Ohne Begleitung

Mehr minderjährige Flüchtlinge kommen nach Berlin

Neben Flüchtlingsfamilien und erwachsenen Asylbewerbern kommen auch immer mehr geflohene Kinder nach Berlin. Die Zahl Minderjähriger ohne Begleitung ist zuletzt kontinuierlich angestiegen.

Foto: Reto Klar

Berlin steuert im September auf eine weitere Rekordzahl bei Flüchtlingen zu. Bis zum Dienstag dieser Woche seien 1025 Asylbewerber neu aufgenommen worden, sagte Sozialsenator Mario Czaja (CDU) am Donnerstag. Im Juli wurde mit 1047 Flüchtlingen erstmals seit 15 Jahren eine vierstellige Zahl in einem Monat erreicht, im August kamen 1145 neue Asylbewerber in die Stadt.

Um alle Menschen unterbringen zu können, will der Senat nun Wohncontainer-Dörfer errichten. Mehr als 2000 Plätze sollen damit geschaffen werden, zehn Prozent davon seien für die Kältehilfe, also die Unterbringung von Wohnungslosen, vorgesehen, sagte Czajas Sprecherin Constance Frey. Die Ausschreibung für die Container-Dörfer sei nun gestartet worden, sagte der Senator. Es sei sein Ziel, die ersten bis zum Beginn der Kälteperiode zu haben.

Gemeinsam mit seinen Amtskollegen aus Hamburg und Bremen, Detlef Scheele und Anja Stahmann, hat Czaja einen Brief an mehrere Bundesminister geschrieben. Darin bitten die drei Sozialsenatoren um stärkere Unterstützung des Bundes bei der Aufnahme und Versorgung von Flüchtlingen, Obdachlosen und Armutszuwanderern aus EU-Ländern.

Brief an Bundesminister

Insbesondere bitten sie darum, den Städten „kurzfristig und unbürokratisch“ Immobilien und Liegenschaften im Besitz des Bundes oder von Bundesunternehmen wie der Deutschen Bahn zur Unterbringung von Flüchtlingen zu überlassen. Der Brief ist an Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, Innenminister Thomas de Maizière und Finanzminister Wolfgang Schäuble (alle CDU) gerichtet.

Neben Flüchtlingsfamilien und erwachsenen Asylbewerbern kommen auch immer mehr geflohene Kinder nach Berlin. Die Zahl minderjähriger Flüchtlinge ohne Erwachsene als Begleiter stieg in den vergangenen Jahren kontinuierlich an, wie aus einer Antwort der Sozialverwaltung auf eine Parlamentsanfrage der Grünen hervorgeht. Im Jahr 2011 wurden 546 Kinder und Jugendliche als Flüchtlinge in Berlin registriert, danach 739 (2012) und 882 (2013). In diesem Jahr waren es bis Juli bereits 509 minderjährige Flüchtlinge. Ein Teil landet im sogenannten Clearing-Verfahren, in dem Staatsangehörigkeit, Fluchtgründe, Verwandtschaft und Unterbringung geklärt werden sollen. Viele von ihnen werden danach in Jugendhilfeeinrichtungen untergebracht. Die Ausgaben dafür lagen 2013 bei knapp 4,4 Millionen Euro.