Gefängnisflucht

JVA-Ausbrecher Metin Michael M. in Reinickendorf gefasst

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Foto: Polizei Berlin

Vor zehn Wochen brach Metin M. aus der JVA Moabit aus - und blieb in Berlin. Nun wurde er gefasst. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Justiz-Bedienstete wegen möglicher Gefangenenbefreiung.

Der vor wenigen Wochen aus der Haftanstalt Moabit ausgebrochene Straftäter ist gefasst. Wie die Polizei mitteilt, ist er in Reinickendorf festgenommen worden.

Der 34-Jährige Metin Michael M. war Mitte Mai mit einem Komplizen Ulrich Z. aus der Untersuchungshaft geflüchtet. Metin M. steht unter dem dringenden Verdacht, im März 2013 einen Berliner Clubbetreiber getötet zu haben. Bei dem Getöteten handelte es sich um den Besitzer des bekannten Nachtclubs "First" an der Joachimstaler Straße Ecke Lietzenburger Straße in Charlottenburg.

Die Flucht der in U-Haft einsitzenden 34 und 25 Jahre alten Häftlinge aus dem Moabiter Gefängnis am 19. Mai dieses Jahres gilt noch immer als eine der spektakulärsten. Sie ist jetzt nach 74 Tagen beendet. Beide befinden sich wieder hinter Gittern.

Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) sowie Innensenator Frank Henkel (CDU) zeigten sich erleichtert und dankten den Ermittlern. „Damit bestätigt sich, dass sich ein Ausbruch nicht lohnt“, sagte Heilmann. Die akribische Arbeit der Polizei habe sich ausgezahlt, so Henkel.

Die Flucht war spektakulär

Nachdem Metin Michael M. und Ulrich Z. in ihren nebeneinander liegenden Zellen die Eisenstäbe vor ihren Fenstern durchgesägt hatten, haben sie sich mit Bettlaken in den Hof des Gefängnisses abgeseilt. Anschließend konnten sie eine mehr als vier Meter hohe Mauer erklimmen, warfen Decken über einen dort gezogenen Stacheldrahtzaun und kletterten ungehindert auf ein Vordach. Von dort sind sie anschließend auf die Straße Alt-Moabit gelangt und versteckten sich in Berlin.

"Es kann nicht sein, dass im 21. Jahrhundert Menschen auf die Art und Weise ausbrechen, wie das bereits vor 150 Jahren passiert ist", kommentierte ein Ermittler den Ausbruch damals gegenüber der Berliner Morgenpost.

Eine erste Absuche des Umfeldes durch die Polizei mit Spürhunden hatte ergeben, dass ihre Spur bis zur nächsten S-Bahn Station führt. Erst eine öffentliche Fahndung mit von der Polizei veröffentlichten Fotos brachte Bewegung in die weitere Suche. Dieser Tatsache war es auch geschuldet, dass der als Betrüger verurteilte Ulrich Z. am 3. Juni in einem Charlottenburger Hotel gefasst werden konnte.

Ausbrecher ließ sich Bart wachsen und täuschte Akzent vor

Eine Angestellte des Hotels hatte den Mann wiedererkannt. Und das trotz der Veränderungen. Er hatte sich einen Bart wachsen lassen und im Hotel als Tourist ausgegeben. Um in dieser Rolle besonders glaubwürdig zu erscheinen, sprach er sogar gebrochenes Englisch. Doch offensichtlich nicht gut genug. Die von der Hotelangestellten alarmierte Polizei konnte den Sträfling wenig später widerstandslos in seinem Hotelzimmer festnehmen. Derweil befand sich sein Komplize noch immer auf der Flucht.

Nach der Flucht gab es Kritik an Justizsenator Heilmann

Die Flucht der beiden Männer sorgte auch für Diskussionen in der Berliner Landespolitik. Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) geriet wegen offenkundiger Sicherheitslücken unter Druck. Unmittelbar nach dem Ausbruch wurden Vorwürfe über die desolate Personalsituation in Haftanstalten laut. Nach Aussagen von Thomas Goiny vom Bund der Strafvollzugsbediensteten gibt es schon seit Jahren kein Personal mehr auf den Wachtürmen. Außerdem fehlten Mitarbeiter für die Außenrunden. Auch der Personalrat der JVA Moabit hatte sich in der Vergangenheit immer wieder an den Justizsenator gewandt, ihm mehrere Briefe geschrieben und über die Personalnot in der Haftanstalt geklagt.

Heilmann wies die Kritik jedoch zurück. Zur Personalausstattung der Berliner Justizvollzugsanstalten sagte er nach dem Vorfall im Abgeordnetenhaus, diese sei in den vergangenen 15 Jahren nicht so gut gewesen wie heute. Nur wenige Bundesländer hätten einen besseren Personalschlüssel. Kommen in Berlin auf 100 Gefangene 66 Justizvollzugsbeamte, liegt der Bundesdurchschnitt bei 100 zu 53. In der JVA Moabit sind mehr als 900 Häftlinge untergebracht.

Ermittlungen gegen Justiz-Bedienstete wegen Gefangenenbefreiung

Justizsenator Heilmann musste nach dem Ausbruch Fehler des Personals einräumen. So wurden vermutlich Bilder auf einer Überwachungskamera weggedrückt. Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft Ermittlungsverfahren gegen Justizbedienstete wegen möglicher Gefangenenbefreiung eingeleitet. Details dazu wurden bislang nicht bekannt.

Eine externe Untersuchungskommission, die vom Senator eingesetzt wurde, untersucht derzeit die Abläufe im Gefängnis. Ergebnisse sollen bis Ende August vorliegen.

( plet/seg )