Ermittlungserfolg

Berliner Polizei klärt Blitzeinbrüche in Elektromärkte auf

Die Festnahme der Bande verlief ebenso spektakulär wie der Blitzeinbruch mit einem Auto in den Apple-Laden auf dem Berliner Kudamm. Ein SEK fasste sieben Verdächtige bei ihrem jüngsten Coup in Dresden.

Foto: Paul Zinken / dpa

Eine Straße mit unscheinbaren Neubauten in Berlin-Wedding. Wer dort an einer Haustür klingelt, dem wird nur zögernd geöffnet. Die Bewohner haben keine Lust, mit Fremden zu reden oder aber sie ahnen, dass man mit ihnen über ein unangenehmes Thema sprechen möchte.

Es geht um die Nachbarn, die schwer kriminell sein sollen. Das könne man sich nicht vorstellen, sagt ein Anwohner. Als freundlich und unauffällig habe er die jungen Männer kennen gelernt. Mehr Informationen sind an diesem Mittwochvormittag in der Nachbarschaft nicht zu holen.

Allein in einem Haus an der Reinickendorfer Straße in Wedding sollen zwei Täter der Bande gewohnt haben, die nach Informationen der Morgenpost für die spektakuläre Serie von Einbrüchen in Berliner Elektromärkte verantwortlich ist. Bis auf einen Komplizen sollen die anderen Täter ganz in der Nähe zu Hause sein.

In der Nacht zu Mittwoch wurden die insgesamt sieben 20 bis 26 Jahre alten Tatverdächtigen in Sachsen gefasst. Im Dezember 2013 sollen sie mit Autos in drei Berliner Geschäfte gerast sein: in einen Media Markt im Alexa am Alexanderplatz, in eine Saturn-Filiale im Einkaufszentrum Zehlendorfer Welle sowie in den Apple Store am Kurfürstendamm in Charlottenburg. Innerhalb von Minuten sollen sie bei diesen Blitzeinbrüchen massenweise hochwertige Ware gestohlen haben. Zumindest die ersten beiden Einbrüche gehen nach Morgenpost-Informationen sicher auf ihr Konto. Die Tatverdächtigen sollen spätestens am heutigen Donnerstag einem Haftrichter vorgeführt werden.

Fahndungsdruck in der Hauptstadt

Kurz vor ihrer Festnahme hatte die Bande versucht, in einen Media Markt in Dresden einzubrechen. Offenbar war ihr der Fahndungsdruck in der Hauptstadt zu groß geworden. Mit einem Ford Galaxy fuhren die Täter gegen 2.20 Uhr durch eine Glastür in ein Einkaufszentrum an der Peschelstraße im Ortsteil Mickten und versuchten, das Sicherheitsrollo zum Media Markt zu durchbrechen. Was sie nicht wussten: Umfangreiche Ermittlungen und Observationsmaßnahmen von Berliner Polizei und Staatsanwaltschaft hatten dazu geführt, dass Spezialeinsatzkräfte des Landeskriminalamts den Einbrechern bis nach Dresden gefolgt waren.

Mit Unterstützung von Einsatzkräften aus Sachsen überwältigten die Beamten vier Täter noch im Einkaufszentrum. Drei Komplizen gelang zunächst in einem Audi A7 die Flucht. Dabei rammten sie ein Zivilfahrzeug und verletzten einen Polizeibeamten. Über die Autobahn flüchteten die Täter bis nach Cottbus und dort weiter zu Fuß in ein Wohngebiet. Dort wurden sie schließlich von Beamten des Berliner Spezialeinsatzkommandos (SEK) festgenommen. Bei einem Tatverdächtigen wurden nach Morgenpost-Informationen eine scharfe Schusswaffe, 40 Schuss Munition sowie eine Schutzweste gefunden. Außerdem wurden der Ford und zwei Audis beschlagnahmt.

„Ich gratuliere der Berliner Polizei und Staatsanwaltschaft zu diesem großartigen Fahndungserfolg“, meldete sich am Mittwoch Innensenator Frank Henkel (CDU) zu Wort. „Die Serie von spektakulären Blitzeinbrüchen, die es im letzten Jahr gegeben hat, hat zu erheblicher öffentlicher Aufmerksamkeit geführt. Um so mehr freue ich mich, dass es der Polizei gelungen ist, die mutmaßlichen Täter festzunehmen.“

Offiziell spricht die Polizei zurzeit noch davon, Zusammenhänge zu anderen, nach gleichem Muster begangenen Taten zu prüfen. Im vergangenen Jahr waren Unbekannte mit Autos auch in ein Juwelier-Geschäft und in ein Pfandhaus gerast. Dass die Täter außer in Berlin und Sachsen auch in anderen Bundesländern zugeschlagen haben könnten, ist der Polizei nicht bekannt. Auch zu möglichen Hintermännern konnte ein Sprecher am Mittwoch keine Angaben machen.

Serie startet vor Weihnachten

Die Serie in Berlin hatte kurz vor Weihnachten begonnen. In der Nacht vor dem 2. Advent – einem verkaufsoffenen Sonntag – rasten die Täter durch einen Seiteneingang ins Alexa am Alexanderplatz. Dann durchbrachen sie das Rolltor einer Media Markt-Filiale. Die Beute – vor allem Handys im Wert von mehr als 100.000 Euro – luden sie in einen bereit gestellten Fluchtwagen um. Eine gute Woche später schlugen Einbrecher auf die gleiche Weise in einem Zehlendorfer Saturn-Elektronikmarkt zu. Mit einem Nissan Micra durchbrachen sie Glastüren und ein Rolltor. Auch dieses Mal entkamen die Täter in einem vor dem Geschäft abgestellten Fluchtwagen.

Der wohl spektakulärste Einbruch mit derselben Masche ereignete sich dann wenige Tage später im Apple Store am Kurfürstendamm. In den frühen Morgenstunden des 23. Dezember fuhren die Täter mit einem Auto durch das Schaufenster in die Filiale und rafften iPads, iPhones und Macbooks zusammen. Wie in den beiden anderen Fällen flüchteten sie in einem Audi – vermutlich einer der Wagen, der ihnen auch in Dresden zur Flucht verhelfen sollte.