Berliner Angebot

Wo homosexuelle Paare mit Kinderwunsch Hilfe bekommen

In Berlin gibt es mit dem Regenbogenzentrum das deutschlandweit einzige Beratungsstelle für homosexuelle oder transsexuelle Paare mit Kinderwunsch. Es braucht dringend mehr finanzielle Unterstützung.

Foto: picture alliance / Soeren Stache

400 Familien hat Constanze Körner in diesem Jahr beraten, betreut und begleitet – alleine. Das Regenbogenfamilienzentrum in Schöneberg unter ihrer Leitung bietet Beratung für homosexuelle und transidente Paare mit Kindern oder solche mit dem Kinderwunsch. Fortbildungen von Personal in Bildungseinrichtungen, verschiedene Gruppenangebote wie Geburtsvorbereitungen oder Krabbelgruppen sind ebenso im Angebot enthalten.

„Wir wollen zum einen ein Anlaufpunkt für die homosexuellen Familien sein und zum anderen mehr Aufmerksamkeit und Akzeptanz für das Thema in der Gesellschaft gewinnen“, sagt Constanze Körner.

Die Zahl der Regenbogenfamilien steigt

Der staatliche Zuschuss für das Projekt beträgt 66.000 Euro im Jahr, womit nicht genug Geld für eine zweite Beratungsperson bleibt. Körner und der Träger des Zentrums, der Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg, fordern daher mehr Unterstützung von Senatsverwaltung und Abgeordnetenhaus.

Auch die wachsende Anzahl an Regenbogenfamilien in Berlin verlangt nach mehr Beistand. Das deutschlandweit einzige Beratungszentrum für Regenbogenfamilien wurde erst 2013 gegründet und verzeichnet bereits einen 20-prozentigen Anstieg der Beratungen. Auch von anderen Städten kommen Initiativen für solche Zentren.

„Hier muss man sich nicht selbst erklären“, sagt Michael Korok über die Beratungsstelle. Er lebt in einer homosexuellen Beziehung. Vor sieben Jahren kam bei ihm und seinem Partner der Wunsch nach Kindern auf. Damals haben sich die beiden an den Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg gewandt. „Wir kannten uns mit den rechtlichen Schritten nicht aus, die auf uns zukamen“, sagt er.

Sonst kaum Möglichkeiten, sich zu informieren

Als homosexuelles Paar habe man in Deutschland sonst kaum Möglichkeiten, sich über das Kinderkriegen zu informieren und ohne Vorurteile sachlich beraten zu werden. Mittlerweile haben er und sein Partner zwei Kinder von jeweils drei und sechs Jahren und er selbst ist Leiter einer Vätergruppe für schwule Väter im Regenbogenfamilienzentrum. „Ein Anlaufpunkt wie das Regenbogenfamilienzentrum ist wahnsinnig wichtig“, so Korok.

Der Kontakt mit Menschen, die den gleichen Weg gegangen sind oder gehen wollen, den er im Zentrum findet, sei nicht nur für die Eltern, sondern auch die Kinder homosexueller Familien enorm wichtig. Das Leben mit zwei Papas sei für Koroks Kinder durch das Regenbogenfamilienzentrum eine normale Sache geworden.