Ole Bested Hensing

So will der Bäderchef die Berliner Schwimmhallen attraktiver machen

Sein Ziel ist es, die Berliner wieder häufiger zum Schwimmen zu bewegen: Bäderchef Ole Bested Hensing über gute und schlechte Mitarbeiter, den Bedarf an mehr Kombi-Bädern und das Baden in der Spree.

Foto: Amin Akhtar

Nach seinem Amtsantritt hat Ole Bested Hensing Berlins Landespolitik aus ihren Illusionen gerissen. Der frühere Chef des Brandenburger Freizeitparks „Tropical Islands“ rechnete ungerührt vor, dass die Berliner Bäderbetriebe (BBB) in der bestehenden Struktur immer tiefer in die roten Zahlen gerissen würden, trotz der vielen Millionen Euro, die für Sanierungen in die Bäder geflossen sind. Seitdem diskutiert die Stadt über Schließungen und Neubauten.

Berliner Morgenpost: Herr Bested Hensing, Sie stellen fest, dass die Berliner viel seltener in Schwimmbäder gehen als Bürger anderer Städte. Liegt das nicht auch daran, dass wir in und um Berlin so viele Seen und Flüsse haben?

Ole Bested Hensing: In anderen Städten gibt es auch Seen. Sogar in Oranienburg, wo ich früher gearbeitet habe, sind die Seen noch näher und wir hatten mehr Nutzer in den Bädern als hier. Viele Menschen mögen die Infrastruktur, Toiletten, Duschen, die die wilden Badestellen nicht bieten. An heißen Tagen sind ja unsere Frei- und Sommerbäder proppenvoll.

Stimmt denn der Bädermix in Berlin?

Wir haben zu wenig Angebote für das, was die Mehrheit der Bevölkerung möchte, nämlich baden. Wir haben sehr viel Angebote zum Schwimmen. Das interessiert 24 Prozent der Berliner, hat also seine Berechtigung. Aber die Mehrheit möchte baden und sich entspannen.

Wie viel Wasserfläche benötigen die Schulen und Vereine?

Elf Hallenbäder würden ausreichen. Aber wir brauchen ein dezentrales System von Bädern, die halbwegs ortsnah zu erreichen sind. Das ist in einigen Regionen am Rande der Stadt nicht so. Aber in der Innenstadt haben wir zum Teil überproportional viele Schwimmhallen pro Einwohner. Da sind wir dabei, einige diese Bäder als Vereins-, Schul- und Kursbäder auszulegen, um die anderen der Öffentlichkeit zuzuführen. So bekommen wir die Kosten besser in den Griff. In Vereinsbädern brauchen wir als Bäderbetriebe weniger Personal einzusetzen.

Der Senat hat viel Geld in die Sanierung von Bädern gesteckt. Warum ist die Lage der Bäderbetriebe jetzt nicht ausgezeichnet?

Es gab 2006 das Bädersanierungsprogramm, weil einige Schwimmbäder so marode waren, dass sie baurechtlich nicht weiter zu betreiben gewesen wären. Das Land gab 50 Millionen Euro aus, mit weiteren Fördermitteln von Bund und EU waren es insgesamt 73 Millionen. Das Programm schließen wir in diesem Jahr ab, alle Hallen sind dann fertig saniert. Aber wir haben weiterhin einen Sanierungsrückstand von 88 Millionen. Selbst wenn man einige Bäder saniert, muss man andere dennoch weiter instand halten. In Wannsee haben wir einen Rückstau von zehn Millionen, in der neuen Halle an der Landsberger Allee von zehn, in Mariendorf von knapp 15 Millionen. Dort sind wir sehr nahe an einem Zustand, wo wir schließen müssen. Die Hallen sind für eine Lebensdauer von 20 bis 30 Jahren ausgelegt, wir betreiben sie schon 40 Jahre. Wenn man solche Anlagen nicht regelmäßig instand hält, gehen die auch schneller kaputt.

Aber müsste man dann nicht öfter sagen, wir schließen das Bad und bauen neu?

Das haben wir vorgeschlagen. Die Bäderbetriebe brauchen Gäste, um Einnahmen zu erzielen. Wenn wir die Bäder in schlechtem Zustand halten, kommen weniger Gäste, die Einnahmen sinken.

Sie nehmen jetzt nach einer Sanierung wieder drei Bäder in Betrieb. Da müssen die Einnahmen der Bäderbetriebe doch steigen, oder?

