Prozess

Durchs Fenster gerast - Berliner Blitzeinbrecher vor Gericht

Für eine Serie von Blitzeinbrüchen sollen zehn Männer aus Berlin verantwortlich sein. Jetzt hat der Prozess begonnen. Die Angeklagten sollen mit gestohlenen Autos in drei Elektronikmärkte gerast sein.

Foto: Paul Zinken / dpa

Die Methode der Einbrecher war nicht neu, sorgte aber doch für Aufsehen: In den Morgenstunden des 18. Dezember vergangenen Jahres fuhren fünf Männer mit einem Kleinwagen der Marke Nissan Micra durch die Glasscheibe des Vorraums der Saturn-Filiale Zehlendorfer Welle an der Clayallee. Das Auto rollte noch 25 Meter weiter und blieb erst in Höhe des Kassenbereiches stehen. Das weitere Hindernis, eine zweiflügelige Automatikglasschiebetür vor dem Verkaufsraum, zertrümmerten die Einbrecher mit einem langstieligen Hammer. Gestohlen wurden teure Handys, iPads, Tablet-PCs und Zubehör im Gesamtwert von 81.545 Euro. Hinzu kam ein Sachschaden von knapp 40.000 Euro.

Der spektakuläre Einbruch ist seit Mittwoch Thema eines Prozesses, der vor einer Großen Strafkammer im Moabiter Kriminalgericht begann. Angeklagt sind zehn zwischen 23 und 27 Jahre alte Männer, denen von der Staatsanwaltschaft – mit unterschiedlicher Tatbeteiligung – eine Serie von Straftaten vorgeworfen wird. Fünf der Angeklagten sollen als Bande gehandelt haben. Sechs Angeklagte wurden aus der Untersuchungshaft in den Gerichtssaal geführt. Vier Angeklagte sind auf freiem Fuß. Alle zehn haben ihren Wohnort in Berlin.

In den Anklagesätzen geht es unter anderem um elf Einbrüche in Einkaufsmärkte, Tankstellen und Geschäftsräume. In drei Fällen rasten die Täter mit Fahrzeugen durch Glastüren von Geschäften und stahlen vor allem hochwertige Mobiltelefone. Tatorte waren verschiedene Städte in der Bundesrepublik. Dabei sollen die zumeist vermummten Täter Overalls aus Kunststoff und Handschuhe getragen haben, um Spuren von sich zu vermeiden.

Tür mit Kuhfuß aufgebrochen

Zu den Taten, die in Berlin stattfanden, zählt neben dem Einbruch in die Zehlendorfer Saturn-Filiale ein Einbruch in ein Bürogebäude am Kurfürstendamm. Den Ermittlungen zufolge drangen drei der Angeklagten am 10. Dezember 2013 gegen 2.15 Uhr in das Haus ein und zerstörten die Bewegungsmelder auf den Fluren. Anschließend hebelten sie mit einem Nageleisen, auch Kuhfuß genannt, und einem Schraubendreher die Eingangstüren zu den Büros auf. Gestohlen wurden Bargeld, Computer und Zubehör im Wert von etwa 18.000 Euro.

Mit Brachialgewalt gingen die Täter schon in einem Einkaufszentrum in Leipzig vor. Am 24. Oktober 2012 hebelten sie mit einer Brechstange die Eingangstür eines Juweliergeschäfts auf, zerschlugen Vitrinen und erbeuteten Schmuck im Wert von 26.800 Euro. Hinzu kommt der nicht unerhebliche Sachschaden.

Ein weiteres Ziel der Einbrecher war am 7. November 2013 eine Postagentur in Wedemark (Niedersachsen): Sie schlugen mit einem Vorschlaghammer die Türen ein und entnahmen der Hauptkasse Briefmarken im Wert von rund 2700 Euro; zur Beute gehörten zudem 100 Stangen Zigaretten. Ähnliches wiederholte sich am 13. November 2013 in einem Elektromarkt in Lehrte (Niedersachsen), am 25. November 2013 an einer Tankstelle in Büchen (Schleswig-Holstein) und am 18. Dezember 2013 in Kassel, wo die Täter einen Kanaldeckel durch die Ladenscheibe eines Telefonshops warfen. Wert der Beute hier: knapp 33.000 Euro. Bei der anschließenden Flucht in einem Fahrzeug der Marke Phaeton mit gestohlenen Kennzeichen prallten die Täter mit dem Wagen erst gegen eine Kurvenbake und dann gegen einen Baum. Sie flüchteten zu Fuß weiter. Schaden am Auto: rund 30.000 Euro.

Auch zur Durchführung anderer Beutezüge sollen einige Angeklagte mehrfach Autokennzeichen von anderen Fahrzeugen abgeschraubt und diese dann für die Fluchtfahrzeuge verwendet haben. Dabei sollen auch gestohlene Autos genutzt worden sein.

Manipulation an Wettautomaten

Vorgeworfen werden einigen Angeklagten zudem Manipulationen an Wettautomaten. Sie sollen Geldscheine laminiert und damit in Hamburger Wettbüros den Mechanismus der Geldautomaten überlistet haben: Der Geldbetrag wurde zwar gutgeschrieben, die Täter erhielten die laminierten Geldscheine aber zurück – und bekamen das vorgebliche Guthaben in Form einer Bonusgutschrift ausgezahlt oder schlossen mit dem Guthaben Wetten ab. Der Schaden für die Wettbüros liegt bei knapp 32.000 Euro.

Der Prozess wird am 19. August fortgesetzt. Er ist zunächst bis Dezember terminiert. Am ersten Prozesstag wurden nur die Anklagesätze verlesen. Ob sich die Angeklagten zu den Vorwürfen äußern werden, ist offen. Die Staatsanwältin deutete an, dass es noch eine weitere Anklageschrift gibt, die mit dem aktuellen vor Gericht geführten Verfahren verbunden werden könnte.

Ermittelt wird nach Auskunft der Anklagevertreterin derzeit noch wegen der sogenannten Blitzeinbrüche am 8. Dezember 2013 im Einkaufszentrum Alexa am Alexanderplatz und am 23. Dezember im Apple Store am Kurfürstendamm. Die Staatsanwältin machte keine Angaben, ob die Täter identisch mit Angeklagten des aktuellen Prozesses sind. Vieles spricht allerdings dafür.