Partyszene

Berliner Club „Sisyphos“ überraschend geschlossen

Der Kultclub an der Rummelburger Bucht hat nach Auskunft des Bezirksamts Lichtenberg keine gültige Betriebsgenehmigung. Fragen zu einem Evakuierungskonzept seien nicht beantwortet worden.

„Oh Schreck, oh Schreck, der Lurch ist weg. Sisyphos’ Tore bleiben geschlossen. Der Lurch hat sich wohl weggeschossen.“ Mit diesen ominösen Worten hat sich der Club „Sisyphos“ Ende August in die Zwangspause verabschiedet, wie erst jetzt bekannt wurde. Das Partyvolk, das seine Wochenenden gerne in der Rummelsburger Bucht in Lichtenberg verbracht hat, zeigt sich traurig. Auf sozialen Plattformen wie Facebook spekulieren Hunderte darüber, warum das „Sisyphos“ über Nacht geschlossen wurde.

Vermutet wird in der Szene, dass das „Sisyphos“ – wie andere bekannte Clubs vor ihm – nach Beschwerden über hohe Lärmbelastung aufgeben musste. Doch das ist nicht die Hauptursache für die Schließung. Nach Angaben von Fabian Peter, Referent des Lichtenberger Bezirksstadtrats für Stadtentwicklung Wilfried Nünthel (CDU), hatte das „Sisyphos“ nie eine Genehmigung für den Betrieb erhalten. Der Club befindet sich auf dem Gelände der ehemaligen Spratt’s Hundekuchenfabrik. Er lag damit im Einzugsbereich des Heizkraftwerks Marzahn. Bei einem möglichen Havariefall, einem Schaden im Kraftwerk, hätte es kein ausreichendes Evakuierungskonzept für die Besucher gegeben, erklärt Peter. Das „Sisyphos“ wurde also nur geduldet.

Schonfrist bis August

Nach einiger Zeit hatte der Club jedoch zusammen mit den zuständigen Behörden ein passendes Evakuierungskonzept entwickelt. Also stand der offiziellen Genehmigung für das „Sisyphos“ nichts mehr im Weg – außer das „Sisyphos“ selbst. Die Antworten, die der Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung von den Betreibern des Clubs anforderte, blieben aus. „Seit über einem Jahr versuchen wir immer wieder eine Reaktion vom „Sisyphos“ zu bekommen“ sagte Peter. Nun sei es aber genug des Guten gewesen. Bereits im Februar habe man den Clubbetrieb einstellen wollen. Bis Ende August gewährte man den Partygängern noch eine Schonfrist, doch dann war Schluss. „Wer seine Hausaufgaben nicht macht, muss mit den Konsequenzen rechnen“, so Peter.

Geschäftsführung verhandelt

Bisher ist nicht bekannt, wann das „Sisyphos“ seine Tore wieder öffnet. Julius Hausel, einer der Geschäftsführer, sagte am Telefon, er sei momentan in „wichtigen Verhandlungen“ den Club betreffend. Er zeigte sich zuversichtlich, dass eine baldige Wiedereröffnung möglich sei. Auf ihrer Internetseite kündigen die Veranstalter schon einmal an, dass das „mit lautem Getöse“ geschehen werde. Ob das die Nachbarn freuen wird, ist fraglich.

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