Bebauung

Dragoner-Areal - Kreuzbergs begehrtestes Grundstück

Flächen wie das Dragoner-Areal am Mehringdamm sind eine Rarität geworden. Ein großes Grundstück, mitten in Berlin, mit alten Gebäuden und Platz für Neubauten. Die Begehrlichkeiten sind deshalb groß.

Foto: Sergej Glanze

Das so genannte Dragoner-Areal am Mehringdamm in Kreuzberg steht zum Verkauf. Werden hochwertige Eigentumswohnungen errichtet, wie es ein früherer Investor plante? Oder gelingt eine Kreuzberger Mischung aus kleinteiligem Gewerbe, Kultur und bezahlbaren Wohnungen, wie es sich mehrere Initiativen wünschen? Die Frage ist erneut offen.

Denn die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) veräußert das Grundstück zum zweiten Mal. Erneut zum Höchstpreis. Abgabeschluss für Angebote war am gestrigen Donnerstag. Das Interesse am Grundstück sei ausgesprochen groß, sagte Barbara Beckstett, Abteilungsleiterin Verkauf bei der Bima. Bis zum Donnerstagnachmittag seien 20 Gebote eingegangen. Diese und die noch eintreffenden Angebote würden gesichtet, dann zügig über das weitere Vorgehen entschieden. „Einen genauen Termin dafür gibt es nicht“, so Beckstett. Der erste Verkauf des Grundstücks war gescheitert.

Die Bima hatte die Fläche 2012 an einen Hamburger Investor, die ABR German Real Estate, für mehr als 20 Millionen Euro vergeben. Doch das Unternehmen konnte den Preis nicht aufbringen. Es gab im Januar 2014 bekannt, dass der Vertrag nicht realisiert werde. Vorausgegangen waren Gespräche mit dem Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg über die Pläne des Investors, der zwischen 600 und 700 Wohnungen auf dem Gewerbegelände errichten wollte. Eigentumswohnungen waren vorgesehen, aber auch Anteile für Genossenschaften und Baugruppen.

Planung mit Bürgerbeteiligung

Es sollten sechsgeschossige Neubauten errichtet werden, die an die Stelle der alten, flachen Werkstätten treten. Das Bezirksamt kritisierte, dass eine zu dichte Bebauung vorgesehen sei, und mehrere Geschosse auf die denkmalgeschützten Ställe aufgesetzt werden sollten. Der damalige Bezirksbürgermeister, Franz Schulz (Grüne), forderte eine behutsame Entwicklung der Fläche und dass bezahlbarer Wohnraum geschaffen wird. Rund 47.000 Quadratmeter groß ist die Fläche. Sie liegt hinter dem imposanten Gebäude des Finanzamtes, einer einstigen Kaserne.

Heute sind der LPG-Biomarkt, eine Polsterei, Autowerkstätten und der Klub „Gretchen“ Mieter auf dem Gelände. Das Bezirksamt setzt sich auch dafür ein, dass Biomarkt und der Klub „Gretchen“ die Chance haben, bleiben zu können. Auch das Bündnis „Stadt von unten“, ein Zusammenschluss von lokalen Initiativen, engagiert sich für das Grundstück. Es fordert, dass das Dragoner-Areal nicht an einen Privatinvestor verkauft wird. „Es sollte nicht zum Höchstgebot verkauft werden, sondern zu einem angemessenen Preis an Berlin übergehen“, sagt Enrico Schönberg, der dem Bündnis angehört. „Wir wollen, dass die Stadt das Gelände gemeinsam mit Akteuren entwickelt.“ Mieten sollten auch für Hartz-IV-Empfänger erschwinglich sein. Die Bundesanstalt sei gesetzlich verpflichtet, entbehrliche Immobilien zum Verkehrswert zu veräußern, sagte Abteilungsleiterin Beckstett.

Das Bezirksamt hätte es gern anders. Es sei bedauerlich, dass die Bima nach wie vor nach dem Höchstpreisverfahren arbeite, sagte Friedrichshain-Kreuzbergs Baustadtrat Hans Panhoff (Grüne). Preisgünstiges Wohnen müsse es auf jeden Fall geben, sagte er. Der Denkmalschutz sei zu berücksichtigen. In jedem Fall werde es im Zuge der Planung eine Bürgerbeteiligung geben. „Es muss eine offene Diskussion geben“, so Panhoff. „Sonst ist das Projekt zum Scheitern verurteilt.“