BVG

Kein Personal - Immer mehr Straßenbahnen fallen aus

Der BVG fehlt Personal - und deshalb gibt es immer wieder Probleme auf den Berliner Tram-Linien. Viele Fahrer sind untauglich, andere gehen in Rente. Und dem Nachwuchs mangelt es an Deutschkenntnissen.

Foto: Andrea Warnecke / picture alliance / dpa

Während bei der Berliner S-Bahn am Sonnabend wieder die Lokführer streiken, macht den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) ein anderes Problem zu schaffen. „Wir kämpfen um jeden Straßenbahnfahrer“, sagte BVG-Abteilungsleiter Torsten Mareck.

Zuletzt fielen wegen des Personalmangels immer wieder Fahrten aus: Am vergangenen Sonnabend allein drei Umläufe der Linie M2, zeitweise waren im Netz sogar bis zu zehn Fahrten am Tag betroffen.

Das Problem ist in diesem Jahr besonders gravierend. Allein im ersten Halbjahr 2014 verließen 20 Fahrer das Unternehmen – eine überdurchschnittlich hohe Zahl, die für die BVG unerwartet kam.

Einige schieden wegen Fahruntauglichkeit aus, andere zogen die Option vor, bereits im Alter von 63 Jahren in Rente zu gehen.

Baustellen machen der BVG zu schaffen

Ein weiterer Grund sind die neuen Mehrleistungen. Seit diesem Jahr fahren etwa M2 und M4 öfter und länger. „Das konnte auf Fahrerseite nicht kompensiert werden“, sagt Frank Kulicke, Sprecher der Vertrauensleute Straßenbahn von der Gewerkschaft Verdi.

Auch die vielen Sommerbaustellen machen der BVG zu schaffen: Wenn die Züge bei Unterbrechungen nur abschnittsweise verkehren, werden mehr Fahrer benötigt. Zugleich wollten während der Fußball-Weltmeisterschaft offenbar zu viele Fahrer bei Spielen mit deutscher Beteiligung frei haben.

Für temporäre Ausfälle sorgen auch die Schulungen für die neuen Flexity-Fahrzeuge, die seit 2011 schrittweise ausgeliefert werden. „Hier gibt es mehrere Typen. Für jeden müssen die Fahrer zwei Tage geschult werden“, sagt Kulicke.

Tramfahrer vergleichen Situation mit Berliner S-Bahn-Krise

Es kommt viel zusammen für die BVG, „doch das war auch vorhersehbar“, kritisiert Kulicke. In Tramfahrer-Kreisen werden bereits Vergleiche mit der Situation bei der S-Bahn vor knapp drei Jahren gezogen, als rund 50 Fahrer wegen Krankheit ausfielen – und etliche Fahrten.

Wie groß die Not ist, zeigt der Umstand, dass aus den Werkstätten mehr Mitarbeiter als üblich als Fahrer einspringen müssen. „Und wenn das Werkstattpersonal ‚auf’m Bock’ sitzt, kann es natürlich keine Züge warten“, sagt ein BVG-Insider.

Die BVG verweist auf den geringen Anteil ausgefallener Fahrten im Vergleich zum Gesamtangebot: Zehn Fahrten täglich würden nur 0,2 Prozent ausmachen. Ein größerer Fahrerpool mit Ersatzleuten sei für das Landesunternehmen schlicht nicht finanzierbar.

Die derzeit 940 Fahrer sollen auf 1000 Fahrer aufgestockt werden

Dennoch wähnt man sich auf dem richtigen Weg: Es seien bereits Maßnahmen eingeleitet, um sich auf die unvorhersehbaren Abgänge einzustellen, sagte der Straßenbahnchef der BVG, Klaus-Dietrich Matschke. Derzeit läuft eine Bewerbungsphase, bis Dezember soll vor allem der durch die Mehrleistungen entstandene Bedarf gedeckt sein. Die derzeit 940 Fahrer sollen auf 1000 aufgestockt werden, auch weil die BVG ihr Angebot ab Dezember noch mal ausweitet.

Trotzdem hat die BVG ein Nachwuchsproblem. Zwar mangelt es nicht an Interesse – dafür an Qualität. So sollen von 1300 Bewerbern zuletzt nur 300 ausreichende Deutschkenntnisse vorgewiesen haben. Und am Ende schaffen rund 25 Prozent die Ausbildung nicht. Einige merken zudem erst im täglichen Betrieb, dass der Job doch nichts für sie ist.