Wir haben etwa 16 Millionen Euro Einnahmen und 65 Millionen Kosten. Die Differenz zahlt das Land. Jedes große Bad mit einem 50-Meter-Becken beispielsweise, was wir in Betrieb nehmen, verursacht für die Bäderbetriebe einen Jahresverlust von 1,1 bis 1,2 Millionen Euro. Wir wollen die Verluste der BBB senken. Aber mit traditionellen Hallen werden wir es nicht schaffen, diese Verluste zu begrenzen, um nicht jedes Jahr steigende Ausgaben zu haben. Jetzt werden wir drei große Bäder wieder in Betrieb nehmen. Dafür benötigen wir etwa 60 Mitarbeiter, die wir nicht haben. Wir schaffen es nicht, alle Anlagen gleichzeitig in Betrieb zu halten.

Das heißt, Sie machen sie wieder zu?

Es macht keinen Sinn, ein Schwimmbad frisch zu sanieren und dann nicht zu öffnen. Wir schließen andere Hallen, vor allem an den Wochenenden. Das ist schade, weil es eine teure Infrastruktur ist. Sie dann nicht zu betreiben, finde ich schwierig.

Was wäre der Ausweg?

Wir haben vorgeschlagen, eine oder zwei Fremdfirmen zu holen, die für uns Bäder betreiben. Das hat die Politik abgelehnt. Wir können aber derzeit kein zusätzliches Personal einstellen, weil wir wissen, dass wir es nicht bezahlen können. Ich war erstaunt über die heftige Reaktion der Politik, weil wir ja keine Privatisierung geplant hatten. Die Leute dort sollten unter unserem Namen und unter unserem Logo zu den gleichen Konditionen wie unsere eigenen Leute arbeiten. Die Firmen können aber billiger anbieten als wir, weil sie effizienter arbeiten.

Könnte man bei der Servicequalität noch etwas drehen?

Viel kann man machen. Es gibt überall gute und schlechte Mitarbeiter. Viele sind geprägt von alter Schule. Das zeigt sich nicht nur im Umgang mit den Gästen. Wenn irgendwo in einem Bad ein Mitarbeiter ausfällt und ein Badleiter einen Kollegen fragt, ob er dort aushelfen könnte, dann sagte der mitunter Nein. Dann wendet man disziplinarische Möglichkeiten an. Als Arbeitgeber sind wir dennoch häufig der Verlierer, denn die Kollegen werden dann einfach krank. Diese Mentalität müssen wir durchbrechen. Durch Lob und Motivation, aber auch durch Kontrolle. Ich habe den Eindruck, man hat vor ein paar Jahren die Führung aufgegeben, weil man dachte, es gehe einfach nicht. Das finde ich nicht in Ordnung. Wir müssen mit den Menschen, die unsere Gehälter bezahlen, ordentlich umgehen.

Sie haben ja den Neubau von Kombi-Bädern mit Hallen- und Außenbecken angeregt. Wie ist die Perspektive für Neubauten?

Die Aufgabe eines Bäderchefs kann es nur sein, der Bevölkerung möglichst viel Wasserfläche zur Verfügung zu stellen. Wenn wie an vielen Bädern eine Sanierung teurer wird als ein Neubau, sollten wir doch lieber ein neues Bad bauen. Und wenn es fertig ist, schließen wir das alte. Für die Bevölkerung würden so keine Nutzungszeiten ausfallen. Das haben eigentlich alle als vernünftig aufgenommen. Wir müssen das nur einmal in einem Pilotprojekt umsetzen.

Welches soll das sein?

Wir haben im Aufsichtsrat und mit den Politikern über Mariendorf gesprochen. Wir reden da über ein Kombi-Bad, weil wir nur so mehr Leute in die Bäder bekommen. Bei normalen Schwimmhallen bleiben die Leute nur so kurz, dass sich kein Betrieb vernünftig rechnet. Deswegen ist der Gastronom fast immer schlecht und kurz vor der Pleite. Shops funktionieren auch nicht. Deshalb macht es Sinn, mehreres an einem Ort zu konzentrieren und etwas Freizeitorientiertes zu machen. Nur so senken wir die Verluste für das jeweilige Bad.

Wann wird das Schwimmbad im Tierpark eröffnet?

Wir haben den Auftrag, ein Konzept zu machen. Aber der Tierpark-Chef muss das auch vorantreiben. Wir fänden das toll, aber darüber muss politisch entschieden werden.

Zuletzt gab es immer wieder Ärger und Schlägereien in Freibädern. Benötigen Sie dort mehr Security?

Punktuell entstehen Probleme mit aggressiven Jugendgruppen. In solchen Sonderfällen muss die Polizei eingreifen. Das kann nicht Aufgabe unserer eigenen Security-Leute sein.

Es gibt ein Projekt, im Spreekanal in Mitte Schwimmen zu ermöglichen. Was sagen Sie dazu?

Ich finde das toll, ich finde alles gut, wo die Bevölkerung ordentlich schwimmen kann.

Wirken Sie daran mit?

Die Initiatoren suchen ja Leute, die Geld haben. Da wir keines haben, fragt man uns auch nicht.