Erotikshop

Beate Uhse plant Neustart in Berlins City West

Der Sex-Shop und und das Erotik-Museum von Beate Uhse müssen umziehen, weil der bisherige Standort einem Neubau weicht. Doch die neuen Räume sind nicht weit entfernt.

Foto: Krauthoefer

Fast 20 Jahre lang war Beate Uhse die Adresse am Bahnhof Zoo. Paare, Singles, Männer und Frauen pilgerten zu dem Sexshop – auf der Suche nach Anregungen für das Liebesleben. Jetzt schließt das Geschäft am 14. September im Leineweber-Haus. Die wenig ansehnliche Häuserzeile zwischen Hardenberg- und Kantstraße in Charlottenburg-Wilmersdorf wird komplett neu bebaut.

Lange hieß es, einen neuen Standort gebe es noch nicht. Doch jetzt steht fest, dass die Ära des bereits geschlossenen Erotik-Museums in der City West und des dazugehörigen Geschäfts längst nicht beendet ist. Im Gegenteil. Die Fläche wird zwar kleiner, aber das Erotikunternehmen wird sich an der Tauentzienstraße 4 schräg gegenüber dem KaDeWe neu aufstellen. „Wir wollen den Mietvertrag in Kürze unterschreiben“, bestätigte Johann Steiner, Geschäftsführer der Beate Uhse Einzelhandels GmbH, am Dienstag die Pläne auf Anfrage der Berliner Morgenpost. Die Filiale in dem altrosafarbenen Altbau soll das Flaggschiff des Unternehmens werden.

Der Mietvertrag sei langfristig angelegt, mit Option auf Verlängerung. Das börsennotierte Unternehmen Beate Uhse sieht mit dem neuen Standort abseits des Bahnhofs eine gute Chance, die Marke neu zu positionieren – von der Männer- hin zur Frauenmarke. Das neue verspielte pinkrote Logo unterstreicht die Neuausrichtung. Die Einkaufswelt, also die Präsentation in den neuen Geschäftsräumen, soll weiblicher werden. Die Kundschaft ist laut Unternehmenssprecherin Doreen Schink ohnehin bereits zu 70 Prozent weiblich. „Heute muss man sich mit dem Erotik-Thema nicht mehr verstecken. Es ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Deshalb glauben wir auch nicht, dass wir in der neuen Nachbarschaft auf Skepsis stoßen werden“, sagt die Sprecherin.

Das war nicht immer so. Als Beate Uhse (1919–2001) als junge Unternehmerin 1962 den ersten Sexshop der Welt eröffnete, das „Institut für Ehehygiene“, traf das Geschäftsmodell noch auf große Vorbehalte. Ein Zufall dürfte es nicht gewesen sein, dass sie gerade in Berlin 1996 ihr Erotik-Museum eröffnete: Die Absicht, es in München gegenüber einer Kirche zu eröffnen, war Medienberichten zufolge am Widerstand konservativer Politiker und erboster Geistlicher gescheitert.

142 Millionen Euro Umsatz

Als Tochter einer Ärztin hatte Beate Uhse bereits kurz nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Faltblatt „Schrift X“ über natürliche Verhütungsmethoden, das sie für 50 Pfennig verkaufte, den Grundstein für ihre Firma gelegt. Aufklärungsbücher und der Verkauf von Kondomen über ihr Versandhaus folgten 1951. Heute gehören 96 Geschäfte in sechs europäischen Ländern zum Unternehmen. Der Umsatz betrug im vergangenen Jahr 142 Millionen Euro, ein Großteil davon wird inzwischen auch über den Onlinehandel erzielt. Der Hauptabsatzmarkt ist Deutschland, gefolgt von den Niederlanden.

Das neue Geschäft am Tauentzien wird allerdings wesentlich kleiner sein als im alten Leineweber-Haus an der Joachimstaler Straße Ecke Kantstraße. Dort standen für das Museum und den Shop auf drei Etagen insgesamt rund 2700 Quadratmeter zur Verfügung. Allein das Museum dehnte sich mit seinen Exponaten über zwei Stockwerke aus. Die Zeit, als sich Männer dort in kleinen Kabinen Pornofilme anschauten, war allerdings auch dort längst vorbei. Das Internet mit der Möglichkeit Sexvideos zu schauen, hatte das alte Angebot abgelöst.

Eröffnung im Winter

Künftig wird sich die Filiale in Berlin auf der rund 500 Quadratmeter großen Etage im ersten Stock des Geschäftshauses am Tauentzien präsentieren – in vielen Zimmern, die durch Flügeltüren wie in einer Altberliner Wohnung verbunden sind. Auf 300 Quadratmetern das Museum im hinteren Teil des Hauses, auf 200 Quadratmetern vorn. Der kleine Laden, der mit einer Treppe als Entree dient, soll hell und offen gestaltet werden. „Jeder soll sich hineintrauen. Die Flächen in der Etage darüber sind zwar kleiner, eignen sich aber sehr gut dazu, ein intimes Ambiente zu schaffen. Eine Komfortzone mit einer gewissen Intimität für unsere Kunden muss schon gewährleistet sein“, erklärt Doreen Schink das Konzept.

Im Museum soll es auch in den neuen Räumen um die Erotik in unterschiedlichen Ländern zu unterschiedlichen Zeiten gehen. Exponate aus der alten Ausstellung aus dem Leineweber-Haus, die Unternehmensgründerin Beate Uhse hauptsächlich in aller Welt gesammelt hatte, werden nicht fehlen. „Wir werden es aber völlig neu konzipieren. Auch mit neuen Exponaten. Ein Raum wird der Geschichte der Liebesspielzeuge, seien sie aus China oder Europa, gewidmet. Auch die Geschichte der Pornografie im Film wird beleuchtet“, sagt die Sprecherin.

Alles soll jedoch „zeitgemäß, modern und lifestylig – ohne Staub“ sein, wie sie betont. Junge Menschen sollen sich angesprochen fühlen. Der neue Shop soll im Winter eröffnen, vor dem Weihnachtsgeschäft. Bis dahin dürfte auch feststehen, wie das Grundstück an der Joachimstaler Straße neu bebaut wird. Der US-amerikanische Investor Hines lässt gerade die zwei von einer Jury gekürten Entwürfe für den Bau des neuen Geschäftshauses überarbeiten.

Werbung am Baugerüst

Das Aschinger-Haus, das nach den Entwürfen des Architekten Dietrich Garski 1973 öffnete und abgerissen werden soll, ist bereits eingerüstet und mit großen Planen verhangen. Die Gerüste sollen der Bauvorbereitung dienen, deshalb darf dort Werbung hängen. Das Bezirksamt hat sie nach Auskunft von Stadtrat Marc Schulte (SPD) genehmigt. Sechs Monate lang darf geworben werden.

Wann der Abriss beginnen soll, wurde noch nicht mitgeteilt. Das benachbarte ehemalige Bekleidungshaus Leineweber, in dem seit 1996 Museum und Shop von Beate Uhse ihren Sitz hatten, entstand in den Jahren 1950 bis 1955. Es wird der Neubebauung ebenso weichen wie der Flachbau an der Kantstraße. Im September wollen Bezirksamt und Investor die überarbeiteten Entwürfe vorstellen. Sie sollen sich nach dem Wunsch von Hines am bestehenden Planungsrecht orientieren, damit schnell begonnen werden kann.

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