Mann erschossen

Polizei sucht nach Mord an 55-Jährigen in Wedding Zeugen

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Nele Obermüller, Steffen Pletl und Peter Oldenburger

Es ist der dritte Fall innerhalb einer Woche in Berlin, bei dem ein Mann erschossen wurde. Ein 55-Jähriger wurde tot in seiner Wohnung in Wedding entdeckt. Die Häufung der Mordfälle ist rätselhaft.

Saim K. war als zuverlässig bekannt, kam pünktlich zur Arbeit oder sagte ab, wenn er krank oder verhindert war. Der 55-Jährige wohnte schon seit Mitte der 80er-Jahre unauffällig und zurückgezogen in Berlin-Wedding, nicht weit vom Leopoldplatz entfernt.

Am Mittwochabend wurde der türkischstämmige Mann tot in seiner Zweieinhalbzimmerwohnung im dritten Stock eines Hauses an der Schulstraße aufgefunden. Eine 35 Jahre alte Kollegin, die wie das Mordopfer in einem Imbiss in Mitte arbeitet, hatte um 20.24 Uhr Feuerwehr und Polizei alarmiert, weil der 55-Jährige nicht zur Arbeit erschienen ist und auch telefonisch nicht erreichbar war.

Minuten später fanden die Einsatzkräfte den Mann leblos auf dem Fußboden liegend, nach Polizeiangaben mit Schussverletzungen im Oberkörper. Unklar ist bislang, ob der 55-Jährige den Schussverletzungen erlegen oder möglicherweise verblutet ist. Eine für den Donnerstag anberaumte Obduktion in der Gerichtsmedizin sollte nähere Aufschlüsse bringen.

Auch das Tatmotiv ist Gegenstand der Ermittlungen durch die 1. Mordkommission, die den Fall noch in der Nacht zu Donnerstag übernommen hat. Es würden dabei auch mögliche Zusammenhänge zu den jüngsten Morden in Reinickendorf und Pankow geprüft. Derzeit gebe es jedoch keinerlei Anzeichen auf eine Verbindung der Taten, sagte ein Ermittler am Donnerstag.

Bereits am Vortag hörten Nachbarn einen Streit

Weder an der Haustür noch an der Wohnungstür des Ermordeten seien sichtbare Einbruchsspuren zu erkennen gewesen. Stattdessen gibt es Anhaltspunkte, welche auf die Tatzeit hindeuten: Anwohner hatten nach ersten Erkenntnissen der Polizei bereits am Dienstagabend einen lauten Streit aus der Wohnung des 55-Jährigen gehört Dabei soll es sich eindeutig um Männerstimmen gehandelt haben, nur um wie viele, sei unklar. Es sollen auch Schüsse gefallen sein. Einer von K.s Nachbarn will zwei Schussabgaben gehört haben.

Mitbewohner des Opfers, die im fünfgeschossigen Mehrfamilienhaus gleich neben der Karstadt-Filiale an der Müllerstraße leben, beschrieben K. als ruhigen, höflichen Mann. Sie erzählten, dass bereits in den zurückliegenden zwei Jahren in dem Haus Straftaten verübt wurden, aber da sei es nur um Einbrüche in mehrere Wohnungen gegangen. Auch in das Friseurgeschäft im Nebenhaus sei einmal eingebrochen worden.

Am Donnerstagvormittag waren Kriminalbeamte erneut in der Wohnung des Mordopfers auf Spurensuche. Zudem befragten sie Anwohner. Am Nachmittag wurden auch Spürhunde eingesetzt.

Die Polizei veröffentlichte am Donnerstag ein Foto des Opfers und bittet bei der Suche nach dem Täter um Hinweise von Personen, die das Opfer und dessen Bekannte kennen und darüber Auskunft geben können.

Zudem fragt die Polizei, wer Saim K. am Dienstag, den 14. Januar 2014, noch gesehen oder Kontakt mit ihm hatte. Hinweise nimmt die 1. Mordkommission, Keithstr. 30, unter der Rufnummer 4664-911 111 oder jede andere Polizei-Dienststelle entgegen.