Einschulung

Was Zweitklässler den Schulstartern empfehlen

30.000 Berliner Kinder starten 2014 in die Schule. Was sie dort erwartet? Fünf Kinder einer Charlottenburger Grundschule, die vor einem Jahr ihren ersten Schultag hatten, erzählen ihre Erlebnisse.

Foto: Pa / Marion Hunger

Die Schultaschen sind gepackt, die Buntstifte gespitzt: 30.090 Kinder haben in diesem Jahr ihren ersten Schultag. Das sind laut Berliner Senatsschulverwaltung fast 800 mehr als im Jahr zuvor. Damit setzt sich der Trend steigender Zahlen auch bei den Erstklässlern fort.

Von Montag an besuchen sie eine der 366 Grundschulen in öffentlicher oder der 49 Schulen in privater Trägerschaft. Die meisten von ihnen werden in jahrgangsgemischten Gruppen unterrichtet: Im vergangenen Jahr hatten zwei Drittel der Berliner Grundschulen ihre ersten und zweiten Klassen oder sogar die ersten drei Klassen in Jül-Klassen kombiniert.

23 bis 26 Kinder sollen laut Grundschulverordnung in einer Klasse sitzen, mehr dürfen es nur in Ausnahmefällen sein. Sie alle besuchen eine Ganztagsgrundschule, in der die Kinder zwischen 6 und 18 Uhr betreut werden können. Wer in eine gebundene Ganztagsschule oder in den Hort geht, bekommt in der Schule ein Mittagessen, für das die Eltern seit Februar monatlich 37 Euro zuzahlen müssen.

So weit die Zahlen. Aber wie ist das erste Jahr in der Schule eigentlich wirklich? Das haben wir diejenigen gefragt, für die die Einschulung noch nicht so lange her ist, und die es deshalb am besten wissen müssen: Zweitklässler. Fünf Kinder einer Charlottenburger Grundschule, die vor gut einem Jahr ihren ersten Schultag hatten, erzählen von ihren Erfahrungen.

Johanna, 6:

„Die Einschulung war gut. Vor allem die Schultüte! In meiner waren viele Süßigkeiten, meine Federtasche, ein Buch und eine CD. Bei der Feier waren wir zuerst alle in dem Raum, in dem wir unsere Schulversammlungen machen. Die Melodika hat ganz schön gespielt. Danach sind wir in den Klassenraum gegangen. Ich hatte ein bisschen Kopfschmerzen, weil es in der Klasse so laut war. Wir haben alle geschrien, ich glaube, das lag daran, dass wir so aufgeregt waren. Und dann sind wir schon bald wieder rausgegangen. Dort haben unsere Eltern gewartet.

Mein Lieblingsfach ist Sport. Das ist toll, weil wir immer so viele Spiele machen. Deutsch mag ich auch, weil wir manchmal malen. Außerdem lernen wir, wie man Wörter richtig schreibt. Das ist nämlich wichtig, damit man später arbeiten kann. Trotzdem mag ich am liebsten die Hofpausen und die Freizeitstunden. Hofpausen sind nur doof, wenn ich allein spielen muss, weil ich mich mit meinen Freundinnen gestritten habe. Aber so schlimm ist das auch nicht: Dann gehe ich eben in die Bibliothek. Da kann man immer reingehen und Bücher lesen.“

Fania, 7:

„Ich kannte die Schule von meinen Brüdern. Die waren schon vor mir hier. Aber ich habe nicht gedacht, dass es so laut ist! Ich finde die Schule trotzdem gut, weil es so viele Spielsachen auf dem Hof gibt. Schlecht finde ich nur, wenn andere Kinder mich ärgern, vor allem die Großen auf dem Hof. Die Lehrer sind eigentlich immer nett. Sie schimpfen nur, wenn wir etwas Böses gemacht haben. Das passiert aber nicht so oft. Im ersten Schuljahr haben wir in Mathe Einkaufen gelernt. Erst haben wir geübt, wie man Geld zählt, dann sind wir auf den Markt gegangen. Das hat Spaß gemacht.

