Neubau in Mitte

Historische Adresse - Am Zirkus 1 wird wieder gefeiert

Die Adresse ist geschichtsträchtig. Am Zirkus 1 öffnet kommende Woche das Leonardo Hotel neben dem Berliner Ensemble. Dort stand 1868 Berlins erste Markthalle, in dem später ein Zirkus residierte.

Foto: Amin Akhtar

Der erste Gast wird ein Engländer sein. „Für sie ist Berlin aktuell der Hotspot“, sagt Sandra Dreher von „Leonardo Hotels Europe“, die in der nächsten Woche ihr neues Haus eröffnen werden. Es ist das sechste in Berlin und befindet sich in bester Lage: zwischen Berliner Ensemble und Weidendammer Brücke, vorne ist der Schiffbauerdamm mit der Spree. Eigentümer des neuen Leonardo Hotels ist David Fattal. Insgesamt gehören ihm inzwischen 55 Leonardo Hotels in Europa, 2006 startete er mit dem ersten in Berlin, dem damaligen Excelsior an der Hardenbergstraße in der City West.

Das Grundstück in Mitte, auf dem die Peach Property Group und die Deutsche Immobilien AG das zehngeschossige Gebäude von 2009 bis 2014 errichteten ließen, war viele Jahre eine Brache – mit der prominenten Adresse Am Zirkus 1. Dort stand 1868 Berlins erste Markthalle, ein Bau aus Gusseisen und Glas, in dem später ein Zirkus mit rund 5000 Plätzen residierte. Nach einem Umbau befand sich dort das Große Schauspielhaus. Auch der alte Friedrichstadtpalast hatte hier seine Wurzeln – bis zur Sperrung aus Sicherheitsgründen 1980.

Im Neubau wird jetzt gewohnt und gearbeitet. Der Hotelanteil beträgt im Gebäude mit seinen fast 33.000 Quadratmetern etwa ein Drittel der Fläche, die Hälfte sind Eigentumswohnungen, der Rest dient Büros und drei Läden.

Designer Andreas Neudahm hat sich bei der Inneneinrichtung auf die bunte Geschichte des Grundstücks bezogen. Die Adresse Am Zirkus 1 inspirierte ihn, Akzente im Innern des Hauses zu setzen. So sorgt die Wand mit Bildern von Varietétänzerinnen schon in der Lobby für Hinweise auf das frühere Amüsierleben. An die 70er-Jahre erinnern abgerundete Ecken und Formen, auch der farbenfrohe Teppich mit dem Grün und den roten Kreisen. Ein Themenhotel sei das Leonardo aber nicht, sagt Neudahm.

Besucherboom für Berlin

Der Bedarf für Hotels ist nach Sicht der Investoren in Berlin nach wie vor vorhanden. Die stetig wachsenden Besucherzahlen belegen den Erfolg. Nach Auskunft der Tourismusgesellschaft „Visit Berlin“, bei der sich die „Visit Berlin Partnerhotels“, die Investitionsbank Berlin, das Land Berlin sowie die Berliner Flughäfen, die Messe Berlin und die TMB Tourismus-Marketing Brandenburg für die Vermarktung der Hauptstadt engagieren, haben allein im vergangenen Mai 1.120.572 Gäste Berlin besucht. Das sind 7,3 Prozent mehr als im Vergleichsmonat des Vorjahres. Von Januar bis Mai 2014 kamen 4.460.815 Gäste, 4,2 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum 2013. Insgesamt haben 11,3 Millionen Gäste im vergangenen Jahr Berlin besucht, ein Plus von 4,4 Prozent im Vergleich zu 2012.

„Die Gegend rund um den Bahnhof Friedrichstraße ist der ideale Ausgangspunkt, um Berlin zu erkunden. Kultur, Shopping und Gastronomie liegen vor der Tür, und man ist sogar schnell im Grünen, beispielsweise auf dem Tempelhofer Feld“, sagt Visit-Berlin-Sprecher Björn Lisker. Dennoch spüren die Hoteliers laut Sandra Dreher – sie ist als Vizepräsidentin für den Verkauf und das Marketing bei den Leonardo Hotels zuständig –, dass der Flughafen BER immer noch nicht fertig ist. „Dadurch fehlt uns die starke Nachfrage gerade im internationalen Geschäft. Auch der Kongressbetrieb ist dadurch reduziert.“ 309 Zimmer bietet das neue Hotel, das als 4-Sterne-Garni-Hotel geführt wird. „Die Standardzimmer haben eine Größe ab 18 Quadratmetern und kosten ab 89 Euro“, sagt Hoteldirektorin Andrea Bauer. Sie hat davor fünf Jahre lang das Leonardo Hotel an der Wilmersdorfer Straße in Charlottenburg geleitet. Die Loft Suite mit wundervollem Blick über Berlins City verfügt über 85 Quadratmeter. Dort wird allerdings noch an der Innenausstattung gebaut, die frei stehende Badewanne muss auch noch ausgepackt werden.

Für Mittes Baustadtrat Carsten Spallek (CDU) ist die Fertigstellung des Neubaus nur ein Projekt von vielen in dem Quartier. Das Grundstück sei längst nicht die letzte zu bebauende Brache gewesen. Er verweist auf die Plattenbauten am Schiffbauerdamm, die demnächst abgerissen und neuen Wohnungen weichen sollen. Auch Richtung Deutsches Theater an der Albrechtstraße gebe es Überlegungen einer Rentenbank, sich dort anzusiedeln. Nicht vergessen werden dürften auch folgende große Vorhaben: auf dem Tacheles-Areal, wo Wohnungen, Gewerbe, Einzelhandel und ebenfalls ein Hotel entstehen sollen, sowie das Areal zwischen Oranienburger Straße, Tucholsky- und Monbijoustraße, wo mit dem Forum Museumsinsel Neues geplant sei. „Diese Vorhaben werden das Quartier nachhaltig prägen und hoffentlich zu einem vielfältig genutzten Gebiet machen“, betonte Spallek.

Foto: Amin Akhtar (3) / Amin Akhtar