Zwangsadaptionen

Opfer demonstrieren für Aufarbeitung von DDR-Unrecht

Tausende Kinder wurden in der DDR ihren Eltern aus politischen Gründen weggenommen. Opfergruppen kritisieren, dass dieses Kapital unzureichend aufgearbeitet ist - und demonstrierten nun in Berlin.

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Unter dem Motto „Vergessene Opfergruppen des DDR-Regimes fordern Aufarbeitung“ haben am Sonnabend nach Polizeiangaben rund 60 Menschen vor dem Brandenburger Tor in Berlin demonstriert. Sie forderten die Aufklärung von Unrecht an Kindern und Jugendlichen in der DDR sowie Hilfe für Missbrauchsopfer. Um auf Zwangsadoptionen aufmerksam zu machen, hingen sie Zettel mit Suchanzeigen nach vermissten Familienangehörigen auf. Zu dem Protest hatten der Verein „Hilfe für die Opfer von DDR-Zwangsadoptionen“ und die Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft aufgerufen. Die Demonstranten liefen am Samstagmittag vom Pariser Platz zum Großen Stern und wieder zurück.

Opfer: Thema von der Politik ignoriert

Die Rechtslage mache es den Betroffenen schwer, ihre eigene Geschichte aufzuarbeiten, hieß es in einer Mitteilung. Das Thema sei weitgehend unbekannt und werde von Politik und Behörden ignoriert. Bislang sei kaum etwas über die Praxis der DDR bekannt, Kinder aus politisch oder gesellschaftlich unliebsamen Familien zu entfernen und an systemtreue Familien zu geben, beklagen die Initiatoren. Diese Praxis habe furchtbare Folgen für die Betroffenen gehabt. Es seien Familien zerrissen, Eltern ihrer Kinder und Kinder ihrer Wurzeln beraubt worden.

Vor allem in den 70er-Jahren waren Kinder in der DDR ihren Eltern aus politischen Gründen weggenommen worden. Allein in Berlin sind es nach einem Bericht des Bezirkes Mitte 150 Fälle gewesen, bundesweit sollen es Tausende gewesen sein. Die Demonstration richtete sich aber auch gegen dre willkürliche Einweisung in die berüchtigten Werkhöfe der DDR. Hier sollten Jugendliche – mit körperlicher und psychischer Gewalt – im Sinne der DDR umerzogen werden. Viele Opfer der DDR fühlen sich auch 25 Jahre nach dem Fall der Mauer in ihrem Wunsch auf Rehabilitation vom Staat alleingelassen.