Geschichte

Ex-Kanzler Schröder würdigt einstiges DDR-Staatsratsgebäude

Vor 50 Jahren wurde das Staatsratsgebäude am Schloßplatz in Mitte eröffnet. Seine Geschichte war wechselvoll: Von der DDR-Führung zum Kanzleramt zur Kaderschmiede für Kapitalisten.

Foto: Massimo Rodari

Man könne es wohl nur als Ironie des Schicksals bezeichnen, dass im ehemaligen Amtssitz des Staatsrates der DDR heute eine Kaderschmiede des kapitalistischen Führungsnachwuchses beheimatet ist, stellte Gerhard Schröder fest. Der Alt-Bundeskanzler war am Montagabend als Festredner bei der Jubiläumsveranstaltung „50 Jahre Staatsratsgebäude“ geladen.

„Ich war ja schließlich auch schon mal hier“, so Schröder. Denn wo heute an der European School of Management and Technology (ESMT) der internationale Managementnachwuchs ausgebildet wird, wurde zwischen 1964 und 2001 deutsche Geschichte geschrieben.

1964 zum 15-jährigen Bestehen der DDR eingeweiht, diente das Gebäude am Schloßplatz 1 in Mitte dem Staatsrat mit den aufeinander folgenden Vorsitzenden Walter Ulbricht, Willi Stoph, Erich Honecker, Egon Krenz und Manfred Gerlach bis 1990 als Amtssitz.

Schröders Fauxpas

Nach dem Fall der Mauer nutzte von 1999 bis zur Fertigstellung des neuen Bundeskanzleramtes 2001 Gerhard Schröder als Bundeskanzler das repräsentative Haus als Dienstsitz. Dort sei ihm der schlimmste diplomatische Fauxpas passiert, den man sich vorstellen könne, verriet der SPD-Politiker in seiner Rede. So habe er als einen der ersten Gäste den damaligen US-Präsidenten Bill Clinton empfangen und ihm in seinem Büro eine kubanische Zigarre angeboten: „Da diese nicht in die USA importiert werden dürfen, habe ich eine Rüge von der Presse kassiert, als dies an die Öffentlichkeit gelangte.“

Neben dieser Anekdote erinnerte Schröder aber auch an die wechselhafte Geschichte des Gebäudes. „Von hier aus wurde ein Unrechtsstaat gelenkt. Das wird für immer mit diesem Haus in Verbindung bleiben, das jedoch nach der Wiedervereinigung auch ein Ort des Aufbruchs geworden ist“, so der 70-Jährige. „Die Nutzung des Staatsratsgebäudes durch das Bundeskanzleramt der Bundesrepublik ist ein Symbol für die Vielschichtigkeit der deutschen Geschichte.“

Eingeladen hatte die ESMT gemeinsam mit dem Deutschen Historischen Museum (DHM). Erstmals wurde die vom DHM produzierte Multivision „Verflechtungen der Deutschen Geschichte. Die ESMT im ehemaligen Staatsratsgebäude der DDR“ präsentiert. Die aus historischen Fotos und filmischen Sequenzen bestehende Multivision vermittelt einen Einblick in die Geschichte sowie den jetzigen Zustand des Hauses. So konnten die Gäste an diesem Abend einen Blick in die ehemaligen Amtszimmer von Gerhard Schröder und Erich Honecker werfen und ein wenig den Hauch der Geschichte atmen.