Stadtbahn

Stillstand bei der S-Bahn - So lief die Sperrung an

Seit Montag stehen die S-Bahnen auf der Stadtbahn still, zunächst zwischen Friedrichstraße und Bahnhof Zoo. Die Umstellung auf Bus und Regionalbahn verlief fast reibungslos - außer am Hauptbahnhof.

Bernd Wiemann steht vor einem Rätsel: Vor ihm ist ein Baustellenschild, das die Fahrgäste über die Sperrung der S-Bahn auf der Stadtbahn informiert. Die Abkürzung „SEV“ hat der Münchner noch nie gehört. Vor den Rolltreppen zur S-Bahn im Berliner Hauptbahnhof flattert ein Absperrband, das jedem klar macht: hier geht’s erst mal nicht mehr hoch. Doch wie jetzt weiter? Das fragte sich am Montagmorgen auch Bernd Wiemann, der mit der S-Bahn zum Hackeschen Markt fahren wollte. Beruflich beschäftigt er sich zwar mit der Entwicklung von Zukunftsprojekten, doch Abkürzungen zu erraten wie die für Schienenersatzverkehr gehört nicht dazu. „Wenn hier schon niemand persönlich Auskunft gibt, sollte zumindest doch ein Pfeil die Richtung weisen“, kritisiert er.

Es ist Tag eins der sechs Wochen dauernden Sperrung auf einer der wichtigsten S-Bahn-Trassen der Stadt, die täglich von rund 150.000 Fahrgästen genutzt wird. Wie berichtet, wird die Stadtbahn in den Ferien saniert, weshalb zwischen Friedrichstraße und Bahnhof Zoo bis zum 4. August keine S-Bahnen fahren. Dann folgt der zweite Bauabschnitt. Bis zum 25. August verkehren keine S-Bahn-Züge zwischen Friedrichstraße und Ostbahnhof.

S-Bahn: Alles gut gelaufen

Mit Flyern und Schildern hatte die Bahn im Vorfeld darüber informiert. Wo die Ersatzbusse am Hauptbahnhof allerdings abfahren, ist für den Gast aus München nicht erkennbar. Die Busse verkehren ab Washingtonplatz. Doch wo ist der? Für Wiemann ist nicht ersichtlich, welcher der zwei Hauptausgänge der richtige ist. Er erwischt den Ausgang Europaplatz. Kehrtwende. Er muss den Bahnhof erneut durchqueren.

Nach Auskunft von S-Bahn-Sprecher Ingo Priegnitz gibt es im Gebäude genug Schilder, die auf den richtigen Ausgang verweisen. Und dass kein Personal an den S-Bahn-Rolltreppen stehe, habe den Grund, dass sich die DB-Information nur 20 Meter weiter befinde. Priegnitz zieht am Nachmittag dann auch eine positive Bilanz: Alles sei gut gelaufen. Von einzelnen Verspätungen abgesehen, beispielsweise wegen eines Notarzteinsatzes und einer liegen gebliebenen S-Bahn an der Schönhauser Allee, sei der Verkehr reibungslos gelaufen. Auf der Stadtbahnstrecke verkehren jetzt pro Stunde und Richtung sieben Regionalzüge, zwei mehr als sonst.

Ersatzbus fährt alle drei Minuten

Lange warten muss am Montagmorgen niemand auf die Ersatzbusse. Sie fahren alle drei Minuten. Die Regionalbahnen sind aber schneller. Sie fahren an der Friedrichstraße von den Gleisen 3 und 4, am Zoo von den Gleisen 1 und 2 und am Hauptbahnhof von den Gleisen 11 und 12 Richtung Friedrichstraße, 13 und 14 Richtung Zoo. Fahrgast Thomas Kroll ist auf die Sperrung gut vorbereitet und nimmt vom Zoo die Regionalbahn zum Hauptbahnhof – obwohl er das Finale im Haus der Kulturen der Welt gefeiert hatte und erst um 3 Uhr im Bett war. „Ich fahre jeden Montag nach Hamburg zum Erzbistum“, sagt er. Die eine Station mit der Regionalbahn vom Zoo bis zum Hauptbahnhof dauert vier Minuten. Wer es eilig hat und das Risiko, mit den Ersatzbussen im Stau zu stehen, meiden will, sollte sie nehmen.

An der Friedrichstraße ärgert sich Thomas Beer derweil, dass ihn die auf dem Boden aufgeklebten Fußabdrücke zu einer falschen Stelle gelotst hatten. Er wartet am Reichstagufer unter der Brücke vergeblich auf die Ersatzbusse zum Zoo. „Die falschen Aufkleber sind gemeldet“, versichert eine Servicekraft. „Das wird schnellstens verändert.“