Gericht

Mord an Türsteher – Polizisten schützen Prozess gegen Rocker

Ein Türsteher wurde Opfer willkürlicher Rache: Rocker sollen den Mann wegen eines Streits anderer Hells Angels ermordet haben. Nun stehen drei Männer in Berlin vor Gericht.

Im streng bewachten Gerichtssaal werden die Angeklagten hinter Panzerglas sitzen. Rund ein Jahr nach tödlichen Schüssen auf einen Berliner Türsteher wird drei Rockern der Hells Angels von diesem Mittwoch an in Berlin der Prozess gemacht.

Den Männern im Alter zwischen 28 und 32 Jahren wird gemeinschaftlicher Mord vorgeworfen. Der 39 Jahre alte Türsteher stand am 1. September 2013 allein vor dem Soda Club auf dem Gelände der Kulturbrauerei im Stadtteil Prenzlauer Berg, als vier Schüsse abgefeuert wurden. Ein 31 Jahre alter Rocker soll auf den völlig arglosen Mann geschossen haben. Einer der Komplizen habe bei der heimtückischen Tat Wache gestanden, der dritte Mann das Fluchtauto gefahren.

Die Anklage geht von einem Racheakt dafür aus, dass zwei Wochen zuvor andere Hells Angels an der Tür des beliebten Clubs abgewiesen worden seien. Dabei kam es zu einer Prügelei, bei der sich die Rocker geschlagen geben mussten. Der Türsteher war den Ermittlungen zufolge bei dem Streit gar nicht dabei. Die mutmaßlichen Täter sollen den Mann, der den Ermittlungen zufolge auch keine Verbindung ins Rockermilieu hatte, nicht einmal gekannt haben.

Mord und Mordversuch

Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten vor, sie wollten mit dem Mord die Macht der Hells Angels demonstrieren. Für die Verhandlung ordnete das Landgericht verschärfte Sicherheitskontrollen an. Jeder Zuhörer wird nach verdächtigen Gegenständen durchsucht. Im Saal 500 werden vermutlich auch Polizisten anwesend sein und für Sicherheit sorgen. Für den Prozess sind bislang 20 Verhandlungstage geplant.

Die drei Angeklagten sind seit Jahren bei Polizei und Justiz bekannt. Sie sollen unter anderem wegen Körperverletzung vorbestraft sein. Am 1. April dieses Jahres wurden zwei der Männer festgenommen. Der dritte Verdächtige stellte sich einen Tag später der Polizei. Zuvor soll es belastende Aussagen eines Zeugen gegeben haben, der selbst Rocker war.

Dem mutmaßlichen Todesschützen wird zudem ein Mordversuch vorgeworfen. Er soll am 22. Dezember 2013 ein Mitglied der rivalisierenden Bandidos mit einem Messer lebensgefährlich verletzt haben. Auch dieses Opfer habe der 31-Jährige nicht gekannt. Wie bei der Tat knapp vier Monate zuvor sei es darum gegangen, die Macht der Hells Angels zu zeigen.

Am 17. Oktober beginnt ein weiterer großer Rockerprozess gegen zehn Angeklagte der Hells Angels. Dabei geht es um einen Mord in einem Wettspielcafé in Wedding am 10. Januar. Das 26 Jahre alte Opfer war mit mehreren Schüssen regelrecht hingerichtet worden. Der Mord war nach Polizeieinschätzung die Rache für eine Schlägerei im Oktober 2013, bei der ein Hells-Angels-Rocker vor einer Disko am Alexanderplatz verletzt worden war. Auch hier wird erwartet, dass das Gericht von der Polizei gesichert wird.