Aber manchmal finde ich trotzdem, dass es in der Kita besser war. Da musste ich vielleicht einmal in der Woche was basteln, sonst konnte ich immer spielen. Außerdem durfte ich damals länger schlafen: Ich bin elf Minuten später losgegangen als zur Schule. Mittags essen wir alle in der Schule. Das Essen kommt jetzt von einer anderen Essensfirma. Seitdem gibt es keinen Milchreis mehr. Schade! Sonst ist das Essen eigentlich genau wie früher. Ich glaube, die Essensfirma hat sich nur anders angezogen.“

Ella, 7:

„Am ersten Schultag wurden ganz viele Fotos gemacht. Zuerst von den Eltern, bis wir ihnen Tschüss gesagt haben und in die Klasse gegangen sind. Dann wurden wir alle zusammen fotografiert. Und danach bin noch mal allein und mit Oma und Opa fotografiert worden. Am ersten Schultag habe ich mich sehr auf die Schule gefreut. Ich kannte auch schon jemanden: Meine Freundin ist sogar in meine Klasse gekommen. Aber wir haben nicht nebeneinander gesessen. Das haben die Lehrer ausgesucht. Ich saß neben Nicolas, wir haben uns in dem ganzen Schuljahr nicht gestritten. Manche andere aber schon!

Am besten gefällt mir der Sportunterricht. Aber Mathe finde ich auch gut. Vor allem, wenn wir Spiele machen. Einmal sind ganz viele Kinder in den Computerraum gegangen und die anderen haben in der Klasse ein Mathespiel gemacht. Das war schön! Außerdem gefällt es mir, dass man neue Freunde kennenlernt. Wir haben jetzt wieder ein neues Kind in der Klasse. Und die Großen sind nett. In der ersten Klasse sind manchmal Drittklässler gekommen und haben uns vorgelesen. Doof finde ich eigentlich nur, wenn andere Kinder kneifen oder hauen.“

Miro, 7:

„Ich habe mich so gefreut auf die Schule! Und ich war ziemlich aufgeregt, denn vorher wusste ich gar nicht, wie es dort ist. Ich habe keine Geschwister, deshalb konnte mir keiner etwas über die Schule erzählen. Manche Sachen waren anders, als ich es mir vorgestellt habe. Zum Beispiel hätte ich nie gedacht, dass man in der Schule so viel malen muss. Das mache ich überhaupt nicht gern. Am Anfang haben wir in der ersten Klasse dauernd gemalt.

Jetzt schreiben wir mehr und lernen, wie man Wörter schreibt. Es ist ja wichtig, dass man richtig schreiben kann. Mathe macht mir aber mehr Spaß, weil es immer Zahlen ergibt, wenn man plus und minus rechnet. Ich mag Zahlen. Ich finde es gut, dass ich ein Zweitklässler bin. Jetzt kann ich den Erstklässlern etwas beibringen. Aber ich mache das nicht so, als ob ich ein Angeber wäre. Ich will ihnen ja helfen. Und außerdem bekomme ich in der zweiten Klasse mehr Taschengeld. In der ersten Klasse habe ich einen Euro bekommen, jetzt zwei. Wenn ich in der zwölften Klasse bin, bekomme ich zwölf Euro. So viel!“

Ender, 7:

„Mein Bruder hat mir vorher schon erzählt, wie es in der Schule ist. Aber am ersten Schultag hatte ich trotzdem ein bisschen Lampenfieber. Und Bauchschmerzen! Nach der Einschulung waren die vorbei. Ich finde die Schule ganz gut. Die Lehrer sind nett, aber manchmal schimpfen sie auch. Das passiert einmal am Tag. Oder zweimal oder dreimal. Ich mag vor allem den Sportunterricht. Ich glaube, den mögen wir alle am liebsten. Mathe ist okay und die Pausen und die Freizeitstunden sind natürlich auch sehr gut. Da spielen wir Spiele: Ich bin der Jaguar, der die anderen fangen muss, und die müssen mich fangen. Wir quatschen auch oft. Vor allem die Mädchen.

In der Schule lernt man viele neue Kinder kennen und findet neue Freunde. Die kann man fragen, wenn man etwas nicht weiß. Und die helfen auch, wenn man sich zum Beispiel wehgetan hat. Man kann dann ins Sekretariat gehen. Oder einfach weiterspielen. Wenn jetzt die Kleinen kommen, kümmern wir uns natürlich um die. Wir machen das so wie die Größeren bei uns: Wir geben denen nur Infos, wenn sie uns fragen.“