Wowereit

Der letzte Abend vor dem Rücktritt

Noch am Abend vor der Ankündigung seines Rücktritts hat Klaus Wowereit unbeschwert gefeiert – Beim Sommerfest des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes Berlin in Gemeinschaft mit Visit Berlin.

Foto: Tim Brakemeier / dpa

Eine Wurst für den Regierenden? „Oh Gott.“ Der Koch hinter dem Grill stöhnt. Jetzt habe er gerade erst alle durchgegrillten Knacker vergeben. Mit ernster Miene schichtet er nach. Ein paar Minuten müsse man sich noch gedulden.

Ein paar Minuten zuvor. Ein „Wir“ ist es, das er benutzt. „Wir möchten uns bedanken für die Einladung“, begrüßte Klaus Wowereit die Gäste im Tipi am Kanzleramt am Montagabend, „ich freue mich, dass es beiden Organisationen so gut geht, dass sie einen solchen Empfang ausrichten können.“

Zum Sommerfest des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) Berlin mit Visit Berlin, einen Abend vor der Rücktrittsverkündigung, ist auch der Regierende Bürgermeister erschienen. Im blauen Anzug, ohne seinen Lebenspartner Jörn Kubicki und ohne Krawatte – und gut gelaunt. „Der hat heute aber einen guten Tag“, bemerken einige der 800 Gäste aus Hotel- und Tourismusbranche der Stadt, wie Regent-Direktor Stefan Athmann, Palace-Chef Michael Frenzel, Park Inn-Direktor Jürgen Gangl und Mandala-Geschäftsführer Christian Andresen. Nach den Eröffnungsworten der Gastgeber, Dehoga Berlin-Präsident Willy Weiland und Visit Berlin-Chef Burkhard Kieker, tritt der Regierende selbst auf die Bühne.

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„Weiland hat heute ja auch ausnahmsweise mal nicht geklagt“, scherzt Wowereit, in Bezug auf die Klage Weilands in 2013 zur von Wowereit verfochtenen Bettensteuer. „Aber: Der Tourismus Berlins ist eine Erfolgsstory, wir freuen uns über jeden Touristen, der herkommt, die Stadt schafft das – wir schaffen das! Und das haben wir Ihnen zu verdanken, das ist Ihr Gemeinschaftswerk.“

Eigentlich hätte es mit diesen Worten genug sein können. Doch Wowereit lässt sich nicht stoppen. „Es war ja gerade Sommerpause, nicht, und einige von Ihnen waren mutig, haben ihren Urlaub draußen verbracht, außerhalb von Berlin. Auch ich war ein bisschen weg. Aber das hat keiner gemerkt – ich habe das gut gestückelt.“ Wowereit erntet Lacher von der rechten Publikumsflanke. „Und dennoch, nun bin ich hier – und ich muss sagen, wer nicht begreift, dass Berlin absolute Spitze ist, da weiß ich auch nicht weiter.“ Lacher von links. „Wir sind eine Stadt geworden“, seine Stimme wird lauter, „darauf sind wir stolz.“ Dann wird aus dem „Wir“ ein „Ich“. „Und ich bin für Olympia“, sagt Klaus Wowereit, „ich stehe für Olympia in Berlin, mit Überzeugung. Und Sie alle bitte ich um Unterstützung dafür.“ Verhaltenes Klatschen. „Und nun uns allen einen wunderschönen Abend.“

Und dann bleibt Wowereit. Verschwindet nicht, wie sonst oft direkt nach seinen Worten. Er kündigt Gayle Tufts als Überraschungsgast an, die 20 Minuten aus ihrem „Love!“-Programm präsentiert, tanzt mit ihr zur Perfomance von Pharrell Williams „Happy“, grinst, klatscht. „Klaus, Du mein einziger Duz-Bürgermeister“, sagt Tufts.

Dann strömen die Gäste nach draußen. Mit Wowereit. Der sich direkt ans Buffet begibt, sich neben anderen mit Restaurantkritiker und Autor Stefan Elfenbein an einen der Stehtische stellt und gut gelaunt zynisch auf Fragen reagiert. Wie es denn schmecke? „Schlecht, wir sind ja beim Dehoga.“ Ob er zur Meisterköche-Gala am 8. November komme? „Na, das weiß ich doch jetzt nicht, aber immerhin ist Berlin Partner schon klüger geworden und veranstaltet die nicht mehr am 9. November.“ Ob man ihm zur Beruhigung eine Wurst bringen könne? „Ja, Wurst, wieso nicht.“ Mit Ketchup? „Mit Ketchup.“