Lichtinstallation

25. Jahrestag des Mauerfalls - Berlin sucht Ballonpaten

Auflösende „Lichtgrenze“ zum Jubiläum: 8000 beleuchtete Ballons sollen den Mauerverlauf nachzeichnen und am 9. November in die Luft steigen - jeder mit einer Botschaft. Dafür werden Absender gesucht.

Foto: Tobias Schwarz / AFP

Es ist eine ungewöhnliche Inszenierung für eine Pressekonferenz. Der Saal im Radialsystem ist abgedunkelt, die Reporter tasten sich im roten Dämmerlicht bis zu den Stuhlreihen. Davor Stehtische, eine Videowand und acht leuchtende Kugeln, die vor der Leinwand zu schweben scheinen. Um kurz vor elf Uhr sucht sich Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit seinen Weg durch das Dämmerlicht, als er sitzt, beginnt auf der Videowand ein kurzer Film. Berlin zu Mauerzeiten ist zu sehen, Leere, der Todesstreifen, Stacheldraht. Daneben Berlin heute: Licht, Autos, Spaziergänger – und auf jedem Bild die leuchtenden Ballons.

„Ein besonderer Tag für Berlin“

Mit ihnen will Berlin zum 9. November an den Fall der Mauer vor 25 Jahren erinnern. 8000 weiße Ballons werden den Verlauf der Mauer von der Bornholmer Straße bis zur Oberbaumbrücke nachzeichnen. Die 15 Kilometer lange Lichtinstallation wird von Freitag, 7. November, an zu sehen sein und ist der Höhepunkt der Veranstaltungen zum Jahrestag des Mauerfalls. „Der 9. November war ein besonderer Tag für Berlin, ein besonderer Tag für Deutschland und für die ganze Welt“, sagt Wowereit, der das Projekt „Lichtgrenze“ gemeinsam mit Organisator Moritz van Dülmen von der Kulturprojekte Berlin GmbH vorstellt.

Mit der Installation werde der „Verlauf der Trennungslinie wieder sichtbar gemacht, die viele Jüngere und Zugezogene aus eigenem Erleben schon gar nicht mehr kennen“. Partner des Projektes sind unter anderem die Robert-Havemann-Gesellschaft und die Lottostiftung Berlin, die das Vorhaben mit 1,9 Millionen Euro fördert.

Berliner sollen mitmachen

Die Berliner sind aufgerufen, sich an dem Projekt zu beteiligen: Gesucht werden Ballonpaten, die sich an den Mauerbau erinnern, beim Mauerfall dabei waren oder sich einfach nur daran freuen, in einer ungeteilten Stadt zu leben. So sucht der Rundfunk Berlin-Brandenburg in seinen Radioprogrammen von Ende September an Interessenten für die kostenlosen Patenschaften. Weitere Paten stellen Schulen, Vereine und Gemeinden der evangelischen Kirche sowie die Sponsoren der Veranstaltung. Die Geschichten und Wünsche werden im Internet veröffentlicht. Wer einen Ballon bekommt, wird diesen am Abend des 9. November von der Stange lösen und mit seiner Geschichte in den Nachthimmel steigen lassen.

Begleitet wird die Installation von einer Open-Air-Ausstellung. An 100 Stationen sind Erlebnisse aus der Geschichte des geteilten Berlins zu lesen, unter anderem über den Alltag mit der Mauer, Fluchten, Mauertote, Protestaktionen oder das DDR-Grenzregime. Außerdem werden an sogenannten Publikumsorten wie dem Brandenburger Tor oder dem Checkpoint Charlie Collagen aus historischem Filmmaterial zu sehen sein. Das Land Berlin gedenkt des Mauerfalls außerdem mit einem offiziellen Festakt im Konzerthaus am Gendarmenmarkt. In der Gedenkstätte Berliner Mauer wird die neue Dauerausstellung zur Teilung Berlins eröffnet. Der Bund veranstaltet ein Bürgerfest am Brandenburger Tor, in der ganzen Stadt wird es zum Jahrestag zahlreiche weitere Ausstellungen, Führungen oder Konzerte geben.

„Zeigen, wie die Mauer trennte“

Die Idee der Lichtgrenze aus Leuchtballons hatten die Brüder Christopher und Marc Bauder, ein Medienkünstler und ein Filmregisseur. Sie hätten schon vor dem 20. Jahrestag des Mauerfalls über Konzepte nachgedacht, erzählt Christopher Bauder. „Man müsste die Mauer noch einmal nachzeichnen“, dieser Gedanke sei ihnen damals schon gekommen, an 43.000 Ballons hätten sie gedacht, auf jedem Meter der ehemaligen Grenze zwischen Ost- und West-Berlin einen, aber sie hätten schnell erkennen müssen, dass die Idee nicht umsetzbar war. Dennoch: Der Gedanke, dass man das Bauwerk noch einmal zurückbringen müsste, blieb: „Wir wollen zeigen, wie die Mauer die Stadt getrennt hat.“

Damit die Ballons auch an einem dunklen Novemberabend zu sehen sind, werden sie von unten beleuchtet. So lange sie an den knapp drei Meter hohen Stelen befestigt sind, enthalten die Ballons nur Luft, erst am Sonntag wird Helium hinein gefüllt. Nacheinander werden sie zwischen 19 und 20 Uhr losgelassen– die Grenze, die Berlin noch einmal für drei Tage in Ost und West teilt, löst sich wieder auf.

Mehr Infos zu der Ballonaktion im Internet unter www.fallofthewall25.com

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