Prozess

42-Jähriger soll seinen Nebenbuhler getötet haben

Mitte Januar 2014 soll Engin R. in Wedding auf einen 55-Jährigen drei Schüsse abgegeben und anschließend sieben Mal auf ihn eingestochen haben. Das Opfer war der Geliebte seiner Ehefrau.

Foto: Steffen Pletl / ZGB

Der Angeklagte wird in einem Rollstuhl in den Gerichtssaal geschoben. Das ist im Kriminalgericht Moabit ein ungewöhnlicher Vorgang. Erst recht in einem Prozess um eine Tötung. Dem 42-jährigen Engin R. wird vorgeworfen, am 14. Januar 2014 auf den 55-jährigen Saim K. mit einer halbautomatischen Selbstladepistole drei Schüsse abgegeben zu haben. Anschließend habe er seinem Opfer sieben Messerstiche in den Hals versetzt.

Saim K. war sofort tot. Als er nicht zur Arbeit kam, alarmierte eine Kollegin die Polizei. Die fanden die Leiche zwei Tage nach der Tat in Saim K.s Wohnung an der Schulstraße in Wedding.

Zwei Wochen später wurde Engin R. festgenommen. Vor dem Schwurgericht macht er von seinem Schweigerecht Gebrauch. Bei der Polizei soll er die Tat bestritten haben. Es soll jedoch ein Küchenmesser in Saim K.s Wohnung gefunden worden sein, an dem sich Blut des Opfers und DNA-Spuren von Engin R. befanden.

Körperlich wäre der Angeklagte zu dieser Tat auch durchaus in der Lage gewesen. Engin R. ist nach einer – wie Verwandte im Gerichtsflur sagen – „gescheiterten Operation am Bauch“ Erwerbsunfähigkeitsrentner und sitzt seitdem im Rollstuhl. Er soll sich aber bei kurzen Strecken auch ohne Rollstuhl fortbewegen können. Anwalt Muharrem Aras, der für die Schwester des Getöteten die Nebenklage vertritt, hält es aber auch für denkbar, dass es mehrere Täter gibt. Nachbarn sollen vor der Tat einen lauten Streit zwischen Männern gehört haben.

Eifersucht oder Habsucht?

Bekannt ist auch, dass Engin R.s Ehefrau eine langjährige Beziehung mit dem getöteten Saim K. pflegte. So scheint sich ein Motiv schon anzudeuten: Eifersucht, was ein Mordmerkmal wäre. Die Staatsanwaltschaft hat aber nur wegen Totschlags angeklagt. Anwalt Aras deutet an, dass auch Habsucht der Anlass für die Tötung von Saim K. gewesen sein könnte.

Der Getötete war Inhaber eines Bistros im Bahnhof Friedrichstraße. Vorher betrieb er einen sehr gut gehenden Imbiss im inzwischen geräumten Kunsthaus Tacheles. Und es soll eine gemeinsame Tochter geben, deren gesetzlicher Vater Engin R. ist. Das Kind lebte auch bei ihm und seiner Ehefrau. Saim K. hatte dieses inzwischen neunjährige Mädchen schon 2005 in seinem Testament als Alleinerbin eingesetzt. Es handele sich um ein Vermögen von mehr als 500.000 Euro, sagt Anwalt Aras. Darunter seien auch Ländereien in der Türkei, deren Wert noch gar nicht richtig feststehe. Und da die Tochter noch minderjährig ist, könnten die offiziellen Eltern, also Engin R. und dessen Ehefrau, dieses Vermögen verwalten.

Die Verwandten von Saim K. wollen die Vollstreckung des Testaments verhindern und haben Klage eingelegt. Nach türkischem Recht gibt es keinen Pflichtteil, sie würden also, sollte das Testament bestätigt werden, völlig leer ausgehen.

Der Prozess wird am 2. September mit der Vernehmung von Zeugen fortgesetzt.