Pläne

Berliner Tierpark – mehr Platz für Kinder und Tiger

Berlins neuer Zoo-Chef Andreas Knieriem will das 160 Hektar große Areal in Friedrichfelde für Besucher attraktiver machen. Jetzt präsentierte er erste konkrete Ideen dafür.

Foto: JOHN MACDOUGALL / AFP

Mehr Auslauf für Tiger, eine tägliche Greifvogelschau, viele Spielplätze für Kinder, besseres Essen und zwei schöne Parkbahnen, die nach Art einer Stadtrundfahrt über das große Gelände rollen: Das sind nur einige der vielen Ideen, die Andreas Knieriem für den Tierpark in Friedrichsfelde hat.

Der neue Direktor ist erst wenige Monate im Amt. Sein Ehrgeiz richtet sich darauf, das Gelände im Osten der Stadt attraktiver für Besucher zu machen und damit die Einnahmen des bislang defizitären Betriebs zu erhöhen. Die Berliner Landespolitik bietet ihm auch die Chance dazu.

Landesmittel sind noch gesperrt

Fünf Millionen Euro hat das Abgeordnetenhaus Ende 2013 bewilligt, damit der Tierpark kurzfristig attraktiver wird. Doch diese Mittel sind noch gesperrt. Sie stehen erst zur Verfügung, wenn ein überzeugendes Konzept vorliegt. Diese Pläne wird Knieriem in der kommenden Woche beim Parlament einreichen.

Bereits am Donnerstag hat der Chef von Zoo und Tierpark einen Rundgang mit CDU-Fraktionschef Florian Graf über das Gelände unternommen und seine Ideen präsentiert. „Wir wollen das reiche Potenzial wiederbeleben“, sagte Knieriem. „Die Stärken des Tierparks sind in Vergessenheit geraten.“

Vor allem auf die jüngsten Besucher richtet sich das Augenmerk des Tierparkchefs. Kinder machen derzeit etwa 30 Prozent der Gäste aus. Für sie soll die alte Plansche, die zu DDR-Zeiten sehr beliebt war, reaktiviert werden. Unter seinem Vorgänger sei sie zum Ententeich geworden. Ein Wasserspielplatz schwebt dem neuen Tierparkchef vor. Kinder könnten auf einem Floß fahren, Eltern auf der Wiese liegen. Sodass auch an heißen Sommertagen ein Ausflug in den Tierpark verlockend ist. Auch einen Waldspielplatz plant Knieriem, und weitere kleine Spielflächen, über das riesige Areal verteilt. Kleine Cafés sollen entstehen, um die Familien zu einem möglichst langen Aufenthalt zu animieren.

Zwei attraktive Bahnen

Die Bimmelbahn, die derzeit ein privates Unternehmen betreibt, will der Tierpark wieder selbst in die Hand bekommen. Knieriem möchte zwei attraktive Bahnen anschaffen, in denen die Gäste interessante Geschichten und Fakten auf der Fahrt zum nächsten Gehege zu hören bekommen. Reaktivieren will Knieriem auch die alte Tribüne aus DDR-Zeiten, mit rund 1000 Sitzplätzen. „Jeder Zoo wäre froh, so etwas zu haben“, so der Tierparkchef. „Das hatte Hand und Fuß, was vor Jahrzehnten hier angelegt wurde.“

Die Holzbänke, deren Oberflächen schon splittern, sollen ersetzt werden, Landschaftsarchitekten die alte Anlage verschönern. Dort möchte Knieriem langfristig eine tägliche Greifvogelschau zeigen. Im Zoo könnte man das nicht tun. „Denn wenn da die Vögel wegfliegen, sind sie gleich auf dem Dach vom Waldorf Astoria“, sagte Knieriem. „Da gehe ich nicht hinterher.“

Viel Neues steht auch im Alfred-Brehm-Haus an. Es wird in ein Tropenhaus verwandelt. Das Innengehege der Tiger wird auf das Dreifache vergrößert – auf Kosten der Besuchertreppe. Sieben kleine Boxen gibt es, in denen Raubkatzen leben. Sie sollen zu zwei oder drei größeren Gehegen zusammengelegt werden.

Erste Ergebnisse bis Sommer 2015

Die Artenvielfalt werde sich verringern, kündigte Knieriem an. Auch die Tropenhalle im Alfred-Brehm-Haus wird umgestaltet. Knieriem denkt an „Hängende Gärten“, an Bäume, die bis zu den Dachfenstern reichen, und Pflanzen, die von der Decke nach unten wachsen. Krokodile und Warane werden in der Halle leben. Die Arbeiten an den verschiedenen Projekten beginnen, sobald das Parlament die fünf Millionen Euro freigibt. Bis zum Sommer 2015 sollen Spielplätze angelegt, der Eingang des Tierparks verschönert und die Tribüne saniert sein. Der Umbau des Alfred-Brehm-Hauses könnte etwa zwei Jahre dauern.

Knieriem möchte, dass sich die Besucherzahl des Tierparks verdoppelt. „Dann würden wir wirtschaftlich arbeiten.“ Derzeit kommen rund 6000 Besucher an einem Sonntag, an Wochentagen zwischen 1000 und 1500. Die CDU begrüßte die Vorschläge. „Die präsentierten Vorhaben gehen in die richtige Richtung“, sagte Fraktionschef Florian Graf. Knieriem setze die richtigen Akzente, zu denen eine höhere Attraktivität für Familien und mehr Wohlfühlelemente für die Besucher gehörten.

Vorteil Aquarium

2013 kamen 1,035 Millionen Gäste in den Tierpark, 1,2 Prozent weniger als 2012. Die Umsatzerlöse sanken um 4,8 Prozent auf rund 4,841 Millionen Euro. Das liegt daran, dass die Eintrittserlöse um 6,2 Prozent auf 4,248 Millionen Euro zurückgingen. Traditionell stellen die Einnahmen aus dem Kartenverkauf mit fast 88 Prozent den größten Anteil am Umsatzerlös.

In den Zoo kamen im Jahr 2013 insgesamt 3,059 Millionen Gäste, das waren 64.444 Menschen mehr als im Vorjahr. 70 Prozent davon sind keine Berliner, also Touristen.

Der Zoo hat – abgesehen von seiner zentralen Lage – einen Vorteil: das Aquarium. Es gehört zum Zoo und hat inzwischen einen Anteil von 32 Prozent an der Besucherzahl. Ins – geheizte – Aquarium strömen selbst bei kaltem Wetter noch Besucher, und so ließen sich im ersten Quartal 2013 rückläufige Zahlen kompensieren. Insgesamt hatte das Aquarium Berlin vergangenes Jahr ein Besucherplus von 7,3 Prozent im Vergleich zu 2012; der Zoo insgesamt verzeichnete nur einen Zuwachs von 2,2 Prozent.