Obdachlos

Neben der Eisfabrik campiert nun eine bulgarische Familie

In Zelten wohnen ein Ehepaar und ein Angehöriger neben der ehemaligen Eisfabrik an der Köpenicker Straße. Der Mann verdiente Geld, sagt er, könne sich aber keine Wohnung leisten. Nun soll er weichen.

Foto: Steffen Pletl

Gut zwei Jahre lang hatten einige Dutzend Bulgaren in der baufälligen ehemaligen Eisfabrik an der Köpenicker Straße in Mitte einen Unterschlupf gefunden. Anfang dieses Jahres wurden sie vertrieben, die Räumung der Holzverschläge, in denen sich die Wanderarbeiter durchgeschlagen hatten, brachte die Wohnungslosen in die Schlagzeilen. Erst landeten die Südosteuropäer in einem Hostel, später in einer Kirche. Eine adäquate Lösung für die Menschen, die sich als EU-Bürger frei in Berlin bewegen und einer Arbeit nachgehen dürfen, wurde nicht gefunden.

Jetzt sind auf einem benachbarten Grundstück auf einer Brache wieder einige Wohnungslose aufgetaucht. Ein Ehepaar und ein Bruder des Mannes halten sich seit gut sechs Wochen hier auf, sie leben in zwei Zelten. Der 31 Jahre alte Fevzi Kadir hat eine Arbeit auf einem Schrottplatz und campierte nach eigenen Angaben nicht freiwillig mit seiner Frau und seinem Bruder neben der Spree.

Der 31-Jährige verdiene durch den Job sein eigenes Geld und beziehe keinerlei Unterstützung, wie er betont. Doch bei der Wohnungssuche hätten das Ehepaar und der fünf Jahre jüngere Bruder kein Glück gehabt. „Ich möchte schon eine Wohnung, doch bisher bin ich nur betrogen worden“, sagt Fevzi Kadir in gebrochenem Deutsch. So habe er eine Wohnung in Neukölln angemietet, doch jeden Monat habe ein anderer Türke von ihm eine Miete verlangt, die von Mal zu Mal teurer geworden sei.

Ein Anwohner hat Verständnis für die Brachen-Bewohner

Nun soll er am Montag von der Fläche verschwinden. Polizeibeamten waren in der vergangenen Woche mehrere Männer auf dem Grundstück aufgefallen. Die Polizisten machten Fevzi Kadir klar, dass er gehen müsse. Angeblich würde der Eigentümer des Grundstücks das von ihm verlangen, gesprochen habe er ihn bislang nicht. Doch Kadir wisse auch nicht, wohin. Außer ihm und seinen Angehörigen soll auch ein Mann aus Spanien auf dem Areal zelten, am gegenüberliegenden Grundstücksende.

Ein Anwohner aus dem nahen Wohnviertel Fischerinsel, der regelmäßig auf der Brache mit seinem Hund Sina spazieren geht, ist auf die ungeklärten Verhältnisse aufmerksam geworden. Er hat Verständnis für die Nöte der unfreiwilligen Camper. „Ich gehe hier am Spreeufer oft spazieren. Seit Jahren hat sich auf dem Gelände nichts getan“, sagt Bernd Ramm. Er könne es nicht nachvollziehen, dass jetzt auf einmal ein bislang untätiger Eigentümer auftauche und Forderungen stelle, ohne sich bislang mit den Menschen verständigt zu haben, die hier notgedrungen einen Unterschlupf gefunden hätten. Friedfertige Menschen, die durchaus einer geregelten Arbeit nachgehen, hätten etwas Besseres verdient, findet er.