Licht-Festival

Berlin zeigt sich von seiner farbenprächtigsten Seite

Wenn die Tage kürzer werden, leuchtet Berlin bunt. Ab Donnerstagabend setzen Künstler die Stadt beim Lichterfest farbenprächtig in Szene. Insgesamt werden 120 Objekte illuminiert.

Foto: Amin Akhtar

Die Tage werden kürzer. Umso faszinierender ist es dann, wenn Berlin in den kommenden Tagen wieder leuchtet – und sich von seiner farbenprächtigsten Seite zeigt. Die Eröffnung des diesjährigen Lichterfestes ist an diesem Donnerstagabend (2. Oktober) am Washingtonplatz vor dem Hauptbahnhof in Mitte. Ab 19 Uhr wird dort gefeiert, mit Musik und einer Ausstellung zum 25. Jahrestag des Mauerfalls.

„Mit ,Light Wall‘, einer Installation aus Licht und Containern, zeigen wir, dass Berlin keine Mauern mehr hat, dass Licht alles überwinden kann“, kündigt Christian Dettmer, Vorstandsmitglied im Verein „Berlin leuchtet“, an. Und auch die wie Tausende Glühwürmchen leuchtenden Kostüme der Kölner Streetperformer „Vagalume“ werden dort bei einer Lichtershow zu erleben sein.

Der hauptstätische Tourismuswerber Visit Berlin erwartet durch die Besucher, die extra wegen der Lichtinszenierungen nach Berlin kommen, bis zu 700.000 zusätzliche Übernachtungen im Oktober. Bereits seit 2004 hat die farbenprächtige Illuminierung von Berliner Wahrzeichen, Brücken, Straßen und Gebäuden Tradition.

Nächtliche Stadtführungen

Funkturm, Siegessäule, Europa Center, Gendarmenmarkt und Ernst-Reuter-Platz sind nur Beispiele der Orte, die beim diesjährigen Lichterfest „Berlin leuchtet“ kunstvoll beleuchtet werden. Sogar die Alte Försterei in der Wuhlheide lockt von Donnerstag bis Sonnabend zu nächtlichen Stadionführungen bei Video- und Lichtinstallationen.

Insgesamt 70 Gebäude, Wahrzeichen und Plätze lässt der gemeinnützige Verein „Berlin leuchtet“ zum Kunstwerk werden. Flankierend werden außerdem rund zweieinhalb Wochen lang, bis zum 19. Oktober, jede Menge Veranstaltungen geboten. So baut die Strandbar BeachMitte am Nordbahnhof beispielsweise erneut einen Lichterstrand auf mit Lagerfeuer, Eisstockschießen und Bogenschießen am Fackelfeuer. Beim Nachtklettern können Mutige im dort aufgebauten Kletterpark 92 beleuchtete Hindernisse meistern und sich dabei aus 13 Metern Höhe ins Lichtermeer fallen lassen. Skyfall heißt das nächtliche Abenteuer.

Während der Verein „Berlin leuchtet“, der sich erst im vergangenen Jahr gegründet und inzwischen 60 Mitglieder hat, in diesem Jahr rund 70 Objekte in Szene setzt, wird das „Festival of Lights“ nach Auskunft von Chefin Birgit Zander 48 Objekte präsentieren. Darunter das Brandenburger Tor, den Berliner Dom, den Bebelplatz mit der juristischen Fakultät und den Potsdamer Platz, wo wieder das Festivalzentrum eingerichtet wird. Der Verein „Berlin leuchtet“ und das „Festival of Lights“ gehen seit dem vergangenen Jahr getrennte Wege. Den Gründern des einstigen Festival of Lights, die sich jetzt im Verein „Berlin leuchtet“ zusammengeschlossen haben, kritisierten die Ausrichtung des Festivals als zu kommerziell. Sie wollen mit dem neuen Verein, wie sie sagen, den ehrenamtlichen Gedanken wieder in den Mittelpunkt setzen.

Sponsoren finanzieren das Fest

„Unser Verein finanziert sich hauptsächlich über Sponsoren, wir verdienen am Lichterfest nichts, im Gegenteil, unsere Kosten sind erheblich. Allein die Beleuchtung der drei Gebäude auf dem Gendarmenmarkt kostet 75.000 Euro, die der Verein zahlt“, berichtet Dettmer. Für die Genehmigung der Sondernutzung müssten 4000 Euro an den Bezirk gezahlt werden, 2500 Euro koste beispielsweise die Nutzung auf dem Washingtonplatz. Weil unter den Vereinsmitgliedern auch mitgliederstarke Zusammenschlüsse sind wie die AG City, die allein 350 Mitglieder zählt, kann der Verein auf ein Netzwerk mit mehr als 5600 Mitgliedern zurückgreifen.

Mit dem Motto des diesjährigen Festes „Weltbühne Berlin“ wollen die Organisatoren das Lebensgefühl der 20er-Jahre aufleben lassen und mit der heutigen Dynamik der Stadt verknüpfen, beschreibt Vorstandschef Uwe Timm das Ziel. „Dynamik und Weltoffenheit sind Parallelen, die unser heutiges Lebensgefühl mit der Aufbruchstimmung im Berlin der 20er-Jahre verbinden. Auch heute ist Berlin in vielen Bereichen Avantgarde und zieht Menschen aus aller Welt an. Berlin bewegt – und das wollen wir mit unseren Lichtinszenierungen zeigen“, sagt Timm.

Zum Start am Donnerstagabend werden auch das Dom Aquaree und das Neue Kranzler Eck mit dabei sein. Mit Videomapping wird eine Gruppe um Lichtdesigner Stefan Ihmig am Kurfürstendamm die futuristischen Formen des gläsernen Bauwerks verfremden. Mit der Installation „Floating Lights“ wird zudem die Passage in ein Kristallmeer verwandelt.

Andreas Boehlke, als Vereinsvorstand bei „Berlin leuchtet“ für den Bereich „Licht“ verantwortlich, freut sich, dass er etliche internationale Künstler – aus Brasilien, Österreich, Russland und Spanien – für die Idee begeistern konnte, Berlin in Szene zu setzen.

Touren per Schiff, Bus oder Segway

Weitere Höhepunkte sind in diesem Jahr das Lichterfest auf der Spandauer Zitadelle mit Feuerwerk, Licht- und Unterhaltungsshow von Donnerstag bis kommenden Sonnabend. Auch die Führungen im Gaslichtmuseum im Tiergarten sind neu im Angebot. Wie bereits in den Vorjahren gibt es wieder die Möglichkeit, die Stadt auf extra organisierten Sightseeing-Touren zu besichtigen – per Schiff, Bus oder Segway.

Das Programm ist in diesem Jahr besonders vielfältig. Durch die Trennung des „Festival of Lights“ und „Berlin leuchtet“, die jetzt beide Berlin beleuchten, gibt es in diesem Jahr mehr als 120 Leucht-Projekte. „So viel wie noch nie“, sagt Birgit Zander, Chefin des Festival of Lights, die mit ihrem Fest am 10. Oktober startet. Sie berichtet, dass das Festival im November auch in New York, in Brooklyn, Premiere feiern wird. „Das ist der Auftakt zur weltweiten Vermarktung“, kündigt Birgit Zander an, die nach eigener Auskunft Mitglied des dortigen Kuratoriums ist. 2015 soll es dann auch in Calgary/Kanada veranstaltet werden.

Infos unter: www.berlin-leuchtet.com