätig. In den 1980er-Jahren arbeitete der gebürtige Aachener bereits als Leiter des Bereichs Konzertbetrieb, Marketing und Vertrieb der Kölner Philharmonie. In diesem Zusammenhang war er am Aufbau und Betrieb des ersten computergestützten dezentralen Ticketvertriebssystems in Deutschland beteiligt.