Linie U8

BVG präsentiert ihre schöne neue Bahnhofswelt

Nach einem Jahr fährt die U8 endlich wieder durchgehend bis Hermannstraße. Und glänzt dazu mit drei schicken neuen Bahnhöfen. Sie sollen auch den Bezirk Neukölln aufwerten.

Foto: BVG

Die Dame im Blümchenkleid ist entzückt. "Ahhh!", ruft sie und zeigt auf den Eingang zum U-Bahnhof Hermannstraße, "darf man da jetzt wieder rein?"

Man muss sie vertrösten, ein paar Tage Geduld sind noch gefragt. Erst ab kommendem Montag fährt die U-Bahnlinie 8 ab Boddinstraße wieder bis Hermannstraße durch. Zunächst allerdings noch eingeschränkt, in der Hauptverkehrszeit statt alle fünf nur alle zehn Minuten.

Doch auch das ist schon ein Gewinn. Ein Jahr lang bestand kein Anschluss zur Ringbahn. Stattdessen quälten sich Ersatzbusse über die dicht befahrene Hermannstraße. Die U8 gehört zu den meist genutzten Linien der Stadt, ihre Unterbrechung wog schwer.

"Wir wissen, dass wir unseren Fahrgästen auf der U8 viel abverlangt haben", sagt Uwe Kutscher, Bauchef der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). "Deshalb war es uns wichtig, den U-Bahnverkehr zum frühestmöglichen Zeitpunkt wieder aufzunehmen."

Und so darf sich Berlin nicht nur über durchgängigen Verkehr, sondern auch über drei schicke neue Bahnhöfe freuen. Für 13,5 Millionen Euro wurden Hermann-, Leine- und Boddinstraße saniert, ebenso ein Teil der Tunnel. Die BVG wagte dabei den Spagat zwischen Geschichte und Moderne – es ging auch gar nicht anders. Die knapp 90 Jahre alten Bahnhöfe Boddinstraße und Leinestraße stehen unter Denkmalschutz.

Nicht der gewünschte Fußboden

"Wir haben hier alles nach historischem Vorbild gebaut", erklärt Ingenieur Kutscher und glänzt mit Kenntnissen in Geschichte. Am Bahnhof Boddinstraße zeigt der 52-Jährige auf die Bilder, die jetzt statt der Werbeplakate die blau gefliesten Wände schmücken. Sie zeigen das Neukölln der 20er-Jahre. "Dieser Teil des Bezirks war früher mal ein sehr vornehmer", erklärt Kutscher. "Wir wollen mit den Bahnhöfen einen Beitrag dazu leisten, dass Neukölln aufgewertet wird."

Nur mit dem Fußboden ist die BVG nicht glücklich. Man hätte lieber Granitplatten verlegt – das Landesdenkmalamt schrieb Asphalt vor.

Auch im Bahnhof Leinestraße schmücken historische Fotos die Wände, Arbeiter wischen über die hellgrünen Fliesen. Sie sind handgefertigt und kommen aus Spanien. Den Hipstern, die durch Neukölln fahren, dürfte das gefallen. Im Dezember soll auch ein Aufzug vorhanden sein. Mit 7,5 Millionen Euro musste die BVG für diese Sanierung am tiefsten in die Tasche greifen.

Denn beim Entfernen des Deckenputzes wurde deutlich, dass die Deckenkonstruktion schwerer beschädigt war als angenommen. Es war fraglich, ob sie den nur wenige Meter darüber rollenden Straßenverkehr noch lange würde tragen können.

Billiger Kunststoffkleber

"Der Bau der U-Bahn war früher eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Dabei wurde viel gepfuscht", sagt Kutscher. Oft sei nur die unterste, sichtbare Schicht der Decke mit gutem Beton verputzt worden. "An manchen Bahnhöfen haben wir in der Decke schon Bauschutt gefunden."

Dafür hätten wenigstens die Fliesen gehalten – was man vom Bahnhof Hermannstraße nicht behaupten kann. Auch hier sah sich die BVG mit Bausünden konfrontiert, dabei wurde er erst 1996 eröffnet. Er habe mit BVG-Chefin Sigrid Nikutta zusammengesessen und über eine "Aufhübschung" des Bahnhofs gesprochen, erzählt Kutscher. "Daraus ist dann fast ein Neubau geworden."

Zumindest, was die Oberflächen betrifft. Schon zehn Jahre nach der Eröffnung lösten sich erste Fliesen von den Wänden, offenbar wurde nur billiger Kunststoffkleber verwendet. Zudem wurden die Fliesen wohl zu früh auf den Beton gesetzt. Dieser zog sich zusammen, es gab Risse. Welche Baufirma damals patzte, ist heute nicht mehr nachvollziehbar.

Jetzt herrscht im Bahnhof noch reger Betrieb, hier und da hängen Kabel von der Decke. In zwei Monaten sollen die Arbeiten beendet sein, "wenn alles klappt", so Kutscher. Dann wird auch das neue Design sichtbar. Im Gegensatz zu den anderen Bahnhöfen setzt die BVG hier auf Modernes, das Motto heißt "Großstadtdschungel".

Elefant, Affe und Jaguar

Auf den Säulen sind vom Aussterben bedrohte Tierarten abgebildet: ein Jaguar, ein Waldelefant, ein Orang-Utan, ein Tapir. Die Tunnelwände wurden mit Emaille-Paneelen verkleidet, die sich leichter von Graffiti reinigen lassen. Dazu soll eine neue Raumaufteilung ungebetene Gäste wie Obdachlose oder Drogendealer abschrecken.

Lob für die Bemühungen gibt es von der Fahrgastlobby Igeb. Soziologische Studien hätten erwiesen, dass ein freundlich und ansprechend gestalteter Bahnhof zu weniger Vandalismus führe, erklärt Geschäftsführer Florian Müller. Ein Bahnhof Hermannstraße ohne Graffiti? Das wäre tatsächlich eine Aufwertung.

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