Rücktritt

Wer könnte Nachfolger von Klaus Wowereit werden?

Der Rücktritt von Klaus Wowereit als Regierender Bürgermeister von Berlin heizt die Frage der Nachfolge an. Diese SPD-Politiker könnten Wowereit beerben.

Klaus Wowereit will zurücktreten, die Kandidaten für die Nachfolge in der SPD stehen längst bereit. Diese Politiker könnten Klaus Wowereit als Regierender Bürgermeister beerben.

SPD-Landeschef Jan Stöß hat als Parteivorsitzender eigentlich den ersten Zugriff auf die Spitzenkandidatur. Und in der Berliner SPD weiß man, dass der 41-Jährige gern Regierender Bürgermeister werden will. Auch wenn er das offiziell natürlich jetzt nicht sagen würde. Stöß war Stadtrat in Friedrichshain-Kreuzberg und ist nach der letzten Abgeordnetenhauswahl 2011 leer ausgegangen. Er, der als Verwaltungsrichter sein Geld verdient, entschied sich dann für einen anderen Weg: Im Jahr 2012 wurde Stöß – unterstützt von SPD-Fraktionschef Raed Saleh – neuer Parteivorsitzender in Berlin. In diesem Sommer wurde er im Amt bestätigt, wenn auch nur mit 68,7 Prozent. Aber Mehrheit ist Mehrheit.

SPD-Fraktionschef Raed Saleh hat eine rasante Karriere hingelegt: Der gebürtige Palästinenser, heute 37 Jahre alt, engagierte sich in der Spandauer SPD, wurde dann Kreisvorsitzender in Spandau, kam 2006 ins Abgeordnetenhaus und wurde schon nach einer Legislaturperiode Chef der Fraktion. Saleh ist ein begnadeter Strippenzieher und hat sich zum Ziel gesetzt, Regierender Bürgermeister zu werden. Aber wie alle anderen potenziellen Kandidaten würde er das jetzt nicht sagen. Zumal er um Ostern herum damit liebäugelte, gegen Stöß als SPD-Landeschef anzutreten – und es dann doch nicht tat. Dies hat ihm innerparteilich ziemlich geschadet, auch wenn Saleh selbst sich nicht beschädigt sieht.

Stadtentwicklungssenator Michael Müller hat ein Mammutressort zu verwalten. Seiner Meinung nach macht er das gut, in der Partei sieht man das nicht ganz so – und verweist auf den Volksentscheid zum Tempelhofer Feld, auf den Wohnungsneubau, der nur ganz allmählich in Gang kommt, auf die sanierungsbedürftigen Straßen. Müller wurde vor zwei Jahren als SPD-Landeschef abgewählt. Er hoffe jetzt aber, dass ihn die Partei rufe, heißt es in der SPD. Weil sie ihm den Job des Regierenden Bürgermeisters eher zutrauten als Stöß oder Saleh. Der 49-Jährige hält sich also bedeckt – und wäre wahrscheinlich auch nicht unzufrieden, wenn er auch nur Senator bliebe – unter einem anderen SPD-Politiker.

Finanzsenator Ulrich Nußbaum traut sich den Job als Regierender Bürgermeister zu. Und, so hört man aus der Partei, der 57-Jährige würde sehr gern Nachfolger von Klaus Wowereit werden. Wowereit holte ihn im Jahr 2009 von der Hansestadt nach Berlin und schickte ihn für die SPD in den Senat. Nußbaum verhielt sich in den vergangenen Jahren stets loyal zu Wowereit, machte aber nie einen Hehl daraus, dass er sich auch Größeres als nur Finanzsenator vorstellen kann. Sein Problem: Er ist kein SPD-Mitglied. Und er hat sich in den letzten Jahren nicht nur Freunde in der Partei gemacht – zum Beispiel mit seiner Kritik an den Bezirken, denen er nicht mehr Personal zur Verfügung stellen will.